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Dom Merseburg

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Dom Merseburg

Beitrag von Johanna » Samstag 12. Oktober 2019, 14:40

Weissenfels Schlosskirche und Merseburg

Nachdem wir uns das Schuhmuseum angesehen hatten suchten wir noch die obere Etage auf, hier war ein Museumsbereich, der uns nicht so sehr interessierte – moderne Malerei und ein Raum mit Kostümen, Perücken und Zubehör. Es standen kleine Stühle hier und wir fragten die Damen, ob hier auch für Kinder etwas geboten wird, denn kleine Stühle und Kostüme? Uwe setzte mir eine lange Perücke auf, dazu die Krone eines Königs und drückte mir das Zepter in die Hand. Wir lachten und alberten herum.

Doch dann lockte uns noch die angekündigte Kirche, die als solche bei den Gebäuden nicht zu erkennen war. Ein Angestellter öffnete uns die Tür – eine ganz normale Tür, kein Portal, nichts was erkennen liess, dass sich dahinter eine Kirche befinden würde.
Auf dem Altar ein kleines Kruzifix – darüber in Stein Engelfiguren – eine Figur schrieb auf einem Pult etwas und blickte nach oben wo ein Engel segnend seine Hand hob. Eine Puttenfigur rechts vom Altar ungewöhnlich die Anordnungen - über dem Altar wieder eine Frauenfigur die einen Kelch in der rechten Hand hielt, links ein Engel der ein Kreuz hielt und mit der rechten Hand nach unten deutete.
Die Decke der Kirche war in viele Vierecke geteilt und in jedem Viereck waren Engelfiguren in allen möglichen Stellungen und mit diversen Gegenständen. Ein grosser Kandelaber hing von der Decke herab. Man konnte die Fenster sehen die vom Museum in die Kirche gebaut waren. Von diesen Fenstern aus hatten wir den ersten Blick in die Kirche getan. Alles war in Braun- und Weiss-tönen gehalten. Auch über den Bögen die die Emporen überzogen waren diese Muster der Viereckbegrenzungen zu sehen. Man erzählte uns, dass diese Kirche keine Veränderung seit ihrer Erbauung durchmachen musste. Das Schloss ist bis jetzt nur zur Hälfte renoviert, wahrscheinlich fehlt das Geld – aber vom Schlossgarten aus hat man einen schönen Blick auf die Umgebung.

Wir fuhren nach Leuna – ein Ort der für Chemieindustrie steht. Hier war ein grosser Chemiestandort ca. 10 km lang und 3 km breit waren die Leuna Werke „Walter Ulbricht“. Dieser Chemiestandort besteht noch immer und man sieht es dem Ort auch an – viele Gebäude sehen einfach trostlos aus.
Wir stellten den Caravan hinter Büschen neben einem Bahngleis bei Spergau ab und fuhren weiter nach Merseburg.

In Merseburg lockte uns der Dom. Zu einer Führung kamen wir zu spät, aber nachdem Uwe mich mitsamt dem Rollstuhl vor dem Eingangsportal abgesetzt hatte, suchte er einen Parkplatz. Dann wurden wir über den Hof bis zu einem Eingang für Rollstuhlfahrer gebeten. Wir betraten den Dom. So ein reich ausgeschmückter Bau! Der Grundstein für den Bau einer repräsentativen Kathedrale des Bistums Merseburg wurde am 18. Mai 1015 durch den Bischof Thietmar von Merseburg gelegt.

Otto I. legte vor der Schlacht am Lechfeld ein Gelübde ab – im Falle eines Sieges wollte er ein Bistum in Merseburg errichten. Aber es dauerte noch 20 Jahre bis der Grundstein gelegt werden konnte.

Wir kamen durch die Tür die unter der Orgel in den Dom führt. Wir standen in der Vorhalle. Hier ist das Grabmal des Ritters von Hagen – das Gesicht ist fast zerstört, die Haare lang und lockig noch gut zu erkennen. Ebenso ist hier der Kunigunde-Altar und ein spätromanischer Taufstein. Kunigunde von Luxemburg war die Gemahlin Kaiser Heinrichs des II. Sie soll angeblich um ihre Reinheit zu beweisen unverletzt über glühende Kohlen gegangen sein. Am 3.4.1200 wurde sie heiliggesprochen.

Dieser Taufstein wird von Elefanten getragen – die steinernen Figuren die ringsherum ausgearbeitet sind zeigen verschiedene biblische Figuren. Unter der Orgelempore sieht man an den Wänden rechts und links Steinfiguren – Johannes den Täufer, einen Ritter, einen Bischof und auf der anderen Seite einen Apostel der Buch und Palmzweig in Händen hält, einen König.

Im Langhaus hängt das Triumpfkreuz von der Decke herab.

