Am vergangenen Freitag hörten/sahen wir uns einen Lichtbildervortrag von Marcel Haid an. Dieser bereiste mit seiner Frau Japan und brachte beeindruckende Bilder mit. Tradition und Moderne treffen hier aufeinander – die wenigsten wissen, dass Geisha ein anspruchsvoller Beruf ist, der eine mindestens 5-jährige Ausbildung erfordert. Das Kirschblütenfest, die Sumo-Weltmeisterschaft oder aber auch Bilder der unberührten Natur wurden uns nahe gebracht. Besonders beeindruckend fand ich die Teezeremonie die man als Europäer nur sehr schwer erlernen und ausüben kann – es sind bestimmte Handgriffe, eine festgelegte Abfolge und auch das Trinken des Tees ist ganz verschieden zu der europäischen Art und Weise. Und was mir auch noch sehr gefallen hat ist das ausnützen der kleinsten Parkmöglichkeiten für PKW – darin sind Japaner wirklich Meister. Der vortragende Haid hatte sich die traditionelle Kleidung angelegt und während der Dauer des Vortrags wurde auch ab und an passende japanische Musik gespielt.
Am Sonnabend legte Uwe unser Ziel fest: Monte Kali in Heringen, nicht sehr weit von unserem Standort. Auf der Fahrt dorthin sahen wir eine menge Menschen die mit Fotoapparat bewaffnet auf das Eintreffen/Vorbeifahren einer alten Dampflok warteten. Auch wir stellten uns auf um ein Bild zu machen. Dem Bau der Werrabahn gingen langwierige Verhandlungen voraus. Erst 1855 erhielt die thüringische Eisenbahngesellschaft eine Konzession zum Bau der Bahn. Zur Finanzierung gründete sich die Werra Eisenbahngesellschaft. Aktien wurden von den beteiligten Herzogtümern , den anliegenden Gemeinden auch der Salzunger Saline gezeichnet.
Der erste Spatenstich erfolgte unter der Leitung eines Oberingenieurs am 18. Februar 1856 bei Themar. Die ersten 50 km Strecke werden in sehr kurzer Zeit fertig gestellt. Doch der Bau eines Tunnels bei Gotha ist eine besondere Herausforderung, da dies der erste Tunnel überhaupt ist bei dem auch fünf Arbeiter tödlich verunglücken. Die Hauptstrecke wurde 1858 eingeweiht.
Es gibt eine kleine Anekdote die sich am Weihnachtsabend 1896 bei der alten „Rumpelbahn“ abgespielt haben soll. Als der Zug der Felsbahn zur vorgeschriebenen Zeit in Tiefenort eintraf meldete dem Zugführer ein Telegramm aus Salzungen, dass man dort einen Teil des Zuges vergessen und stehen gelassen hatte. Die Lok wurde daraufhin schnell abgespannt und unter Zurücklassung der mitgebrachten Fahrgäste ging es mit erhöhter Geschwindigkeit nach Salzungen zurück wo wirklich noch zwei besetzte Personenwagen auf die Beförderung warteten. Als man diese nach Tiefenort gebracht hatte wurden die Insassen mit Jubel von den Gästen empfangen, die zuerst dorthin befördert wurden und auf die Nachzügler warten mussten.
Das Zugpersonal entschuldigte sich mit dem Hinweis dass sie durch lauter Weihnachtsfreude unaufmerksam geworden waren und machte das Versehen dadurch wieder gut, dass sie den Rest der Strecke bis zum Zielbahnhof mit erhöhter Geschwindigkeit zurücklegten. Auch der Aufenthalt in Bad Salzungen wurde abgekürzt sodass man mit nur ganz geringer Verspätung in Kaltennordheim eintraf.
Bei dem Monte Kali in Heringen hatten wir leider kein Glück – an diesem Tag kein Besucherrundgang möglich – auch das Museum, welches wir ansteuerten war geschlossen. Der Kalibergbau passt doch problemlos zu unseren anderen Ausflügen in die Welt der Solemuseen, der Salzgewinnung in den verschiedenen Bergwerken – doch dies schien nicht unser Tag zu sein. Auch als wir nach einer Kaffeepause weiter nach Merkers zu „Down under“ fuhren hatten wir kein Glück. In dieser Mine werden unter Tage Konzerte und ähnliche Veranstaltungen abgehalten. Doch auch hier war alles ausverkauft und nicht daran zu denken ein Plätzchen zu ergattern. Zumindest hatte ich die gelegenheit hier noch einmal das gute Badesalz in allen möglichen Farben und mit diversen Mineralien angereichert zu erstehen.
Leider blieb uns dann nichts anderes übrig, wie Bad Salzungen anzusteuern. Hier gibt es auch das Bad mit der Salzunger Natur-Sole.
Das Museum am Gradier Werk hatte geöffnet. Der Treppenaufgang vom Eingang zum ersten Stock wird von einem grossen Fenster beherrscht. Dieses Fenster ist Tiffaniartig mit schönen Mustern, gedeckten Farben hergestellt – ein Blickfang. Auf dem Treppenabsatz der im ersten Stock war stand ein hölzerner Wagen, wie ihn Feuerwehrleute in alter Zeit bedienten. Die Pumpe wurde noch von Hand betrieben – der Wagen von mindestens zwei Personen zum Brandherd gezogen. Ein Schild besagt hier dass das Salz unter allen Edelsteinen die uns die Erde schenkt, der kostbarste ist.
