Dresden Teil 2

 

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Johanna
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Dresden Teil 2

Beitrag von Johanna »

Prachtentfaltung

In einer Glasvitrine stand eine kleine Affenkapelle, die Mitte des 18. Jahrhunderts von einem Meister angefertigt wurde. Ein herausragendes Beispiel des Meissner Barocks. Die Affen eines französischen Malers waren Vorlage. Das Sujet der Singerie-Darstellungen von Affen, die auf oft parodistische Weise menschliche Verhalten imitieren, war damals – besonders in Frankreich sehr beliebt. So sicherte sich die Geliebte König Ludwig XV - Madame de Pompadour – eine der ersten Affenkapellen überhaupt.
Die Gründung der Manufacture royale de porcelaine de Sèvres in Frankreich ist auf die Mätresse Madame de Pompadour zurückzuführen, um damit das sächsische Porzellan zu übertrumpfen. Die ersten Proben waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt, bis man 1765 das Kaolin von Saint-Yrieix entdeckte. Daraufhin wurde Sèvres zur königlichen Manufaktur erklärt.

Im 18. Jahrhundert prägten zügellose lasterhafte Feste, Verschwendung und Prachtentfaltung das Leben.
Die Mächtigen des Landes machten es vor, Liebhaber, Mätressen, alles war in dieser Zeit möglich und Niemand regte sich auf wenn es wieder nach kurzer Zeit einen Wechsel der Partner gab. Man denke hier nicht nur an August den Starken – auch die französischen Könige machten das nicht anders.

Die Ausgestaltung der Feste war sehr ausgefallen und alle Künste wurden einbezogen. Auch erotische Anspielungen waren Teile der Tafeldekorationen. Ziel war das glanzvolle Zurschaustellung absoluter Macht. Eine Darstellung zeigt in Porzellan, bunt bemalt und wirklich sehr kunstvoll gearbeitet, Menschen die sich in allen möglichen Posen darstellen, leicht bekleidete Frauen, eine Krone die über allem auf ein verschnörkeltes goldenes A gesetzt wird, Engel, kleine Putten die dieses Monogramm festhalten und bewachen und das Porträt des Herrschers – welches unübersehbar eingearbeitet ist.

August der Starke war fasziniert von chinesischem und japanischem Porzellan – die ostindische Handelskompanie importierte es nach Europa und diese Porzellanteile wurden buchstäblich mit Gold aufgewogen.
Böttcher behauptete Gold herstellen zu können – doch dies gelang ihm nicht, dafür aber gelang ihm u.a. zusammen mit einem Mathematiker und Physiker das weisse Gold herzustellen. 1708 rettete Böttcher dadurch seinen Kopf und 2 Jahre später wurde von August dem Starken die erste Porzellanmanufaktur in Meissen gegründet.

Im nächsten Raum stand eine kleine Orgel – eine Orgel mit Porzellanorgelpfeifen. Bereits um 1730 wurde ergebnislos versucht, Orgelpfeifen aus Porzellan herzustellen. 1950 wurden Bruchstücke davon auf einem Dachboden entdeckt und erst im Jahr 2000 gelang es erstmalig, die akustischen Anforderungen an den Klangkörper mit den technischen Eigenschaften des Werkstoffes Porzellan in Einklang zu bringen.

Auf dem Weg zum Ausgang kamen wir an kleinen Skulpturen vorbei – die aus dem rotbraunen Feinsteinzeug hergestellt waren. Böttcher hatte dieses Feinsteinzeug vor dem „weissen Gold“ entwickelt. Hier wurde man aufgefordert „Fühlen Sie mal – Böttgersteinzug“. Es stellte ein sitzendes Paar auf einer Bank dar, die sich müde gegen die Lehne einer Bank lehnten. Dieses Böttgersteineug wird hauptsächlich für Figuren verwendet. Es hat eine seidige Oberfläche und lässt sich auch polieren. Nach der Erfindung des weissen Goldes geriet dieses Feinsteinzeug in Vergessenheit und erst 1919 wurde es wieder hergestellt. Ich habe es berührt und es fühlte sich sehr weich und glatt an.

Im Gegenzug dazu stand eine Porzellanfigur – Tanzende Dame mit einem Knaben - auf einem Sockel und auch hier hiess es: Fühlen Sie mal – eine Porzellanfigur. Dieses Material ist weiss, hart, glatt und glänzend. Man kann mit diesem Material nicht nur glatte Flächen formen sondern auch kleinste und feinste Details abbilden.

Wir kamen an diversen Flaschenkorken vorbei auf denen Köpfe aus Porzellan angebracht waren, Köpfe von Polizisten, Damen,m schnauzbärtigen und glatten Gesichtern jungen und alten Menschen. Eine Vase die erst mal nicht als solche zu erkennen war. Sie sah aus wie ein mit blauen Ornamenten bemalter Turm mit schmalen röhrenförmigen Öffnungen . Auf der Spitze war ein Tier, Man sah zwar einen Vogelflügel, aber auch einen Kopf wie von einem Hund mit Schnauze und Ohren. Der Körper war gefiedert- eine sehr aussergewöhnliche Arbeit.

Im Ein- bzw. Ausgangsbereich des Museums stand eine Frauenfigur – Saxonia.
Seit Oktober 2914 hat auch Sachsen eine Freiheitsstatue „Saxonia“- die grösste Porzellanskulptur der Welt. Mit ihr hat Meissen der vfriedlichen Wiedervereinigung anlässlich des 25. Jahrestages ein Denkmal gesetzt. Für den Schöpfer war sie der Höhepunkt seiner 4e5-jährigen künstlerischen Karriere.
Diese junge Frau, die voller Stolz über das Erreichte voranschreitet, ist mit 1,80 m als frei stehende Figur eine riesige Herausforderung für einen Porzellankünstler. Bis ins kleinste Detail kann alles genau betrachtet werden, mit 8000 kleinen Schneeballblüten ist ihr Kleid überzogen. Die aufgetürmten Haare, das Gesicht, die feine Nase, die geschwungenen Lippen und der aristokratische Blick – alles ist faszinierend. Dieses Werk einzigartiger Porzellankunst wirkt wie ein Botschafter der Möglichkeiten des friedlichen Wandels, dem Traum einer ganzen Generation.
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