Kastenbau mit Brunnenanlage
Dieses Gebäude diente nach dem Krieg als Überlandzentrale, hier waren aber auch Wohnungen ausgebaut, hier lebten Störche, Fledermäuse, Hasen. Und hier war die Gemeindeverwaltung im zweiten Stock untergebracht. Dies war mein „Spielplatz“
Erbaut wurde dieser Bau 1571 und renoviert bzw. umgebaut wurde er 2003.
Über dem Ort thront die Burg zu der dieser Bau 1571 damals gehörte, er war eigentlich als Getreidespeicher für die Burg und die darunterliegenden Ortschaften gedacht. Nach dem Krieg waren im Erdgeschoss die riesigen Maschinen der Überlandzentrale untergebracht, auch im ersten Stock gab es noch Räume in denen die Überlandzentrale Maschinen und Lagerkapazitäten hatte. Hier stand eine grosse Viehwaage und mein Onkel stellte mich in Abständen darauf um zu sehen, wie viel ich zugenommen hatte.
Die Überlandzentrale war für die Stromverteilung im Ort bzw. in den umliegenden Orten zuständig
Ich kam in dieses Gebäude zu meinen Verwandten als ich 4 Jahre alt war. Im zweiten Stock waren nämlich so einige Umbauten vorgenommen.
Die Tür war für mich neu, der Schlüssel zu diesem Haus war früher so schwer und gross, dass ich ihn nur mit zwei Händen halten konnte.
Im ersten Stock stand eine Bank dass man sich ausruhen konnte und hier war ein Schwalbennest. Das Oberlicht eines Fenstgers war immer gekippt, sodass die Schwalben ihre Brut hier in Ruhe grossziehen konnten und oft sass ich auf dieser Bank um den Vögeln zuzusehen.
Kam man die grosse Steintreppe in den zweiten Stock hinauf stand man vor einer massiven Tür die zu dem Wartezimmer der Gemeindeverwaltung führte. Durch diesen Raum musste man hindurch gehen, eine weitere Tür öffnen und dann kam man in einen sehr langen Gang. Links davon waren Abteile eingerichtet die den heutigen Kellerräumen in den Hochhäusern ähnelten. Bretterverschläge aber was dahinter aufbewahrt wurde, daran erinnere ich mich nicht. Dann verbreiterte sich dieser Gang zur rechten Seite und man sah eine grosse „Toröffnung mit einem halben Gitter davor. An der Decke war ein Gestell an dessen Ende eine Rolle befestigt war. Hier wurden Dinge von unten hochgezogen, wie z. B volle Wassereimer. In diesem Gebäude gab es keine Wasserleitung, es gab keine „normale“ Toilette, nur ein Plumpsklo auf der linken Seite neben den beiden grösseren Bretterverschlägen die als „Kelleraufbewahrungs-möglichkeit“ für die beiden Wohnungen dienten, die man geradeaus hier ausgebaut hatte.
Als kleines Kind hatte ich immer Angst auf die Toilette zu gehen, das Loch war so gross und die Wohnung war doch so weit oben – ich hatte immer Angst dass ich da hinunter rutschen könnte. Der Ausschnitt war so gross und ich so klein.
An einem Haken hingen die ausgeschnittenen oder gerissenen Papierstücke die man als Klopapierersatz dort aufhing.
Die rechte Wohnung wurde von meinen Verwandten bewohnt, die linke Wohnung war von einem älteren Rentnerehepaar belegt, deren Enkelsohn ab und an bei ihnen war. Mit ihm konnte ich zusammen auf der freien Fläche vor den beiden Wohnungen spielen. Wir durften allerdings niemals zu der grossen Öffnung gehen, die Gefahr des hinunterfallens war zu gross. Das Gitter konnte man nämlich sehr leicht öffnen. Mein Onkel und meine Tante zogen dort die Wassereimer hoch, die man im gegenüberliegenden Haus aus der Leitung füllte. Oder man füllte die Eimer im Brunnen der auf dem Platz vor dem Gebäude war, aber das war wirklich nur eine kurze Zeit möglich. Das Wasser welches aus der Leitung in Eimern hochgezogen wurde diente zum kochen. Für das waschen, Baden in der Zinkwanne oder Wäsche waschen baute mein Onkel in seinem „Speicherabteil“ eine Vorrichtung die das Wasser vom Gebäudedach in eine grosse Tonne leitete.
Später durfte meine Tante dann in der Waschküche im Haus gegenüber die Wäsche waschen. Dort gab es nicht nur einen grossen Waschkessel, sondern auch eine Presse, die die Lauge bzuw. Das Spülwasser aus der Wäsche presste. Schleuder gab es ja noch nicht.
Das Haus gegenüber war auch von der Überlandzentrale belegt und hier arbeitete mein Onkel im Lager.
