Schlüsselbein brechen und dann?

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Schlüsselbein brechen und dann?

Beitrag von Johanna »

Schlüsselbein brechen und dann?…..

Ein schöner Nachmittag – die Sonne scheint, da bleibt man nicht in der Wohnung sondern fährt hinaus. Auf unserem Weg die Hinweisschilder zu Grube Gustav, also wollen wir nachsehen wann diese Grube geöffnet ist. Wir kommen zum Parkplatz, Autos stehen dort und Uwe stürmt voraus. Die Bürotür ist offen, davor eine Gruppe von Erwachsenen und ein paar Kinder. Alle bereits mit gelben Helmen „bewaffnet“. Wir haben Glück die Führung beginnt gleich. Vor dem Eingang kurze Instruktionen durch den Herrn der uns alles gut erklärt und – was ich als Teilnehmer denke – auch die Kinder mit seinem Wissen mitnehmen kann. Er kann sehr gut mit Kindern umgehen und das merken die Kleinen auch.
Grube Gustav – hier wurde Baryt abgebaut, vielleicht besser bekannt als Schwerspat oder Bariumsulfat. Kupferschiefer wurde hier ebenfalls abgebaut.
Baryt wurde nach dem griechischen Wort βαρύς [barýs] für schwer benannt aufgrund seiner für ein Mineral relativ hohen Dichte von 4,5 g/cm3. Auch die bergmännische Bezeichnung Schwerspat weist auf diese Eigenschaft hin.

Wofür nimmt man nun Schwerspat?
Aus Baryt wird oft Reaktor- Beton zum Strahlenschutz in der Röntgentechnik hergestellt. Zudem wird es in der Farben- und Lackindustrie zur Herstellung weißer Farbe gebraucht (Barytweiß). Und wer die Werbung kennt wird den Ausspruch von Uwe auch verstehen:“ feucht, dunkel, und trotzdem ist die Muschi weiss…..“ Man denke hier an die weisse Katze die ihren Schwanz hebt, durch das Zimmer geht und überall wo sie vorbei schreitet erstrahlt alles in hellstem weiss!! Alpina-weiss. Oft mischt man weißem Papier Baryt zur Verbesserung der Papieroberfläche zu. Zudem wird Baryt in der Kunststoff- und Gummiindustrie eingesetzt und zur Herstellung von hochwertigen Fußbodenbelägen, Bremsbelägen u.a. genutzt.

Die Hauptverwendung für Baryt ist in der Tiefbohrtechnik als Zusatz für Bohrspülungen. Der Grund hierfür ist die hohe Dichte des Baryts, mit dem ein hoher Schweredruck in der Flüssigkeit erzielt wird, der das Bohrloch stabilisiert und es ermöglicht, das durch den Bohrmeißel zerkleinerte Gestein an die Erdoberfläche zu transportieren.

In der Grube herrscht eine konstante Temperatur von 10° und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 95%. Man kann prima durchatmen, die Atemluft ist nahezu staubfrei.
Im Jahre 1499 wurden hier Bergleute vom damaligen Landgraf Wilhelm II.angeworben, die einige Privilegien hatten.
In der Grube Gustav kann man heute noch einen Abbaubetrieb im Kupferschiefer besichtigen. Bei einer gebauten Mächtigkeit von nur 37 cm kann man erkennen, in welch mühseliger und qualvoller Weise die Bergleute vor Jahrhunderten mit Schlägel und Eisen den Kupferschiefer gewonnen haben. Sie lagen teilweise auf einer Seite um mit der anderen Hand dann arbeiten zu können. Auch Kinder wurden hier beschäftigt, da die einzelnen Flöze sehr niedrig waren. Die Bergleute erreichten ein Durchschnittsalter von ca. 30 Jahren.
Außerdem finden wir in der Grube Reste von Strecken mit einer Höhe von ca. 80 cm und einer Breite von ca. 50 cm. Diese Strecken wurden von Hand, d. h., ebenfalls mit Schlägel und Eisen in den Berg gepickelt.
Um 1850 kam der Kupferschieferabbau zum Erliegen, weil die Vorräte erschöpft waren. Die ganze Grube hat eine Tiefe von ca 90 Metern – nur die erste Sohle ist begehbar, die zweite und besonders die dritte Sohle sind unter Wasser – abgesoffen!

Man kann an verschiedenen Stellen in die Tiefe fotografieren und sieht das Wasser stehen – gezeigt werden die verschiedenen Gerätschaften der Bergleute, das Geleucht, Stundenhaken die dann jeweils die Richtung anzeigten, wenn neue Gänge gepickelt wurden. Loren die voll Gestein gefüllt waren. Und dann eine Wand an der alte Zeitungsausschnitte zu sehen waren. Eine Skizze von den Flözen, von den Stollen und einem Unfall der sich 1957 ereignete. Zwei Bergmänner wurden durch einen Einsturz von der Aussenwelt abgeschnitten und hatten keine Möglichkeit über Förderschacht und ähnlichen Möglichkeiten ans Tageslicht zu kommen. Sie harrten 5 Tage in völliger Dunkelheit in einem Stollen aus, bis man eine Möglichkeit fand eine Rettungsbombe zu ihnen zu schicken. Ein bergmann fuhr mit der Rettungsbombe hinein und der erste Bergmann passt in dieses Gefährt und wurde gerettet. Dann kam die Rettungsbombe zurück und der zweite Bergmann sollte ebenfalls in diese Röhre kriechen, aber seine Schultern waren zu breit! Über 120 Stunden in der Dunkelheit, der Kamerad wird gerettet – was tun?

Wenn man die beiden Schlüsselbeine bricht, dann wird man automatisch in den Schultern schmäler, aber wer hat das medizinische Wissen? Und vor allem, wer macht es?
Aber dann kam eine andere Idee zum tragen – der Bergmann welcher als erster mit der Rettungsmöglichkeit „Bombe“ einfuhr liess den zweiten Kumpel allein mit dem Versprechen wieder zurück zu kommen. Draussen sammelte er alles Fett, Öl, Cremes ein dessen er habhaft werden konnte – schmierte die Rettungsbombe innen dick mit Fett ein, der Kumpel musste auch diese Prozedur über sich ergehen lassen und mit hängen und würgen konnte er in die enge Röhre gequetscht und gerettet werden – nach 121 Stunden!
Wir haben Bilder dieser Männer nach der Rettung gesehen – junge Männer, deren Gesichter gezeichnet waren, die wirklich alt aussahen. Das wurde damals als das Wunder von Eschwege in den Zeitungen betitelt.
Zum Abschluss möchte ich noch bemerken, dass wir einen Barren Schwerspat in die Hände bekamen und das Gewicht schätzen sollten. Hier gingen die Schätzungen von 15 kg bis über 30 Kilogramm weit auseinander. In Wirklichkeit waren es 11,5 Kilogramm.

Die Grube ist „nur“ 360 m lang – also auch für Fußkranke leicht zu durchqueren und anschliessend kann man dann versuchen irgendwo einen Kaffee und ein Stück Kuchen zu bekommen…..
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