Lüneburg 2. Teil
Die baltischen Ostseeprovinzen galten als Fenster zum Westen. Nach der Eroberung im 18. Jahrhundert durch die Russen spielten die Deutschbalten bei der von Peter dem Grossen und seinen Nachfolgern betriebenen Modernisierung eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer guten Bildung galten sie als Elite im gesamten russischen Reich. Den Deutschbalten wurden gute Karrieremöglichkeiten angeboten. In russischen Diensten genossen sie einige Privilegien. P. Von Rennenkampf war russischer General der Kavallerie und Generaladjudant des Zaren Nikolaus II und stammte aus einer deutschbaltischen Familie. Er führte 1914 die Offensive russischer Streitkräfte in Ostpreussen an.
Die baltische Wohnkultur wurde auch gezeigt. Im Biedermeier ab ca 1830 veränderte sich die Athmosphäre vieler Häuser im Baltikum. Teppiche, Vorhänge , einfarbige Anstriche der Wände mit Bordüren, gestreifte französische Tapeten ahmtge man wie in Großbritannien und Deutschland historische Stile nach. Ahnengalerien waren auch für baltische Herrenhäuser ein charakteristisches Merkmal. Es entstanden Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Auf den weit entfernten Gutskomplexen waren grosse Gesellschaften zu Bällen oder Jagdausflügen eine willkommene Abwechslung. Meine Mutter erzählte früher auch von diesen Bällen als sie als junges Mädchen ihre Französischekenntnisse den Kindern der Framilie beibrachte.
Gezeigt wurden Frauenkleider – einmal eine tägliche Bekleidung der ärmeren Bevölkerung und einmal die sonntägliche Kluft . Sie bestand aus einer weissen, reichlich bestisckten Bluse mit einem gestreiften langen Rock, einem gestickten gewebten Gürtel und einer kostbaren Haube. Die Arbeitskleidung war aus grobem Leinen, ein Hemd welches Kleidartig über einer Hose getragen wurde. Dies wurde mit einem schmalen Gürtel um die Taille zusammengehalten. Die Beine wurden mit Stricken umwickelt damit die Hosenbeine eng um die Beine lagen.
Auch der Lügenbaron – Freiherr von Münchhausen – wurde hier erwähnt, weil er 1738 über die baltische Stadt Riga nach Russland reiste. Aus dieser Zeit stammt auch die abenteuerliche Geschichte vom Pferd am Kirchturm.
Nach dem ersten Weltkrieg gab es in den baltischen Ländern eine Bodenreform. Sie betraf hauptsächlich in Estland bis 1924 knapp 2 Millionen Hektar Boden. Estnische, russische und reichsdeutsche Großgrundbesitzer wurden enteignet.
Am 6. Oktober 1939 wurde 65000 Deutschbalten die Umsiedlung verkündet. Und 1940/41 wurden weitere 17.800 Menschen, zumeist Deutschbalten, Esten und Letten ins Deutsche Reich über den Seeweg gebracht.
Ein Foto dieser Umsiedlungsaktion wurde gezeigt. Koffer standen am Kai, ein Auto wurde von einem Kran in die Höhe gehoben und verladen.
Die deutsche Hanse nahm einen weiteren Raum für sich in Anspruch. Hier wurden die Handelswege der Hanse von London über Brügge, Hamburg, Lüneburg, Lübeck, Danzig bis Riga und Novgorod gezeigt. Gehandelt wurde neben vielem anderen on West nach Ost: Tuch, Salz, Waffen, Kessel und Keramiken und von Ost nach West kamen Fisch, Pelze, Wachs, Bernstein, Getreide , Pech, Hanf und Holz . Die Seefahrt war bequemer als die mühseligen Transporte über Land, aber auch gefährlicher.
In einer Vitrine war ein damaliges Handelsschiff aufgebaut mit Segeln, und der damaligen Takelage. Um 1400 war die Blütezeit der Hanse das Bündnis der Kaufleute. Es war auch die Hochzeit der Kaperfahrer. Störtebecker war der bekannteste .Er galt als tollkühner Kapitän und gefürchteter Anführer - bekannt wurde er aber auch als Beschützer der Armen und Entrechteten.
Das ostpreussische Landesmuseum wurde nach 1945 in Lüneburg eröffnet. Hier war eine Gedenktafel des H.-L. Loeffke der das Museum mit begründete .
Eine Überschrift lautete „kein Dach über dem Kopf und nichts auf dem Teller – Maßnahmen gegen die Not.
In einem zerstörten Land mit zerbombten Großstädten wurde den Millionen Flüchtlingen der Wohnort von den Gemeinden zugeteilt. Fast überall wehrte man sich gegen den weiteren Zuzug und wies auf die schlechte Ernährungslage und die hygienische Situation hin. In Lüneburg gab es noch keinen Kanalisationsanschluss – deshalb sprach ,man von Lüneburg als der Stadt mit den 1000 Giebeln und 1000 Kübeln.
Typohus, Tuberkulose und Krätze waren verbreitete Krankheiten – nicht nur in Lüneburg.
Es gab Lebensmittelmarken und ein Normalverbraucher erhielt 1550 Kalorien das entsprach etwa 6 Scheiben Brot am Tag.
Ich selbst habe in einem meiner Fotoalben noch die Lebensmittelmarken unter bzw. neben einem Kinderbild von mir. Und ich kann mich erinnern, dass ich als 4-jährige noch Brot mit Lebensmittelmarken bei dem kleinen Laden vor dem Haus meiner Verwandten holen musste.
Hamsterfahrten, Schwarzmarkt waren an der Tagesordnung.
Bilder von einer Familie wurden gezeigt die in einem Zimmer „hausen“ mussten, denn Flüchtlinge aus dem Osten waren nicht willkommen. Hier kann ich mich auch noch erinnern, dass meine Verwandten auch noch nach 25 Jahren in einer kleinen Gemeinde als Rucksackdeutsche bezeichnet wurden.
Aus dieser Zeit wurde eine Holzwaschmaschine gezeigt, Das Kernstück zeigte ein Fass aus bestem und teuerstem Eichenholz. Mit einem seitlichen Schwunghebel wurde das Waschkreuz im Bottich bewegt. Die Lauge durchflutete dabei die Wäschestücke. Durch die Wadschkreuzbewegung rieb die Wäsche aneinander und der Schmutz wurde gelöst.
Geschichte Lüneburgs Teil 2
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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