Niemals wieder

 

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Johanna
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Niemals wieder

Beitrag von Johanna » Dienstag 8. Oktober 2019, 13:54

Ein Nachmittag eine Rundfahrt – nicht weit – aber wir trafen auf eine Kriegsgräberanlage. Sehr gepflegt die Anlage der Kriegsgräberstätte Ludwigstein.

Wir gingen durch die Reihen und konnten einige der Schicksale der hier Begrabenen lesen. Es waren Soldaten, Unbekannte, auch Arbeiter – die Toten wurden aus verschiedenen Kreisen Nordhessens hierher gebracht und umgebettet. Die uniforme Gestaltung der Gräber verbirgt dem Besucher zu erst dass es sich hier um die letzte Ruhestätte von Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts handelt, die aus unterschiedlichen Ländern stammen.

Hier wurden deutsche Soldaten begraben – viele von ihnen starben in der Osterwoche 1945 – einige waren erst 17 oder 18 Jahre alt und hatten eigentlich noch ihr ganzes Leben vor sich.
Die meisten der hier Bestatteten waren ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Unter ihnen auch Häftlinge des Umerziehungslagers Breitenau sowie Männer und Frauen die in den Sprengstofffabriken arbeiten mussten.

Einige Geschichten dieser Menschen konnten aufgedeckt werden und sind hier auf kleinen Tafeln festgehalten so wie die Geschichte der Nadja Pluchnikowa.
Das Grab der aus Russland stammenden Nadja konnte identifiziert werden. Als sie am 17.4.45 in Hessisch Lichtenau starb war sie 28 Jahre alt. Wie sie kamen auch die anderen 29 Zwangsarbeiter die hier begraben sind durch eine Alkoholvergiftung ums Leben. Kurz nach ihrer Befreiung hatten sie mehrere Fässer Spiritus gefunden, diesen mit Zucker versetzt und getrunken um die wieder gewonnene Freiheit zu feiern.
Es wurde geschätzt dass ca. 80 Menschen an den Folgen der Alkoholvergiftung starben.

Oder der Obergefreite Gustav Schmidt der mit 46 Jahren am einzigen Fliegerangriff starb der den Ort Olberode traf. Gustav Schmidt begleitete mit zwei Kameraden einen Gefangenentransport als der am Bahnhof stehende Zug angegriffen wurde. Auch Schmidts Begleiter, zwei 18-jährige Soldaten starben während des Angriffs. Am selben Tag erteilte Hitler den sogenannten Nerobefehl
„alle militärischen Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind zur Fortsetzung seines Kampfes irgendwie….. nutzbar machen könnte sind zu zerstören……

Das Grab von Kurt Denda – er war einer von vier deutschen Piloten der 1944 von amerikanischen Jägern abgeschossen wurde. Denda war vor allem erst als Fluglehrer tätig und wurde am Mitte 1944 im aktiven Kampfgeschehen eingesetzt. Er war 28 Jahre alt als er starb. Seine Frau reiste zu seiner Beerdigung nach Ersrode, wo er zusammen mit den drei anderen Piloten beigesetzt wurde. Von der Überführung auf den Ludwigstein informierte man sie und ihre drei Töchter die nach dem Krieg in der ehemaligen DDR lebten, nicht.

Ama Ismailow der im Kaukasus geboren und mit 34 Jahren an Tuberkulose im Hospital Steinetal starb. Er war SS-Freiwilliger muslimischen Glaubens. Es ist allerdings fragwürdig ob er freiwillig der SS beitrat – es existierten zwar verschiedene kaukasische Einheiten innerhalb der Waffen-SS, aber bei vielen handelte es sich auch um Kriegsgefangene die hofften so den unmenschlichen Bedingungen der deutschen Lager zu entkommen.

Die Anlage umfaßt die Gräber von 294 Menschen, welche die Zeit des Eisernen Vorhangs nicht mehr erlebten, sondern während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg starben.
Wenn ich an den ältesten Bruder meines zweiten Mannes denke, dann stelle ich fest, dass er kein Grab hat welches man besuchen kann – er ging mit der Blücher unter…….ob allerdings der Besuch einer solchen Gedenkstätte ein Trost ist? Ich bezweifle es. Es bleibt nur ein Mahnmal, niemals wieder Krieg! Und doch hat die Menschheit aus der Vergangenheit nichts gelernt….man muss sich nur umsehen auf der Welt….

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