Highlight für eine Hochzeit gesucht

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Highlight für eine Hochzeit gesucht

Beitrag von Johanna »

Highlight für eine Hochzeit gesucht…..

Auf unserer Weiterfahrt von Tobiashammer nach Zella-Mehlis sehen wir das Hinweisschild auf eine Gesenkschmiede. Für mich ein total neuer Begriff. Wir läuten an dem Haus und ein Mann öffnet die Tür, der sich später als Meister der Erklärungen herausstellt. Bereits im Vorraum steht ein kleines Modell eines Brettfallhammers. Nach dem Bezahlen des Eintritts werden wir zuerst über die Geschichte des Hauses informiert.

Die Familie Wahl gründet 1842 den Schmiedebetrieb. Hier wird noch am offenen Feuer gearbeitet. Als erste Hilfsmittel werden eine grosse Handbohrmaschine mit Schwungrad und einfache Gesenke benutzt. Die Gesenke werden durch schmieden, feilen und ausstemmen mit Hammer und Meißel hergestellt und gehärtet.
Auf diese Art wird bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gearbeitet. Der Maschinenantrieb erfolgt durch Wasserkraft und erst 1918 wird in der neu gebauten Firma der erste Brettfallhammer aufgestellt. Es kommen noch zwei weitere Fallhämmer aus dem Jahr 1867 und 1875 dazu, die in New York und Hardford/USA hergestellt wurden. Ausserdem ist jetzt auch eine Gesenkfräsmaschine, eine Bohrmaschine und diverse Koksöfen vorhanden.

Zuerst werden nur Stockspitzen, Stimmgabeln und Stimmhämmer für Klaviere, Revolversicherungen und Flintenhähne sowie Patronenzieher und Mauserauswerfer hergestellt.
Bei Wassermangel im Sommer kommt ein Benzolmotor zum Einsatz.

Das Gesenkschmieden wurde im 18./19. Jahrhundert für die Industrieproduktion entwickelt. Der erwärmte Rohstoff wird in die aus einem zweiteiligen Stahlkorpus herausgearbeitete Hohlform hineingeschmiedet bzw. eingesenkt. Der Name „Gesenk" ergibt sich weil der glühende Stahl durch den Schmiedevorgang in die gehärtete Stahlform (Gesenk) „eingesenkt" wurde.
Durch diese Art der Produktion konnte man wesentlich schneller identische Schmiedeteile herstellen.
Beim Brettfallhammer wird die im Hammer gespeicherte Energie für das maschinelle Schmieden genutzt. In dieser waldreichen Gegend war genügend Hartholz für die Hebebretter vorhanden. Leder dehnt sich mit der Zeit aus – ein neues Brett dagegen war auch schnell ausgetauscht.

Vor dem Schmieden müssen beide Gesenkhälften aufeinander ausgerichtet werden. Dann wird der Bär mit dem Obergesenk auf Fallhöhe gebracht und arretiert. Wenn der Schmied das erhitzte Rohmaterial auf das mit dem Amboss verbundene Untergesenk gelegt hat löst er mit einem Fusstritthebel den Hammerschlag aus. Die Schlagkraft muss natürlich entsprechend hoch sein. Grundsätzlich wird mit einem Materialüberschuss gearbeitet, der dann am fertigen Werkstück mit einer Stanzmaschine abgegratet wird. Diese Arbeit haben die Frauen übernommen.

Der grösste Brettfallhammer hat ein Bärgewicht von 700 kg, wurde 1923 von der Ernsthütte bei Coburg hergestellt und hat ein Gesamtgewicht von ca. 16 t.
Der erste Brettfallhammer stammt von den USA, wurde von der Familie Wahl bereits 1900 angeschafft und wegen ihm verliess die Firma 1917 das Stadtinnere. Der jüngste Brettfallhammer ist aus dem Baujahr 1925 hat ein Bärgewicht von 300 kg und kann immer noch vorgeführt werden.

Wir sahen einfache Gesenke für alle Arten von Metallteilen. Fleischerhaken, andere Haken und Ösen, Formen - man muss sich nur einmal einen einfachen Korkenzieher anschauen – die Teile werden in Massen hergestellt und ein Stück sieht wie das andere aus.
Nach dem zweiten Weltkrieg werden Kreuzhacken, Äxte, Kartoffelhacken usw. gefertigt. Aus alten Materialbeständen entstehen Wagenreifen, geschmiedete Hufeisen und Ersatzteile für Landmaschinen.


1951 wird durch ungeschicktes Nachfüllen eines Ölofens ein Großbrand ausgelöst, aber nach 4 Wochen kann bereits wieder mit der Produktion begonnen werden.

Das ursprüngliche Freiformschmieden welches seit der Antike praktiziert wurde und auch immer noch wird, setzt die Beherrschung eines umfangreichen Arbeitsspektrums voraus. Der Rohstoff wird am offenen Feuer erwärmt und unter Verwendung diverser Werkzeuge auf dem Amboss mit Hämmern und Zangen zur gewünschten Form bearbeitet. Bei Kunstschmiedearbeiten kommt dieses Verfahren hauptsächlich zur Anwendung.

Und hier kann man bei Interesse das Schmieden lernen – ein Kursangebot für Macher beinhaltet z.B. das Schmieden eines Jagd- Trachten oder Küchenmessers – es gibt einen Tageskurs für das Schmieden einer Messerklinge oder eines Kleingegenstandes und als Highlight kann man am lodernden Feuer die Liebe für die Ewigkeit zusammen schmieden. Man verbindet beide Eheringe miteinander – und auch für ein Hochzeitsjubiläum wird eine Zeremonie organisiert, wenn man es als einen besonderen Tag im Gedächtnis behalten will.
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