Schwanzverlängerung?

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Schwanzverlängerung?

Beitrag von Johanna » Samstag 3. August 2019, 10:53

Schwanzverlängerung?

Am Sonntag fuhren wir nach Wolfsburg – uns reizte die Autostadt. Uwe war zwar schon einmal vor einigen Jahren dort, aber da es immer wieder Neuigkeiten auf dem Sektor gibt lohnt sich ein Wiederholungsbesuch immer.

Gleich nachdem wir unseren Eintritt bezahlten, konnten wir an einer einstündigen Führung teilnehmen. Eine Stunde ist zwar kurz, aber man nimmt trotzdem so einige Informationen mit. Hier wurde auch nur ein grober Überblick gegeben.

In der Eingangshalle ist ein Teil des Fußbodens mit trittfestem Glas ausgestattet. Unter dieser dicken Glasscheibe befinden sich Globen, die jeweils mit anderen Hinweisen beschrieben sind. Auf einem Globus ist die weltweite Verbreitung der VW Autos auf einem anderen Globus die Verteilung von tödlichen Verkehrsunfällen usw. Diese Globen beachtet man normalerweise nicht, weil sie ja „versteckt unter den Füssen“ liegen. Wir wurden in einen dunklen Raum geführt. Die Dame erklärte dass der Raum mit einem Video“spiel „ ausgestattet ist, man tritt in einen bestimmten Kreis hebt die Arme und deutet auf ein Symbol und sieht dann auf der grossen Wand z.B. wie viele Automobile weltweit produziert wurden – oder welches die grössten Automobilkonzerne sind – usw.

Die ganzen Gebäude die wir sahen, kamen uns sehr futuristisch vor. Ellipsenförmig, Eiförmig, Rund – ein schwarzer Kubus usw. Und jedes Gebäude ist für diverse Fahrzeuge gebaut. In manchen Gebäuden steht nur ein einziges Auto – aber es ist dermassen effektvoll ausgestellt, dass es den Aufwand wirklich lohnt. Bugatti – Lamborghini – Seat – Skoda und auch Audi. Jede Marke hatte einen eigenen Bau.
Ein Fahrzeug ganz silbern war einzeln präsentiert – die Spiegelfolie auf dem Boden, an der Decke und auch an den Wänden waren perfekt um dieses Fahrzeug in Szene zu setzen.

Skoda zeigte zuerst alte Fahrräder – das Logo im Wandel der Zeit und auch die Anfänge dieses Autos wurde detailliert beschrieben. 1895 gründen Vaclav Laurin und Vaclav Klement eine technische Fahrradfabrik Laurin und Klement – dieses Fahrrad repräsentiert die Wurzeln und das Erbe der Marke Skoda. 100 Jahre Erfolg zeigt Skoda mit einem Rennauto an.
In einem anderen Gebäude werden Oldtimer gezeigt – die ersten Fahrzeuge, kutschenähnlich, dann kamen als Verbesserung und Weiterentwicklung die Aufbauten die vor Wind und Wetter schützten. Und bei den Verkehrsmitteln auch jeweils die Geschichte der Erbauer.

Bei den Bugattis spielte für Vater und Sohn die Ästhetik bei der Gestaltung des Karosserieblechs eine wichtige Rolle. Dies war auch bei der kompletten Mechanik eines Bugattis prägend. Jean Bugatti wurde in Mühlheim bei Köln geboren. Jean Bugattis Urgroßvater baute Skulpturen-Kamine, sein Großvater entwarf Möbel, während sein Onkel Tierskulpturen formte. So verwundert es nicht dass der Vater Ettore und Jean nicht nur die Funktion eines Autos als wichtig erachteten. Jean Bugatti starb während einer Probefahrt 1939.

John Blatchley war mit seiner geschwungenen gezeichneten Form des Bentley stil- und imageprägend für die Bentleymodelle der darauffolgenden Jahre. Er zeichnete bis Ende der 60-er Jahre alle Modelle der Nobelreihe Rolls-Royce/Bentley. Mit 20 Jahren bewarb er sich mit Bleistiftzeichnungen zum Thema „Automobile der Zukunft“ beim Londoner Karosseriebauer Gurney Nutting und wurde prompt engagiert.

Seine Erfahrungen als Flugzeugbauer ermöglichten es Fritz Fend neue Gestaltungskonzepte in die Automobilkonstruktion zu übertragen. Leichtbau, kleine Stirnfläche und gute Aerodynamik seines „Karo“ sind heute aktueller denn je.