Die Kanzel reich verziert mit biblischen Figuren. Auch an den Wänden immer wieder kleine Altäre – Maria und das Jesuskind und andere. Die Grablegung Christi bildet den Mittelpunkt eines Nebenaltars in der Taufkapelle. Dieser ist mit Figuren reich umfasst. Engel tragen das Hauptmotiv auf ihren Köpfen und unter dem Bild sitzt eine Putte auf einer Erdkugel. Von hier aus geht auch das Portal zur barocken Fürstengruft.

Die grosse Ladegastorgel - sie ist riesengross und ebenso mit Engeln und anderen Figuren geschmückt. Auf einer Seite der Kirche ist eine kleine Ladegastorgel – hier hörten wir einem Domorganisten um 12:00 Uhr bei einem Orgelkonzert zu.
Hinter ihrem barocken Prospekt verbergen sich 5687 Pfeifen. Die Ladegast-Orgel gehört zu den größten und klangschönsten romantischen Orgeln Deutschlands.

Der hohe Chor ist ausgestattet mit reich geschnitztem Chorgestühl – über jedem Sitz ist ein anderes Motiv aus diesem Holz herausgearbeitet. Diese mühevolle Arbeit die hier geleistet wurde ist unnachahmlich. Die Bögen über den Sitzen sind mit Ornamenten verziert, die sich in den Abgrenzungen der einzelnen Stühle fortsetzen. Es gibt Wappenbilder, Bilder von einer Burg oder nur Ornamente, aber alles ist bis aufs feinste ausgearbeitet. Die Sitze dagegen sehr schmal.
Das hervorstechendste Objekt ist die bronzene Grabplatte von Herzog Rudolf von Schwaben… der 1080 als Gegenkönig Heinrichs IV. fiel. Seine Grabplatte wurde Ende des 11. Jahrhunderts geschaffen. Herzog Rudolf verlor bei einem Kampf seine Hand, die auch in diesem Dom aufbewahrt wird (bzw. eine Nachbildung)

In der Merseburger Fürstengruft ist eine Tafel angebracht auf der man die Stammtafel der Sekundogenitur Sachsen-Merseburg von 1657-1738 ersehen kann. Die Daten sind bis zum Februar 1700 nach dem alten, julianischen Kalender, die Daten ab März 1700 nach dem neuen gregorianischen Kalender aufgeführt. Ebenso ist die Sargaufstellung bekannt gegeben
Man kann durch ein Fenster einige der Särge in der Gruft anschauen – sie sind auch sehr reich verziert mit Figuren, Arabesken und Blumen.

In der Südklausur liegen biblische reich bebilderte Bücher aus. Eigentlich war es verboten hier Bilder zu machen, aber ich habe trotzdem einige Buchseiten fotografiert.
Z.B,. Sakramentar mit Kalender. Die Handschrift zählt zu den kostbarsten Memorialzeugnissen der Ottonenzeit und ist eng mit Bischof Thietmar verbunden. Dieser schrieb eigenhändig um den Schaft des T die Bitte an seinen Nachfolger, dass diese ihm, des armen Sünders Thietmar, gedenken sollten.
Wahrscheinlich schenkte Heinrich II. das in St. Gallen entstandene Sakramentar im frühen 11. Jahrhundert dem wieder errichteten Bistum Merseburg. Hier wurde das Kalendas um die Namen von über 700 Toten ergänzt, denen gedacht werden sollte. Ein Großteil der personen stammt aus dem Umfeld von Thietmar oder gehörte zu den Großen des Ottonischen Reiches.
Hier ist auch die abgeschlagene Hand des Herzogs Rudolf von Schwaben als segnende Hand ausgestellt.

Ein weiteres Schriftstück „Lektionar und Schatzverzeichnis“ enthält Teile eines Lektionars mit Abschnitten des Apostelbriefes, Evangelien und Predigten der Kirchenväter, welche während der Messe verlesen wurden. Weiterhin finden sich verschiedene Schatzverzeichnisse aus dem 11. und 12. Jhd. Der Kodex weist u.a. reich verzierte Initialen in Purpur und Gold auf, von denen jedoch nur noch wenige erhalten sind, da ein Großteil herausgeschnitten wurde.

Ebenso liegen in der Krypta hinter Glas die berühmten Merseburger Zaubersprüche aus.
Diese Zaubersprüche sind in der Handschrift Nr. 136 d3er Merseburger Domstiftsbibliothek überliefert, einer Sammelhandschrift mit 5 Teilen:
Teil 1: Texte zum Taufritual
Teil 2: biblische Cantica, verschiedene Titel des Capitulare Monasticum, Briefabschriften
Teil 3: Messformulare und Gebete, die allesamt aus dem Fuldaer Sakrament stammen

Teil 4 und 5 konnte ich leider nicht mehr ablichten.
Und auch für das Kapitelhaus mit den Ausstellungsräumen, Domstiftsarchiv und -bibliothek konnten wir uns keine Zeit mehr nehmen.

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