Die rechte Wohnung bestand nach der Eingangstür aus einem langen Gang, rechts gingen die Zimmer ab – zuerst das Schlafzimmer, dann schloss sich das Kinderzimmer an, welches Licht durch eine Fensteröffnung zur Küche hatte. Anschliessend kam die Küche, hier konnte man einen Ofen anheizen der im Wohnzimmer stand. Ein grosser Kachelofen der eine herrliche Wärme verströmte, der Gemütlichkeit für mich als Kind bedeutete. Die Tür zum Wohnzimmer war geradeaus. Das Zimmer hatte zwei Fenster eines gerade aus und eines auf der rechten Seite. Die Fenster waren doppelt – das heisst es gab zwei Fenster-Scheiben an einem Fenster, dazwischen war etwas Platz wo man im Winter eine Decke zwischen die Fensterscheiben legen konnte um eine bessere Isolierung zu erreichen.
Den Kachelofen mochte ich sehr – ich sass davor lehnte mich mit dem Rücken an den warmen Ofen und vor mir stand ein Hocker, die Sitzfläche war gerade aus Holz und hier machte ich meine ersten Hausaufgaben für die Schule als ich 5 Jahre alt war, Hier malte ich Bilder, betrachtete die Zeitung oder sah meiner Tante beim Bügeln zu. Manchmal lag ich bäuchlings über dem Hocker und probierte das Pfeifen das der Enkel nebenan so gut konnte und ich nicht!
Über den Wohnungen gab es noch ein Stockwerk, dort hatte mein Onkel Hasenställe aufgebaut, ich suchte Futter an den Wegrändern und durfte die Hasen füttern. Meine Tante hing gewaschene Wäsche am dahinter liegenden grossen Speicher auf und dann gab es hier eine Hühnerleiter, die noch mal auf einen darüber liegenden Holzboden führte. Hier hingen die Fledermäuse die abends erst „lebendig wurden“. Oben auf dem Dach war ein grosses Storchennest und jedes Jahr brüteten die Storcheneltern dort die Kleinen aus – bei den ersten Flugversuchen standen dann die Störche auf dem Hausdach gegenüber, klapperten mit den Schnäbeln und ich konnte sie gut beobachten. Mir erzählte man dass die Störche die Kinder bringt und ich wünschte mir so sehr ein Brüderchen oder ein Schwesterchen, so dass ich meinen Onkel bat, einen Zettel für die Störche zu schreiben und ein Stückchen Zucker auf den Teller zu legen. Am Nächsten Morgen war Zucker und Zettel weg und ich wartete…...aber nichts kam. Weder Bruder noch Schwester.
Ipsheim hatte sich sehr verändert. Der Friedhof war zwar noch da, aber davor waren feste Parkplätze, ein Gasthaus in welchem wir noch 1961 die Trauergesellschaft für meine Großmutter bewirteten gab es nicht mehr, genauso wie das ehemalige Fleischereigeschäft, der Tante Emma-Laden und noch so einiges. Die Apotheke war immer noch im gleichen Gebäude. Aber es gab ein Gewerbegebiet, die riesige Zahnarztgemeinschaftspraxis, andere Gewerbe und der Ort hatte sich wirklich sehr verändert. Das Cafe Schlez an welches ich auch Erinnerungen hatte, bestand seit über 33 Jahren nicht mehr. In diesem Cafe hatte die schlesische Landsmannschaft Feiern veranstaltet und einer meiner Onkel, der Bäcker war hatte dafür Sahne, Kuchen und ähnliches gestiftet. Die Wälder auf den umliegenden Höhen waren alle abgeholzt und Weinberge angelegt. Weinverkauf stand an vielen neuen Häusern. Der Weg der zu der anschliessenden Wohnung meines Onkels führte war geteert, ich kannte ihn noch als reinen Feldweg – der Kuhwasen mit den Gärten war einem Sportplatz gewichen.
Wir nahmen uns für eine Nacht ein Zimmer in einer Gastwirtschaft, damit wir mal in Ruhe ausgiebig duschen können, denn im Wohnwagen war das nicht gut möglich.
Mein Besuch am Friedhof zeigte mir, dass das Grab meiner Oma und meines Opas nicht mehr existierte. Mein Opa hatte vorher in Bad Windsheim ein Urnengrab und wurde einige Jahre nach dem Tod meiner Oma (1961) umgebettet. Nach über 25 Jahren Zugehörigkeit in diesem Dorf wurden meine Verwandten immer noch als Rucksackdeutsche betitelt, weil sie nach dem Krieg hier Unterkunft und Arbeit fanden. Die Kirche bestand noch genau wie der Lindenbaum vor dem Kastenbaum bei dem ich jedes Jahr die Lindenblüten für meine Tante sammeln musste. Diese Lindenblüten kamen bei Erkältung zum Einsatz. Und die Anschlagstafel die auch an dem Gebäude des Bauern bei dem Platz vor dem Bau angebracht war, die war verschwunden. Hier absolvierte ich meine ersten Leseübungen an den Werbeplakaten der diversen Geschäfte und Parteien. Meine Tante war da sehr streng – sie fing damit an mir die einzelnen Buchstaben beizubringen als ich 5 Jahre alt war und ich fand es immer peinlich wenn ich einmal einen Buchstaben nicht sofort erkannte.
Den Wohnwagen konnten wir im Gewerbegebiet abstellen – ein Gebiet welches früher von Getreidefeldern und auch Feuchtwiesen dominiert wurde.
Erinnerungen an Ipsheim
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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