Räubertour

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Räubertour

Beitrag von Johanna »

Am 14, November hatten wir in Kassel etwas zu erledigen. Wir fuhren also mittag nach Kassel, erledigten Uwes Geschäfte und fuhren am späteren Nachmittag wieder Richtung Heimat-.

Auf dem Heimweg wurden wir von meinem Navi über eine Strecke gelotst, die ich gar nicht kannte. Es war Feierabendverkehr und die Strassen um Kassel herum demzufolge überfüllt. Uwe bog dann bei einem Stau einfach von der Autobahn ab und fuhr auf der Landstraße weiter.

In einem Dorf hielt er an, sagte „hier bin ich richtig“ und verschwand. Er kam nach einer geraumen Weile wieder und hatte zwei Kohlköpfe auf dem Arm, die er vor sich her trug. Ein Kopf Weisskohl mit wirklich immensen Ausmaßen und einen Kopf Rotkraut der zwar kleiner war, der uns aber auch einige Mahlzeiten bescherte sowie einige Gläser eingekochtes. Also wirklich viel und das Ganze, weil direkt vom Bauern, sehr preiswert.

Wir fuhren weiter bis zu einem kleinen Ort in der Nähe – hier war ein Hinweisschild für Schausteller und als er auf die Hofeinfahrt fuhr erkannte ich die weisse schwere Eisentür wieder.
Wir waren wieder an dem Ort an welchem ich schon einmal Material für eine schwarz-weisse
Orgie von Uwe geschenkt bekam.
Der Verkaufsraum hatte sich aber etwas verändert. Rechts neben der Eingangstür standen Korbwaren, grosse.kleine Körbe mit Stoff gefüttert und ohne – auch andere Korbwaren und ich musste mich beherrschen um nicht in einen Kaufrausch zu verfallen.
Links waren – wie ich es schon kannte - Regale.

Negerküsse – ach nein man sagt ja jetzt Schaumküsse oder so…..grosse, kleine Packungen, Schachteln mit über 60 Stück – Riesen und Minis. Schwarz und weiss. Das Schild auf den Kartons besagt: Dicke Küsse, Cocos 60 Stück Schaumzuckerwaren mit kakohaltiger Fettglasur.

Ich konnte nicht widerstehen und Uwe kaufte nicht nur eine Schachtel, sondern auch noch verschiedene andere Süssigkeiten wie sie auch auf Märkten und in den Ständen der Zuckerbäckerzunft angeboten werden, wanderten in die grosse Tüäte.

Dabei erinnerten wir uns an meine ältere verstorbene Nachbarin die „Jägermutter“.
Als ich das erste Mal eine grosse Schachtel weisse und eine grosse Schachtel dunkle Schaumküsse von Uwe bekam schrieb ich darüber einen Bericht. Nachts nach 22.00 Uhr, als ich den Bericht verschickt hatte, klingelte es an meiner Wohnungstür. Zweimal klingeln war ein Zeichen dass eine Nachbarin Einlass begehrt, also öffnete ich ohne Zögern.
Meine „alte“ Nachbarin stand im Morgenrock vor mir und hielt einen kleinen Teller in der Hand. Sie sah mich fragend an und sagte „Hast Du noch welche?“ Sie liebte diese Schaumküsse genauso wie ich und wir unterhielten uns und schlemmten. Dabei hatte sie Diabetes und eigentlich durfte sie ja nicht…..aber es kam ja nicht so oft vor. Gelegenheit nutzt man aus…...gerne…..
Und jetzt hatte ich wieder so viele Negerküsse – nur die Nachbarin gibt es nicht mehr.

Nach dem Einkauf fuhr Uwe nur ein Gebäude weiter – hier ist eine Fabrik und es war noch Licht in den Räumen.
Ein grosses Schild zeigt dass hier die Firma Optima ihren Sitz hat. Die Firma Optima fertigt Schlafsysteme. Die Firmenphilosophie ist Qualität. Man setzt auf regionale Handwerkskunst und Materialien von ausgesuchten Rohstofflieferanten europaweit. Die Produkte von Optima findet man nicht nur in Schlafzimmern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Sie fahren in LKW, Boot und Caravan durch ganz Europa.

Der Betrieb wird heute in der 4. Generation vom Urenkel des Firmengründers geführt. Mit einem Mann fing alles an. 1946 gründete Heinrich Schubert den Ein-Mann-Betrieb und fertigte neben allgemeinen Polsterarbeiten Sprungrahmen. Mitte der 50-er Jahre wurde die Fertigung auf Federkernmatratzen erweitert. Immer wurde grosser Wert darauf gelegt den Kunden ein optimales Produkt anzubieten.
1974 übernahm der Sohn den Betrieb und jetzt wurde auch mehr Latex und Schaumstoff verarbeitet.

1994 wurde der Platz im ursprünglichen Betrieb zu eng – man bezog einen neuen Firmensitz und die Produktentwicklungen wurden der Zeit angepasst.

Heute sind Matratzen mit Federkern Geschichte. Moderne Materialien ermöglichen bessere Eigenschaften und das neuste was wir fanden waren massgefertigte Matratzen für selbst ausgebaute kleine Vans …..
Nach ausführlicher Beratung holten wir uns zwei warme, gute Deckbetten. Meine Daunendecken waren so „verbraucht“ dass das Inlett leider schon an den Nähten teilweise mürbe wurde und Neues dringend erforderlich machte. Aber Daunen haben wir diesmal nicht genommen sondern Kunstfasern und sind erstaunt wie warm diese Deckbetten sind. Denn als wir zu Hause waren habe ich sie sofort bezogen und eingeweiht.

Unsere Räubertour hatte dieses Mal einen ziemlichen Umfang – aber genau das machen wir gerne. Ins Blaue fahren, etwas sehen und Vorräte auffüllen, Neues erkunden und ausprobieren und letztendlich mit nützlichen Dingen zu Hause ankommen.

Dieser Weißkohlkopf wurde zu Sauerkraut verarbeitet und füllte einen grossen irdenen Topf. Die Menge reicht mit Sicherheit für uns wieder ein ganzes Jahr.
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