Bellinzona

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Bellinzona

Beitrag von Johanna » Freitag 21. August 2020, 00:49

Bellinzona

Während meines letzten Schweizbesuches bei meiner Tochter hatte ich leider nicht die Möglichkeit meinen Rollstuhl im Auto zu transportieren. Denn wir hatten beschlossen meiner Tochter und ihrer Lebensgefährtin für den Anbau mit Gemüse grosse Blumentöpfe und Schalen zu bringen. Besondere Schmelztiegel, die ursprünglich in Großalmerode hergestellt wurden und die jetzt zu Blumen- bzw. Pflanz-töpfen umfunktioniert werden sollten.

Die Schwiegertochter hatte sich wieder für meinen Besuch etwas ganz besonderes ausgedacht. Ein Ausflug mit der Bahn durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt – 57 km lang führt er durch das St. Gotthard-Massiv innerhalb kürzester Zeit.
In Bellinzona sollte dann lt. Internetseite der dortigen Touristinformation ein kleiner Stadtzug mit einer Stadtrundfahrt stehen.
Die Fahrt mit dem Zug war eine tolle Sache – sehr diszipliniert die Mitfahrer mit Mund-/Nasenschutz – wir fanden in einem Eltern-Kind-Abteil Platz.
Und kurz bevor der Tunnel erreicht wurde kam die Durchsage über Lautsprecher wie lang der Tunnel, wie hoch die Geschwindigkeit der durchfahrenden Züge ist. Ausserdem wie lang die Bauzeit war und wie hoch das Passagieraufkommen ist. Alles interessante Punkte, die uns aber auch Tante Google vermitteln kann.

In Bellinzona angekommen ging unser Weg zuerst zur Touristinformation bei der wir leider erfahren mussten dass der Zug für die Stadtrundfahrt nicht mehr fährt. Aber der Weg zu einer Burg wäre ja nicht weit. So weit also die Pflege von Internetseiten durch Touristinformationen.

Bellinzona hat 3 Burgen bei denen es sich lohnt sie zu besichtigen. Durch meine fehlende Fitness konnten wir allerdings nur eine der Burgen besichtigen – einschliesslich des Museums, welches in dieser Burg eingerichtet ist.
Bereits auf der Strasse die zur Burg Castelgrande führt
sahen wir Häuser mit wunderschönen Stuckarbeiten rund um Fenster und Balkontüren. Mit Ziergittern vor den Fenstern und Balkontüren von aussergewöhnlicher Schönheit.

Auf freien Plätzen zwischen den Häusern standen metallene Kunstobjekte.

Die Burg erreicht man über einen Fahrstuhl der im Fels am Fuß der Burg gebaut wurde. Hier brauchte ich also keinen Aufstieg zu absolvieren.
Nur ein paar Meter Höhenunterschied war bis zur Burg zu bewältigen – die Rasenflächen die vor den Gebäuden waren, die Treppen und Mauern – alles machte einen sehr gepflegten Eindruck.

Mit Pausen kamen wir dann beim Museum Castelgrande an – hier war eine Kunsthistorische Abteilung. In Schaukästen wurden Kristalle und die verschiedenen Schliffe mit den entsprechenden zugehörigen Zeichnungen gezeigt.

Ebenso waren Blätter, Pflanzen, Kastanien, Pinienzapfen, Baumscheiben mit den vielen Jahresringen und Schablonen für die Altersbestimmung ausgestellt.

In anderen Schaukästen waren alte Münzen vom Ducato über Fiorino bis Testone ausgestellt .
Auf Informationstafeln konnte man lesen dass einige der ausgestellten Werke aus einem gegen 1470 im Stadtzentrum errichteten Patrizierhaus stammten. Balkendecken die mühsam gerettet werden konnten. Auch die Geschichte des Hauses wurde genauestens erläutert. Die Entdeckung und Bergung von gemalten Dekorationen geschah während der Abbrucharbeiten zwischen 1969 und 1970.

In nachfolgenden Räumen waren Glasmalarbeiten ausgestellt – jeder Raum hatte ein anderes Motto. In einem Raum sah man Kamele, Windhunde, Fabelwesen und Engel. Elefanten, Hunde, Zentauren zu sehen. In einem anderen Raum waren
Glasbilder von Menschen, Sprüche und Geschichten, Ritter zu Pferde mit ihren Armeen zu sehen. Auch Glasbilder mit Bibelmotiven füllten einen Raum.

Ein Glasbild kostbarer wie das andere. Alle Glasbilder waren in Augenhöhe so aufgehängt dass man sie gut betrachten konnte. Auch die Bilder die mit Ketten von den Decken herab hingen waren so angeordnet dass man sie von einer erhöhten Balustrade aus sehr gut betrachten konnte.
Diese Ausstellung war wirklich wunderschön aber für mich auch sehr anstrengend.

Nach dem Besuch schaffte ich es gerade noch bis zu einem Kaffee zu laufen – dort brauchte ich wieder eine Pause.

Bellinzona ist ein schönes kleines Städtchen. Es wird erstmals 590 erwähnt und war als Schlüssel zu den Pässen St. Gotthard, Lukmanier und San Bernardino von grosser strategischer Bedeutung. Die Siedlungen aus der Jungsteinzeit, so wird vermutet, befanden sich auf dem Hang, wo heute das Castelgrande steht. Dieser Ort war leicht zu verteidigen und gesichert vor Hochwasser des Tessin. Es gehörte später zum heiligen römischen Reich. Nach einer wechselvollen Geschichte und wechselnden Besitzverhältnissen durch Langobarden, Franken und Genueser Erzbischöfe kam Bellinzona in den Besitz der Herzöge von Mailand. Diese rüsteten stark auf und es entstanden als Verteidigungslinie gegen Norden die drei Burgen, von West nach Ost das Castelgrande, Castello die Mointebello und Castello die Sasso Corbaro.
Alle drei Burgen sind von der Stadt aus gut zu sehen.

Die Rückfahrt verlief dann genau wie die Herfahrt mit dem Zug durch den Eisenbahntunnel.

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