Schautafeln erklären wie das Salz in die Erde kommt und es sind auch Bilder vorhanden, die die einzelnen Farbnuancen der verschiedenen Salzarten zeigen. Werrasteinsalz z.B. ist zitronengelb, wogegen das mittlere Werra-Steinsalz/Notenliniensalz dunkelgrün ist. Der Bohrkern des unteren Werrasteinsalzes, Tonlage erscheint nicht nur gelb sondern auch orange – es gibt hier auch ein lachsrotes Steinsalz und der Kaliflöz Thüringen zeigt Basaltbrekzie im Steinsalz.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Salzsiederei bereits in der Eisenzeit ein spezialisiertes Handwerk ist. Vor ca 2400 Jahren besiedelten Kelten das Gebiet um Salzungen. Diese Völker sind aus dem südlichen Mitteleuropa eingewandert. Sie gründeten stadtähnliche Siedlungen – kennen die Eisengewinnung und Drehscheibentöpferei und sie betreiben die Salzsiedeöfen.
In der Talebene der Werra zwischen Thüringer Wald und Rhön gibt es ergiebige Salzquellen. Allerdings ist durch die Archäologie bis heute nicht bewiesen ob die Kelten im heutigen Salzunger Gebiet Salz siedeten.
Es wurden um die salzhaltigen Quellen erbitterte Kämpfe ausgetragen. Der römische Historiker Tacitus berichtet von einer Schlacht 58 n. Chr.: Germanische Stämme – Hermunduren und Chatten kämpften an einem Grenzfluss um Salzquellen, die mit den umliegenden Wäldern als heilig galten. Die Hermunduren siegten und vernichteten die Chatten mit Mann und Ross. Diese Auseinandersetzung könnte im Gebiet des heutigen Bad Salzungen stattgefunden haben.
In dem Museum ist auch die erste Innungs-Urkunde der Salzunger Pfännerschaft von 1449 als Abschrift auf Pergament ausgestellt.
Später – im 18. und 19. Jahrhundert ist Salzungen und die „Salzunger Tropfen“ weit über die Grenzen hinaus bekannt und man findet zu dieser Zeit diese Tropfen in jedem Haushalt. Sie sollen bei allen möglichen Krankheiten helfen.
Die Rezeptur wird bis ins 20. Jahrhundert in einer Kasette im Rathaus als Geheimrezept gehütet und nach dem Testament des Arztes durfte es nur von einem Apotheker gelesen werden, der sich verpflichtete den Erlös und Vertrieb wohltätigen Zwecken zuzuführen. Ausserdem durfte keine Abschrift gemacht werden.
Auswanderer nahmen das Hausmittel aus der Heimat mit in die neue Welt und so verbreiteten sich die Tropfen weiter. Sie waren so beliebt dass man sich gegen Plagiate wehren musste, erst die Wirtschaftsführung der DDR schaffte es die Herstellung der Tropfen so zu behindern, dass 1976 die Produktion aufgegeben wurde.
Christiane Sulzberger vertraut die Herstellung und den vertrieb der Sulzberger Tropfen ihrem verwandten, dem Apotheker Johann Ludwig Hermann an. Nachfolger in der Herstellung wird sein Neffe Dr. phil. Hermann Hoffmann. Von nun an werden die Tropfen über generationen von der Apothekerfamilie Hoffmann hergestellt, die seit 1880 auch die Mohrenapotheke in Salzungen betreibt.
In einem Schaukasten ist u.a. eine Bergmannfigur mit entsprechender Kleidung und einem Sack dargestellt, dazu ein Kelch – hier heisst es: zur Erinnerung an die Tätigkeit im Grubenbetrieb „Ernst Thälmann“. Dazu wird auch um Unterstützung der Stiftung „Stadtmuseen Bad Salzungen“ gebeten und das Muster eines Stifterbriefes gezeigt.
Nach dem verlassen des Museums gingen wir zur Saline. Das Gebäude sieht aus wie aus dem Märchen Aladin und die Wunderlampe – wunderschön die Front des Kur-/Badehauses. Schwarz/ weiss. Die schmalen Fenster weiss abgesetzt mit Bögen auf den oberen Fensterkanten, zierliche Gitter, Erker und ein Türmchen wird von einer kleinen Sonne gekrönt. Der Pavillon der vor dem Haus in dem kleinen Park steht hat auf seinem Dach ebenfalls eine Spitze die von einem liegenden Halbmond gekrönt wird. Auch hier alles in weissem Holz – schmale Holzgitter unterteilen die grosszügigen Fenster, die Pfeiler zwischen den Fenstern zeigen ein gedrehtes Muster. Alles in allem ein wunderschöner Bau auf der uns abgewandten Seite war das Podest für die Kapelle, welche im Sommer die Kurgäste mit Musik erfreut – wir liefen zur Wandelhalle und stiegen die Stufen hinauf, gingen hinein und sahen einen ganz modernen Innenausbau mit grossem Schwimmbad, Sauna usw. Kleine Geschäfte, Aufenthaltsmöglichkeiten wie einen kleinen Cafeshop. Man konnte sich Regencapes ausleihen wenn man die Salinengänge die sich rechts und links an das Gebäude anschlossen durchlaufen wollte.
Teezeremonie, Weihnachtsfreuden und Salzunger Tropfen
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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