Ahnengalerie

 

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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Ahnengalerie

Beitrag von Johanna »

Ein Fürstenstamm……
des Heldenlauf
reicht bis zu unsern Tagen
in grauer Vorzeit ging er auf
mit unsres Volkes Sagen.

Am Anfang dieses Fliesenbildes steht dieser Spruch.

Der Fürstenzug ist ein überlebensgrosses Bildnis auf ca 23000 Fliesen aus Meissen und zeigt die Herrscher Sachsens. Diese Fliesen wurden auf die äussere Mauer des Stallhofes aufgetragen. Man ist in der Innenstadt von Dresden, das Schloss, Zwinger, Taschenbergpalais alles ist in unmittelbarer Nähe zu diesem herrlichen Porzellanbild. Das Taschenbergpalais war ab 1705 von König August dem Starken als Stadtpalais für Anna Constantia von Hoym, ab 1707 Gräfin Constantia von Cosel vorgesehen. Nach häufigen Umbauten und Bestimmungen ist es heute ein Luxushotel.

Doch zurück zum Fürstenzug:
Die Namen der Herzöge, Fürsten, Herrscher sind vermerkt, aber nicht gerade unter den Namensträgern.
Konrad der Grosse führt den Zug an.
Der Mann, der heute als Stammvater des Sächsischen Königshauses gilt und den Fürstenzug der Wettiner am Dresdner Stallhof anführt, begann als armer Graf an der Saale seinen Aufstieg zum angesehenen „Landesfürsten“. Bis zum Ende seines Lebens sollten ihm ein fester Glaube an sich selbst, aber auch eine gehörige Portion Glück ständige Begleiter sein. Konrad starb am 5. Februar 1157, nur zwei Monate nach seinem Eintritt ins Stift auf dem Lauterberg.

Otto der Reiche aus dem Hause der Wettiner war von 1156 bis 1190 Markgraf von Meissen war der älteste Sohn Konrads I. des Grossen. Sein Beiname der Reiche ist nicht zeitgenössisch. Zu Ottos Lebzeiten galt der Großvater seiner Frau, Graf Otto von Ballenstedt als Otto der Reiche. Erst Jahrhunderte später erhielt er, wegen der reichen Silberfunde bei Freiberg, diesen Beinamen.

Albrecht der Stolze war ältester Sohn von Otto dem Reichen.
Da Albrechts Vater nicht ihn, sondern seinen Bruder Dietrich als Erben des Landes einzusetzen gedachte, ergriff Albrecht die Waffen und nahm 1188 den Vater gefangen. Er musste ihn zwar auf Befehl Kaiser Friedrichs I. freigeben, setzte aber die Anerkennung seines Erbrechts durch.

Dietrich der Bedrängte war der zweite Sohn des Markgrafen Ottos des Reichen von Meissen und und der Hedwig von Ballenstedt.
Als sein Bruder Albrecht 1195 starb, belehnte Kaiser Heinrich VI. nicht Dietrich mit der Markgrafschaft Meißen, sondern zog die Mark mit ihren reichen Bergwerken als „heimgefallenes Lehen“ ein. Dietrich hatte insgesamt 8 Kinder wovon mehrere sehr jung starben, einige Kinder waren illegitim.

Heinrich der Erlauchte kam als jüngster Sohn von Dietrich dem Bedrängten und Jutta von Thüringen um 1215 auf die Welt. Er war ein tapferer, edler, gerechter, kunstsinniger, freigebiger und prachtliebender Fürst.

Dieses Porzellanwandbild stellt auf 102 m die Ahnengalerie der Wettiner dar. Ganz besonders hat es mir das Attrribut „der Gebissene“ angetan und ich habe darüber recherchiert.
Friedrich I. der Gebissene oder mit der gebissenen Wange genannt wurde 1257 auf der Wartburg geboren. Der war Landgraf von Thüringen und Markgrad von Meissen.
Er selbst nannte sich 1269, nach dem Tod Konradins „Friedrich III., König von Jerusalem und Sizilien, Herzog von Schwaben, Landgraf zu Thüringen und Pfalzgraf zu Sachsen“, womit er seinen Anspruch in Nachfolge seines Großvaters Friedrichs II. deutlich machte. Wie man als Mutter dem Neugeborenen in die Wange beissen kann, ist mir ein Rätsel. Aber ob das auch der Wahrheit entspricht ist nicht bekannt oder belegt.

Wer mehr über die Wettiner Fürsten/Herrschwer wissen will der kann es im Internet finden und sich ausführlich darüber informieren.

Den Schluss macht Georg (als Prinz) der allerdings nur 28 Monate regierte. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war besonders für das Königreich Sachsen eine ereignisreiche, aber auch unruhige Zeit: Allein in den Jahren von 1902 bis 1904 starben zwei Könige. König Albert von Sachsen 1873 – 1902 und Georg 1902 – 1904 an der Grippe. Sein ältester Sohn wird als Friedrich August III. (1868 - 1932) im Oktober 1904 letzter König von Sachsen. Er ist auf diesem Porzellanbild nicht mehr aufgeführt.
Das Bild wird wieder mit einem Spruch abgeschlossen:

Du alter Stamm sei stets erneut
in edler Fürstenreihe
wie alle Zeit Dein Volk Dir weiht
die alte deutsche Treue.

Ursprünglich wurde das Bild in Scrafitto-Technik gemalt. Scrafitto-Technik ist das Einkratzen von Ornamenten. Der Reiterzug sollte vor einem goldfarbenen, rautenförmig gegliederten Hintergrund Herrscher der wettinischen Adelsdynastie mit Gefolge darstellen. Erst im Jahr 1904 wurde ein Probestück der Fliesen für dieses Porzellanbild hergestellt. Das Gemälde hatte durch äussere Witterungseinflüsse stark gelitten. Für die Erneuerung wurden 67.000 Goldmark bewilligt.
1905 und 1906 wurde die Porzellanmanufaktur Meissen mit der Herstellung der Fliesen beauftragt.

Im zweiten Weltkrieg kam dieses Wandbild zum grossen Teil unbeschadet davon – lediglich ein paar hundert Fliesen mussten erneuert werden. Die grosse Hitze durch das infernalische Feuer welches Dresden in Schutt und Asche legte konnte dem Wandbild nicht viel anhaben. Wegen äusserer Verschmutzungen wurde das Porzellanbild 1978 gereinigt.

1979 wurden 450 teilweise beschädigte Fliesen ergänzt und 223 nach alten Rezepten neu hergestellte Fliesen angesetzt. Eine Kostbarkeit, die man einfach gesehen haben muss.
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