Ruhe im Puff, der Egon muss druff.....

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Ruhe im Puff, der Egon muss druff.....

Beitrag von Johanna » Freitag 22. Mai 2020, 14:13

Ruhe im Puff – der Egon muss druff…..

Vatertag und wir sind unterwegs nach Fladungen zum Freilichtmuseum.
Wir haben es zwar schon einmal besucht und uns in Eile fast alles angeschaut, aber das Wetter ist ausgezeichnet und es bietet sich an, diesen Tag in der Natur zu verbringen. Ausserdem kann man sich alles noch einmal anschauen wofür beim ersten Mal nicht genug Zeit übrig war. Und da gibt es einiges….

Corona treibt seltsame Blüten, denn im Park sah ich Niemanden mit einer Maske herumlaufen. Wie sollte das auch gehen wenn man zu den „Futterstellen“ kommt, einen Kaffee trinken oder ein Stück Kuchen essen will.

Als wir an einem Feld vorbei kamen an dem in kleinen Abständen alle möglichen Getreidesorten gesäet waren, schauten wir uns alles etwas genauer an
es gab Weizen – klar das ist allen bekannt und man weiss, dass Weizen für Kuchen, Brötchen und auch Brot überwiegend verarbeitet wird
Haferarten sind Rispengräser, wird vorwiegend als Viehfutter verwendet, aber auch teilweise als Haferflocken verarbeitet
Dinkel ist gesund und enthält mehr und höherwertiges Eiweiß, mehr Vitamine und Mineralstoffe. Auch punktet Dinkel mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen und ungesättigten Fettsäuren. Dinkel wird zu einem grossen Teil für die Herstellung von Brot verwendet.
Emmer gehört zu den ältesten kultivierten Getreidearten. Sein Ursprung liegt im nahen Osten, wo er seit mindestens 10.000 Jahren angebaut wird.
Aus den vielen Getreidesorten wird auch Griess hergestellt.
Die Futterrübe oder Runkelrübe ist eng mit der Zuckerrübe verwandt. Die Blätter der Runkelrübe können wie Spinat oder Mangold zubereitet werden.
Bleibt noch der Roggen, der auch hier angebaut und mit Erklärungen versehen wurde. Waldstaudenroggen, auch Waldstaudekorn, Waldstaude, Urroggen oder Johannisroggen genannt, ist nichts anderes als eine überjährige Form des Roggens. Das bedeutet, dass das junge Getreidegras im Herbst beweidet oder gemäht und erst im Folgejahr als Korn beerntet wird.

Wir kamen an einem Schulhaus vorbei – es reizt mich immer wieder die für mich bekannten Tische und Einrichtungen von ehemaligen Schulklassenräumen zu sehen, erinnern sie mich doch auch an meine ersten Schuljahre. Die Bänke mit den herunterklappbaren halben Tischflächen um ein Schreiben erst möglich zu machen – die eingearbeiteten Tintenfässer in den Bänken. Die Tafel oder aber auch der Kanonenofen der im Winter mit Holz beheizt werden musste. Das Rechengerät mit den zweifarbigen Kugeln (für die Anfänger) auch Abakus genannt stand in überdimensionaler Grösse vor den Schulbänken. Und eine Leinwand war aufgezogen auf der in Deutscher Schreibschrift (um 1900) die einzelnen Buchstaben des Alphabets standen. Auch diese Schriftart haben wir noch in der Schule gelernt.

Das Backhaus – klein, sehr beengt, vor dem Feuerloch lag bereits ein kleiner Reisighaufen – zum Monatswechsel wird hier gebacken. Allerdings haben hier kaum mehr als 2 Personen Platz.

Der Büttner – ein sehr informatives Haus. Die Geschichte der Familie Hofmann aus Sulzthal wurde hier nicht nur anhand von Gegenständen sondern auch durch einen Film dokumentiert. Dieser Film wurde ebenfalls mit Taubstummengebärden dokumentiert und erklärt. Die einzelnen Geräte waren für Blinde und Sehbehinderte mit erhabenen Buchstaben auf Tafeln bezeichnet.

