Teil 2 Erziehungsdefizite und die Grillfete

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Teil 2 Erziehungsdefizite und die Grillfete

Beitrag von Johanna » Mittwoch 23. September 2020, 18:24

Momentaufnahmen während einer Rehamaßnahme – Teil 2

Erziehungsdefizite
Ein Mitpatient – Torsten – stalkte eine Patientin der Gruppe, die glücklich verheiratet ist. Diese Situation belastete nicht nur diese einzelne Patientin sondern die ganze Gruppe.
Uwe bat diesen Mann in einem Gespräch dies zu unterlassen, da es auch belastende Kreise in die Gruppe zieht. Uwe meinte zu Torsten dass diese Unterhaltung momentan noch verbal wäre, sie könnte aber beim nächsten Mal non-verbal weitergeführt werden, falls er sein Verhalten nicht ändern würde.

Am nächsten Tag wurde Uwe vom Psychologen einbestellt und dieser fragte ihn was denn am Vortag vorgefallen wäre. Torsten hatte nämlich nichts eiligeres zu tun, als sich sofort beim Psychologen heulend zu beschweren.
Uwe meinte: „wir haben besprochen und beschlossen, dass Torsten diese Stalkerei zu unterlassen hätte – da ich ansonsten seine Erziehungsdefizite nachholen müsste.“
Der Psychologe meinte daraufhin kameradschaftlich beschwichtigend:“ach - machen Sie das doch nicht!“
Uwe: „Das liegt ganz bei Torsten, benimmt er sich, passiert ihm nichts.“
Jetzt bemüht sich dieser Mann, aber es kamen auch schon neidische Bemerkungen. Denn als Uwe und ich diese Frau zu einem Museumsbesuch einluden wurde das bestimmt gesehen wie herzlich wir uns alle begrüßten und uns nach dem Besuch und wieder absetzen vor der Klinik auch mit Umarmungen verabschiedeten. Da kamen dann sicher Bemerkungen und Gedanken wie: dieser Uwe geht mit zwei Frauen aus und ich hab nichts!

Die Grillfete
Das Essen in der Klinik ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Also beschloss Uwe: es wird gegrillt!
Uwe fragte in die Runde wer mitmachen möchte, denn dann muss man das Abendessen abbestellen.
Torsten, der eine sehr laute Stimmlage sein eigen nennt wurde dazu ausersehen, dies bekannt zu machen. Es wurde ein sogenannter Festausschuß gegründet.
Zwei Frauen waren die Abteilung „Nudelsalat“ Die Nudeln wurden von der Küche gespendet. Da in der Klinik auch eine komplette Küche sowie ein Wohnzimmer für die Gruppe eingerichtet ist, konnten hier die Nudeln gekocht, das Grünzeug geschnibbelt werden.
Torsten „der Laute“ war für die Kasse und das Mahnwesen verantwortlich, denn einige wollten oder konnten die geforderten 2,-- € nicht aufbringen. Da sprangen dann andere Mitpatienten ein.
Uwe wurde als Grillmeister eingesetzt, denn er war der einzige in der Gruppe der die Erlaubnis für das Grillen erhielt. Die anderen durften sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mit dem Grill beschäftigen.
Uwe kümmerte sich also um den Grill, kaufte die Würstchen ein und organisierte alles.

Es gab beim Grillen Gruppenfotos ohne vorgeschriebenen Mund-/Nasenschutz. Abstand halten vor dem Grill war illusorisch – aus einer Flasche gemeinsam trinken
steigerte das gemütliche Beisammensein.

Am nächsten Tag war Einberufung einer Sitzung mit den sich gegenüberliegenden Klinikchefs. Der Chef der gegenüberliegenden Klinik beschwerte sich dass seine Patienten nicht einmal das Klinikgelände verlassen dürfen und „Die von Gegenüber“ im Hof eine Grillfete veranstalten.

Der Klinikchef von „Mara“ stand aber hinter seinen Patienten, denn er hatte am Abend die Grillfete beim vorbeigehen selbst gesehen und sich über den Zusammenhalt der Patientengruppe gefreut.
Es wurde also vereinbart, dass beim nächsten Grillabend mehr Stühle aufgestellt werden sollen, damit der Abstand gewahrt wird.

Dem zweiten Grillabend eine Woche später ging eine Ergotherapiestunde voraus. Hier war eine Traumreise angesagt. Dabei entspannten sich die Mitglieder teilweise so sehr dass einige sogar dabei einschliefen. Nur Uwe wurde von trauer überwältigt und bekam einen Weinkrampf. Die Therapeutin sowie die Gruppenmitglieder erschraken sehr.
Doch eine halbe Stunde später stand Uwe am Grill – er hatte zwar überhaupt keine Lust aber er liess sich nicht das Geringste anmerken, auch wenn es ihn sehr viel Selbstbeherrschung kostete. .
Der nächste Pfleger der anwesend war, merkte nichts. Erst einen Tag später fragte dieser Pfleger den Uwe:“wieso haben Sie nach diesem Vorfall dann noch gegrillt?“
Antwort von Uwe:“ich hatte es versprochen.“

Ein weiteres grillen gab es nicht mehr obwohl sich einige bei Uwe erkundigten. Er beschrieb nur noch wo der Grill steht, sagte dass man beim Aldi alles einkaufen kann – er würde es nicht mehr machen – aber wie das so ist – alle wollen bespaßt werden, aber selbst etwas tun? Nein das geht nicht!

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