das Echo

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
Antworten
Benutzeravatar
Johanna
Beiträge: 3733
Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
Wohnort: Nordhessen

das Echo

Beitrag von Johanna » Montag 25. November 2019, 14:41

Das Echo

Residenzschloß Heidecksburg über der Stadt Rudolstadt wird zu den prachtvollsten Schlössern im Freistaat Thüringen gezählt. Von 1571 bis 1918 war die Heidecksburg die Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. So lassen sich unterschiedliche Bauetappen bis zum 19. Jahrhundert am Süd- und Nordflügel nachweisen.
Wir erreichen das Schloss und hören zu unserer Freude, dass auch gleich eine Schlossführung stattfindet – an der wir teilnehmen können. Im Vorraum wird man von einem bronzenen Vogel begrüsst der in einer Vitrine auf einem Sockel steht.

Dann werden wir zu den Festräumen gebracht. Vorher müssen sich Besucher Filzpantoffeln über die Schuhe ziehen, damit die kostbaren Parkettböden keinen Schaden nehmen. Jeder Raum hat mit dem Parkett ein anderes gearbeitetes Muster. Mal sind es Sterne mal Quadrate mal beides in Kombination – immer verschieden.

Für das höfische Zeremoniell wichtige Räume wurden im Hauptgeschoß des Westflügels angeordnet. Der prunkvollste Raum war der Festraum, den wir erst nach Besichtigung anderer Räume bewundern konnten. Die Ausstattung der Räume war für damalige Zeit sehr aufwendig gestaltet. Deckengemälde, Lüster, viele Stuckarbeiten, Kaminöfen und ebenso viel goldverzierte Ornamente. Auf den Emporen der einzelnen Räume konnten Besucher und/oder Angehörige des Hofstaates auf die Personen herunter schauen die sich im Festsaal amüsierten, tanzten oder assen.

Atlanten hielten vorspringende kleine Balkone in den Räumlichkeiten auf ihren Schultern. In jedem Raum gepolsterte Stühle mit unterschiedlich geschnitzten Stuhllehnen oder Rücken. Kostbare Schnitzereien die vom Personal mit viel Zeitaufwand von Staub befreit werden mussten… Spiegel die jeden Raum grösser erscheinen liessen. Die Leiterin der Führung erzählte die Geschichte angefangen von der Baugeschichte bis zu der Aufzählung der Herrscher.

Doch zuerst laufen wir durch die rote und grüne Raumfolge. Das rote Eckkabinett mit Alkoven und dem kleinen Ankleidezimmer. Hier sind die Spiegel so angeordnet dass man sich von allen Seiten gut selbst betrachten kann. Im Alkoven erscheint die Venus am Himmel – Die reichhaltige Deckenmalerei ist typisch für diese Zeit.
Der rote Saal war bereits 1741 fertig gestellt, allerdings wurde später eine Ofennische eingefügt. Konsoltische mit Goldverzierungen lockern alles auf – Gemälde mit Schäferszenen sind in die Wand eingelassen.

Der große Festsaal gehört heute zu den bedeutensten Rokokoinnenarchitekturen in Deutschland. Reichlich ausgestattet mit Stuckmarmor, mit den plastischen Arbeiten und den vielen Gemälden, allen voran das Deckengemälde wurde hier ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Die hohen Türen geben den Zugang zu rotem und grünem Saal frei. Für die Hofgesellschaft wurden Logen angeordnet doch über dem Hauptzugang war der Altan der Hofkapelle vorbehalten.

Erst nach 1750 wurde die für die Fürstin Christine Sophie bestimmte Raumfolge begonnen. Die Wände des grünen Saales wurden mit Fichtenholz verkleidet, da diese Vertäfelung nicht nur moderner sondern auch dauerhafter war.
Das grüne Eckkabinett diente als Musik und Gesellschaftszimmer. Hier fanden kleinere Konzerte statt und der nach der Raummitte hin leicht vertiefte Parkettboden ermöglichte den Musikanten im Zentrum verblüffende akustisxche Effekte durch einen geringfügigen Nachhall der Töne. Wir konnten in die Hände klatschen und hörten das Echo – eine absolute Überraschung und erst anschliessend wurden wir auf die leichte Vertiefung des Bodens aufmerksam.

