die Normannen kommen

 

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Johanna
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die Normannen kommen

Beitrag von Johanna »

Die Normannen kommen

Sonntag nachmittag und als einziges Event wird eine Veranstaltung mit o.a. Titel angepriesen.
Veranstaltungsort im Botanischen Garten. Ich habe überlegt, wird hier über Blumen gesprochen die winterfest sind? Oder wie ist der Titel sonst zu verstehen. Wir machen uns auf den Weg.

Hausnummer 7 in der Gartenstraße finden wir nicht und auf Maps wurde uns ein Fußweg gezeigt der direkt in die Mitte des botanischen Gartens zeigt.
Ich habe „Welpenschutz“ und frage einen anwesenden Vater der seine beiden kleinen Kinder auf dem Spielplatz im botanischen Garten beaufsichtigt – er deutet auf ein Gebäude welches sehr neu aussieht und auch mitten auf dem Grün steht. Früher war das nicht da und als ich später nachgelesen habe bekam ich die Informationen dass dieses Haus erst letztes Jahr hier gebaut wurde.

Uwe schob mich im Rollstuhl bis zu dem Gebäude, kurz bevor wir es erreichten gingen in diesem grossen verglasten Raum Lampen an. Innen weisse Stühle, vorne ein kleiner Tisch mit einem Mikrophon, auf der Fensterbank die die ganze Wandbreite einnahm sassen zwei Damen.

Ein Herr bot Getränke an, Kaffee – Milch würde es erst später geben, Tee oder aber etwas Kaltes.
Ich entschied mich für eine Tasse Kaffee, schwarz und dann harrten wir der Dinge die angekündigt waren.

Der Titel „Die Normannen kommen“ wurde jetzt für mich klarer – denn auf der Fensterbank lagen einige kleinere Bücherstapel. Also sollte es wohl eine Lesung werden. Ich bat Uwe mir von jedem Buch welches auf diesem Fensterbrett ausgebreitet lag eines zu geben.
Diese blätterte ich durch und fand die „Normannen kommen“ am reichhaltigsten.

Die Autorin Kristin Weber berichtete über die Schlacht von Hastings d.h. über die Vorgeschichte, die Herrscher – sie berichtete über Angelsachsen, Wikinger und Normannen.
Ganz besonders beschrieb sie auch den Teppich von Bayeux – der zwar nur 52 cm hoch aber dafür fast knapp 70 m lang ist.
Diese Tapisserie erzählt die wechselvolle Geschichte um die Eroberung des englischen Throns und ganz besonders die Geschichte von der Schlacht von Hastings. Diese Schlacht hat die Geschichte Europas wirklich sehr verändert und hatte nicht nur Auswirkungen auf England.

Wer sich bekämpfte, der Schiffsbau, wie die vielen Pferde von der Normandie über den Ärmelkanal nach England verschifft wurden usw. wird hier ausführlich behandelt.

Der Fürstenzug, den wir in Dresden bewunderten erzählte auch die Geschichte der Herrscher in Dresden. Und hier wurde die englische Geschichte in ihren Anfängen ebenso wieder lebendig.

Schliesslich wurde immer zuerst derjenige König der sich selbst als solcher bezeichnete und dann die Gefolgschaft der anderen „Bewerber“ einforderte.
Eduard (der Bekenner) starb erbenlos und er setzte einen Freund den er aus der Normandie mitgebracht hatte auf den mächtigen Stuhl des Erzbischofs.
Die normannischen Chronisten behaupten, dass Eduard seinem Verwandten Herzog Wilhelm von der Normandie den Thron versprochen hätte. Wilhelm, der Bastard oder später auch der glückliche genannt, wurde von seinem Vater Robert anerkannt und als Erbe mussten die normannischen Grossen einen Eid auf ihn schwören. Fragt man wieso die Normandie so erfolgreich war muss man wohl Kinderreichtum, militärische Disziplin, effektive Verwaltung und vielleicht auch noch den Rückhalt der Kirche benennen. Es gab allerdings noch einen anderen Verwandten der Anspruch auf den Thron anmeldete.
Auf dem Teppich von Bayeux sind sämtliche Abschnitte der Schlachtvorbereitung zu sehen. Der Schiffsbau, das Verladen der Pferde um sie über den Ärmelkanal nach England zu bringen, die einzelnen Kämpfer, Ritterrüstungen, Waffen, alles ist aufs feinste und genaueste festgehalten. Auch Wilhelms Gegenspieler Earl Harold ist auf diesem Teppich abgebildet wie er den verhängnisvollen Eid auf die Reliqien ablegt.
Harold sollte alle seine Ämter und Besitzungen erhalten dürfen wenn Wilhelm König würde. Ob nun der Eid die Bedingung für die Freilassung der Geiseln war wurde nie richtig aufgeklärt. Harold wurde gefangen genommen musste seine Waffen abgeben. Harold sah keine Chance der „Gastfreundschaft“ zu entkommen, hinterher wurde er von Wilhelm auf einen Feldzug gegen die Bretagne mitgenommen. Erst nach Abschluss dieses Feldzuges durfte Harold wieder Waffen tragen und so ist er auf dem Teppich auch teilweise waffenlos abgebildet.

Auf dem Teppich sind auch am unteren Rand Bilder des täglichen Lebens zu sehen.
Das Buch welches ich von der Autorin erstand enthält auch viele farbige Abbildungen über posierende Kämpfer oder Reiter, Helme und Schlachten.

König Eduard hatte nicht nur Wilhelm den Thron versprochen, sondern auch Harald machte sich Hoffnungen die Eduard forcierte. König Eduard hielt sich alle Optionen offen. Auch die Dänen und Norweger machten sich Hoffnungen , brachten aber letztendlich nur eine Allianz zustande. In dieser wurde vereinbart dass man sich gegenseitig Hilfe bei einem Angriff Dritter leisten musste.

Witzig fand ich die unterschiedliche Haartracht. Die Normannen bevorzugten militärisch, streng, teilweise die Haare auch an den Seiten und am Hinterkopf rasiert. Während ein angelsächsischer Adliger eine volle Haarpracht bändigen musste

Bei der Grösse des Teppichs muss man sich schon fragen, wie viele Personen mit der Fertigung dieses Teppichs beauftragt waren und wie lange es dauerte bis alles fertig gestellt war. Ich stelle mir da einige Frauen vor, die sehr lange dieses Stück „bearbeiteten“.

Bei der abschliessenden Fragestunde/Diskussionsrunde wurde Berling erwähnt, da dieser die „dunkle Zeit“ in den Büchern der Reihe „die Gralskinder“ beschrieb. Tilman Röhrig behandelt in seinem Buch „Erik der Rote“ auch die Fahrten und Eroberungen der Norweger die ja ebenfalls an Englands Küste anlandeten und Raubzüge unternahmen. Ebenso kamen die Fortschritte der Archäologie zur Sprache – die Feststellung dass die Medizin bei der Aufklärung von archäologischen Funden enorme Fortschritte gemacht hat wurde durch das Beispiel der Schamanin von Dürrenberg belegt.
Ein sehr interessanter Nachmittag der durch ein leckeres Abendessen in einem italienischen Restaurant in Bad Sooden seinen Abschluß fand.
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