Ab 1866 hatte Bonifaz Hofmann neben der Landwirtschaft eine kleine Fassmacher-Werkstatt. Sein Sohn Kilian übernahm den väterlichen Betrieb und schaffte die ersten elektrischen Maschinen an. Wie z.B. die Bandsäge. 1922 verlegte er die Büttnerei in das ehemalige Fasslager, welches er im Jahr zuvor gekauft und umgebaut hatte.
1937 übernahm Albert Hofmann von seinem Vater Kilian den Betrieb und führte diesen zunächst nur wenige Jahre. Im zweiten Weltkrieg war Albert Soldat und geriet in Gefangenschaft. Erst 1948 konnte er die Arbeit wieder aufnehmen.
In den 50-er Jahren boomte das Geschäft und man konnte weitere Maschinen anschaffen. Die Produktpalette war vielfältig. In der Hauptsache fertigte er Wein- und Bierfässer, ausserdem Haushaltswaren wie Butterfässer, Schöpfkübel oder Kinderbadewannen an. Spezielle Gegenstände wie Tröge für die Hausschlachtung, die Brühstücht heissen. Daneben führte Albert Reparaturen aus. Im Laufe der Zeit liessen sich Holzgefässe aber immer schlechter verkaufen. Vieles war dann aus Plastik und billiger.
Nach seinem Tod nutzte der Schwiegersohn die Werkstatt und stellte als Hobby-Büttner vor allem Blumenkübel her.
Gezeigt wurde in einem Film das Aufschichten der Dauben – das Abtragen und Verarbeiten mit Fräsen. Allein das Aufstellen der Dauben war eine Arbeit die man genau ausführen musste. Die Daubentürme standen dann so lange zum trocknen bis das Holz nicht mehr „schrumpfte“. Nach dem Abtragen der einzelnen Dauben waren die weiteren Arbeiten das Fräsen und die aufgestellten Dauben mit Fassreifen und Schraubzwingen in Form zu bringen. Das setzte vorher ein Berechnen der Daubenmenge voraus, ebenfalls wurden mit Zirkel und Maß die Rundungen der Böden und Deckel (mit Schilf) berechnet. Durch Feuerkörbe innerhalb der aufgestellten Dauben und Befeuchten des Holzes von aussen wurden die Dauben weiter gebogen und mit weiteren Fassreifen durch Anziehen des Fasszuges in Form gebracht. Allein das Anschlagen der Fassreifen erforderte nicht nur Kraft sondern auch Geschick. Das ausgestellte Drehbutterfass mit der Kurbel war ein richtiges Schmuckstück und zeigte auch die künstlerische Seite eines Büttners.

Der Holzschuhmacher lebte und arbeitete in einem kleinen Haus, in welchem er obendrein noch eine kleine Vogelzucht unterhielt. Die Wände sahen aus wie tapeziert, die Muster waren aber sehr gleichmässig aufgemalt. Der Ofen hatte auf seinen Türen und den Platten wunderschöne Bildmotive.
In einem offenen Stall tschilpte ein Vogel lauthals und flatterte aufgeregt auf einem Holzbalken vor unserer Nase hin und her. Wir waren seinem Gelege mit den jungen Küken zu nahe gekommen und der Altvogel versuchte uns davon abzulenken. Die Jungen verhielten sich nach einer Weile mucksmäuschenstill.

Für Kinder lagen Rätsel aus, die Lösungen fanden sie in Haus und Hof.

Im Gemeindebrauhaus stand ein Gestell mit Glasröhren in die man Marken hineinwerfen konnte. Das erste Röhrchen besagte „Wie Bier hergestellt wird, finde ich spannend“ das zweite „Betrunkene Menschen sind nervig“ - das Nächste Röhrchen war beschriftet mit „ich trinke keinen Alkohol“ und weiter: „Bierbauch? Total unsexy“ usw.

Hier wurde das Anstellen & Gären beschrieben. Vom Kühlschiff wird der Sud in die offenen hölzernen Gärbottiche gelassen. Hier wird die Hefe zugegeben (angestellt) und diese bewirkt dass der Zucker in der Würze innerhalb von fünf bis acht Tagen in Alkohol umgewandelt wird (vergärt)
Das daraus entstandene Jungbier wird nun aus den Gärbottichen in die Lagerfässer gepumpt in welchen das Bier nochmal nachgären kann. Je nach Biersorte dauert dies zwei Wochen bis drei Monate. Das naturtrübe Museumsbier wird heute nicht mehr in hölzerne Bottiche und Fässer gepumpt sondern in Edelstahltanks gelagert.

Bei unserer Ankunft erhielten wir ein Schild welches wir bei einem Besuch eines Hauses an die Tür hängen sollten: Haus ist voll – bitte warten! Aufforderung zum Tanz? Ruhe im Puff…...

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