der Nabel der Welt Teil 3

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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der Nabel der Welt Teil 3

Beitrag von Johanna »

Der Nabel der Welt Teil 3

In einem Nebenraum waren die Mainzer Erzbischöfe mit ihren Insignien, der Erfurter Rat, das Zinsregister und andere Dinge ausgestellt.

Der Mainzer Erzbischof war über Jahrhunderte Erfurts Stadtherr. Nur kurz hatte Erfurt den Statusy einer Bischofsstadt. Später stieg Erfurt zum kirchlichen Zentrum Thüringenauf.
Um 1000 konnten die Mainzer Erzbischöfe ihre Befugnisse, die kirchenpolitische und öffentlich-rechtliche Stellung auch zur qweltlichen Stadtherrschaft ausbauen. Im 13. Jahrhundert gelang jedoch der Zusammenschluß Erfurter Bürger zu einem Ratsgremium , das innerhalb weniger Jahrzehnte weitreichende Herrschaftsbefugnisse an sich zog und den Erzbischof praktisch absetzte.

Eine volkstümliche Schrift war ausgestellt in welcher sich ein Unbekannter äusserte, was er von der Obrigkeit erwartete:
Dass man auf Rechtlichkeit achte,
sich ziemlich halte mit Gebot und Verbot,
bedachtsam und klug handle,
seine Macht nicht mißbrauche und zum besten der Stadt wirke.

Die älteste Urkunde die ein Gremium von 23 Bürgern mit unterzeichnet, isr von 1212.
Spätestens ab 1261 existierte ein Rat mit 2 Ratmeistern und 12 Ratsherren. Die Sitze der Ratsherren wurden erhöht weil die Handwerker, Bäcker, Wollweber, Schuhmacher, Schmiede, Fleischer, Schneider Kürschner und Krämer auch je einen Sitz erhielten.
Das Zepter des geistlichen Gerichts sowie das Siegel des Generalrichters waren in einem Glaskasten ausgestellt.
An Waffen sah man Schwerter, Handfesseln, edinen Galgenstock und die Gerippe von abgeschlagenen Händen.
Bei einem der ausgestellten Schwerter war die Spitze abgeflacht, damit man beim köpfen den Hals besser durchschlagen konnte.
Bei einer Auseinandersetzung vor Gericht um einen Erschlagenen konnte eine abgetrennte Hand des Toten als Beweisstück vorgelegt werden. Ein Rechtsbrauch der seit dem 13. Jahrhundert auch schriftlich belegt ist. Im Richtschwert war folgender Spruch eingekerbt:
wenn ich das Schwert thue aufheben so wünsche ich dem armen Sünder das ewige Leben.

Das Scharfrichteramt wurde gut bezahlt er bekam eine Dienstwohnung mit grossem Hof, allerdings hatte er ca 30 Leute zu verköstigen. Mägde, Knechte, Auszubildende - Er musste in seinem Hof auch Zimmer bzw. Übernachtungsmöglichkeiten für durchreisende Scharfrichter bereit halten, denn diese wurden in keinem anderen Gehöft untergebracht.

Im Keller hatte man uns gesagt dass es Dinge von Ausgrabungen zu sehen gab, allerdings würde kein Aufzug hinunter fahren. Die Angestellten wussten ja nicht, dass meine Neugier fast alles besiegt. Ich ging vorsichtig die steile Treppe zum Keller hinunter und ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es nicht versucht hätte.

Dunkelheit herrschte dort unten vor – aber es gab auch Lichtquellen. Drei grosse runde Tische bzw. Tischschränke waren zu sehen. Ringsherum in grösseren Abständen waren Platten eingearbeitet . Wenn man die Hand auf diese Platten legte dann glitt wie durch Zauberhand ein gläserner runder Behälter mit den entsprechenden Objekten nach oben, sodass man alles gut betrachten konnte. Dabei waren dann auch Beschriftungen zu lesen um was es sich bei den einzelnen Dingen handelte. Diese „Tische“ waren unterteilt in Austausch, Rituale, Innovationen, usw,.