Im grünen Bänderzimmer gab es dunkelgrüne Leinwandtapeten auf denen oben an der Wand Medaillons mit Köpfen römischer Kaiser gemalt waren. Hier flatterten Bänder herab die diesem Raum seinen Namen gaben. Die gepolsterten Stühle hatten hier keine geschnitzten Rücklehnen sondern waren auch gepolstert.

Mit der Marmorgalerie wurde ein bequemer Zugang von den Vorzimmern zu allen Räumen des Westflügels geschaffen. Die festliche Note wird durch den geschliffenen Marmorboden noch unterstrichen. Im Vorzimmer zum roten Saal – dem weissen Zimmer mussten die Besucher früher warten bis sie zur Audienz gerufen wurden.

Im Flur der ersten Etage des Haupttreppenhauses gelangten wir in die ehemaligen fürstlichen Wohnräume. Diese Räume wurden von einem verheerenden Brand weitgehendst verschont. Die Barockgalerie bildet den Zugang zu den Zimmern – hier sind die Wände zwischen den Türen mit
grossen Bildern geschmückt.

Das Garderobenzimmer wird von einem eingebauten Kleiderschrank beherrscht. Dieser ist aus schwedischer Birke gefertigt. Die in der Fensternische stehende Sitzgruppe stammt aus der Bidermeierzeit. Im anschliessenden Tapetenzimmer war das fürstliche Schlafzimmer untergebracht. Die grünen Bettgestelle, das darüber angebrachte riesige Wandbild würde mir heutzutage sicherlich Alpträume bescheren. Zwei große Ankleidespiegel erinnern in diesem Raum an die Funktion. Nach dem Damenzimmer in welchem die Bewohnerinnen ihre schriftliche Korrespondenz erledigen schliesst sich der goldene Salon an. Dieser Raum ist mit goldenen Papiertapeten ausgestattet.

Das Spiegelkabinett ist naehzu unverfälscht erhalten geblieben. Die in die Dfecke eingearbeitgeten runden Spiegel werden umrahmt von Stuckfiguren. In den Zimmern stehen immer wieder Figuren wie z.B. der heilige Rochus als Pilger. An den Wänden Hinweise mit Fotografien zu ursprünglichen Grundrissen denn das Tafelzimmer wurde in der Regierungszeit von Fürst Günther Viktor von Sschwarzburg-Rudolstadt so ausgestaltet. Bauplastiken und Intarsienarbeiten auf Schränken und Stühlen zeigen die hochwertige Ausstattung.

Nach diesem geführten Rundgang schauten wir uns noch im nächsten Stockwerk die Gemäldegalerie an. In den Zimmern und Gängen waren wunderschöne alte Truhen, Möbelstücke und Plastiken zu sehen. Ein Bild war so gestaltet, dass man durch die Leinwand den „aufgemalten“ Mond sah – er schien genau durch eine Öffnung in der Leinwand, die dahinter stehende Lampe vermittelte diesen Eindruck.Morgennebel im Gebirge von 1908 von Caspar David Friedrich und andere Kostbarkeiten. Auch ein breit gefächertes Warensortiment an verschiedenen Geschirr und Gebrauchsporzellan, Einzelfiguren, Gruppen oder Bildnisbüsten konnten wir bewundern. Zu den frühesten Thüringer Speiseservice zählt das kostbare Hoftafelservice von Schwarzberg Rudolstadt aus der Zeit um 1766.

Und im Erdgeschoss eine andere Abteilung mit Miniaturnachbildungen verschiedener Schlösser.

Antworten
Anzeige

Zurück zu „ReiseBerichte“