Der Lancia Lambda von 1924 würde auch heute noch alle Blicke auf sich ziehen, wenn er auf den Strassen dahinrollt. Es war das erste in großer Stückzahl gebaute Automobil mit selbsttragender Karosserie und erstes Großserienauto mit V4-Motor. Erst drei Jahrzehnte nach dem Lambda-Debut setzte sich die selbsttragende Karosserie weltweit durch.

Auch von Carl Benz waren Autos zu sehen – ihm gelang 1886 mit seinem Patent-Motorwagen der Sprung von der Pferdekutsche zum Automobil. Sein Kleinwagen Velo von 1893 bedeutete den nächsten Entwicklungsschritt: leicht bedienbar und in Serie gefertigt.

Johan Tjaarda van Sterkenburgs Leidenschaft war die Stromlinie. Er musste allerdings akzeptieren dass aus seiner Mittelmotor-Limousine unter Ford-Einfluss ein eher konventionelles Automobil mit Frontmotor wurde.

Es wurden noch sehr viel mehr Konstrukteure vorgestellt, Franzosen, Italiener ebenso wie sehr viele Automobile von 1945, 1966, Rennautos die noch ganz edel Holzverblendungen im Cockpit hatten.

Für die IdeenExpo 2019 in Hannover hat ein Team aus Auszubildenden von Volkswagen einen e-Golf bis auf die Grundelemente entkernt. Das Drumherum ist weg und alles funktioniert sagte ein Mechatroniker im 3. Lehrjahr. Entstanden ist dadurch ein gläserner e-Golf. Dieses Fahrzeug gibt den Blick auf die komplizierte Elektronik frei, die sonst unter Karosserieteilen verborgen bleibt.

Ein E-Roller mit speziellem Sattel für die Herren bildete den Abschluss dieser Fahrzeuge.
Ein Automobil hatte genau 1001 PS und auf meine Frage warum so viele PS, wenn man das doch nicht ausfahren kann auf unseren Strassen kam die Antwort: man kann aber damit angeben, man kann wenn man will alle „Konkurrenten“ schlagen; man fühlt sich dann als grosser Held – es ist sozusagen eine Schwanzverlängerung für das eigene Ego…..

Die Autostadt ist ein großer Familienfreizeitpark mit einigen grossen Hüpfburgen für Kinder – Spielplätze, Rasenanlagen mit schöner Bepflanzung. Ein „Dufttunnel“ ist der Weg über eine Brücke. Hier sind viele Duftpflanzen einer Art in Töpfen gepflanzt. Diese Blumentöpfe werden in eine Halterung des Tunnels gesteckt und der Tunnel dreht sich insgesamt langsam, sodass man ständig von dem Blumenduft umweht wird.

Die ganze Anlage ist von Wasserkanälen durchzogen – Fische schwimmen in den einzelnen Abschnitten – lauschige Plätze mit Sitzgelegenheiten gibt es und auch die Verpflegung kommt hier nicht zu kurz. Es gibt Eisdielen, Kaffees oder auch eine Pizzeria.

Das Abholgebäude von VW ist wie eine Flugzeughalle. Hier werden mit einer Leuchtschrift die Abholer aufgerufen wenn ihr Fahrzeug bereit gemacht wurde. Ganz oben im dem Gebäude ist ein Restaurant.

Alle Gebäude sind sehr großzügig, hell und mit viel Glas, Stahl und Beton gebaut. Das Gebäude in welchem das Orchester spielte sah aus wie eine grosse Muschel. Die Musiker waren „unter Dach – die davor sitzenden Zuhörer sassen auf Tribühnen und unter dem ganzen konnte man „im Keller„ sozusagen ein hochherrschaftliches wertvolles Automobil bewundern. Der Zugang führte spiralförmig nach unten.

Vor der Eisdiele genossen wir spezielles Eis und eine Gans himmelte Uwe an – sie wollte unbedingt etwas von seinem Eis abhaben. Reckte den Hals zwischen seinen Schenkeln in Richtung Eistüre, schnatterte bettelnd und Zuschauer amüsierten sich. „Die erste Frau die mich so direkt anhimmelt“, witzelte Uwe. Als ich dann der Gans einige Waffelbröckchen anbot musste ich aufpassen, dass sie mir nicht vor lauter Gier in den Finger biss.

Daneben war in einem offenen Raum ein spezielles Fahrrad angeboten. Dieses Fahrrad gab es mit Ladekiste, als 3-Rad Liegelastenrad oder auch mit E-Motor bestückt in verschiedenen Ausführungen. Eine witzige Idee aber als wir die Preise lasen, nahmen wir doch Abstand.

Insgesamt gesehen ein sehr interessantes Areal – viele Informationen über Autos, Erbauer und Konstrukteure. Und auch ein gutes Ausflugsziel für die ganze Familie.

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