Die Erfindung des Steinschliffs war eine Schlüsseltechnik,. Ausgestellt war ein Steinkeil.
Im Jahr 1995 wurde aus einer Siedlungsgrube die Gussform einer spätbronzezeitlichen Gewandnadel geborgen. Das besondere der Gussform war dass sich auch auf der Rückseite eine runde Eintiefung für eine Bronzehalbkugel befand.
In einem anderen Schaukasten lagen Arm und Halsringe, Ketten und anderer Schmuck. Hier war allerdings die Beschriftung nur auf Englisch.
Bei Bauarbeiten stiess man 1902 und 1903 in der Nähe des Bahnhofs auf eine B egräbnisanlage. Eine kleine Falkenfibel eine Bügelfibel mit halbrunder Kopfplatte und fünf Knöpfe wurden gefunden. Die Geandnadeln sind aus Silber, teilweise vergoldet und weisen Almandineinlagen auf.
(Almandinen sind rote Halbedelsteine aus Indien, so weiss man dass sich die Handelsbeziehungen bereits sehr weit ausgebreitet hatten.

1967 und 1981 wurde ein merowingerzeitliches Gräberfeld ausgegraben. Die Untersuchung umfasste 23 Bestattungen vom späten 6. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts. Die Frauengräöber enthielten Trachtenbestandteile und Schmuck und bei den Männergräbern waren es überwiegend Bestandteile der Waffenausrüstungen. Ausserdem hatte man Speisebeigaben mit ins Grab gelegt. Es waren ein Kamm, eine Schüssel, und spitze und lange Stichwaffen ausgestellt.

Es ist kaum zu glauben dass man vor vielen hundert Jahren schon einen gezielten operativen Eingriff in den Schädel geschnitten wurde und der Patient nach heutigen wissenschaftlichen Analysen in vielen Fällen diesde nach wie vor riskange Operation auch überlebte. Ein Beispiel ist hierfuer ein Männerschädel einer schnurkeramischen Öffnuing. Die Ränder sind leicht gezackt wie man an dem Schädel sieht.

Eine kurze Notiz berichtet dass 1859 auf einer kleinen Bergzunge am wenigen Feld 20 Halsringe und 8 kleine Randleistenbeile. Eine ausgestellte kleine Münze lag im Mund eines Mannes den man gemeinsam mit seinem Kind auf dem Erfurter Petersberg begraben hatte,
Diese Sitte war auch bei den Wikingern bekannt dass man dem Verstorbenen für den Fährmann ein Geldstück mit auf den Weg ins Jenseits mitgab.

Unter den Grabfunden von 1939 ist eine Scheibenfibel ein beeindruckendes Zeugnis fränkischer Handwerkskunst Diese Fibel stammt vermutlich aus einer mittelrheinischen Werkstatt und gelangte wohl durch Handel, Tausch oder Geschenk nach Erfurt.

In der Abteilung für Rituale waren nur Beschreibungen die ich hier nichtg weiter erörtern oder beschreiben möchte.
Allerdings habe ich noch viele Münzen oder Fibeln gesehen die unterteilt waren in Kirche, Reich und Adel. Alle waren unterschiedlich, zwar gleich gross, manche nur halbiert, aber alle waren gestanzt. Es gab ein Rasiergerät bei dem ich schmunzeln musste. Denn ich habe im Missionarmuseum von Neuguinea auch ein „Rasiergerät“ gesehen, allerdings nicht so fortschrittlich wie hier. Sondern dort war es nur ein Holzstück mit einem Schlitz in der Mitte, sehr scharfen Kanten. Das Haar wurde durch diesen Schlitz gezogen und der Stab so lange hin und hergeführt bis das Haar eben „abgeschnitten“ war.
Dieses ausgestellte Rasiergerät ist als solches nicht zu erkennen, an einem Ring sind zwei Griffe befestigt diese Griffe haben jeweils nach innen führende gegenläufige Fortsätze – ähnlich wie die Schneiden einer Schere.

Der „Aufstieg ins Erdgeschoss“ war etwas mühsam – aber der „Abstieg in den Keller“ hatte sich wirklich gelohnt.
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