Zeit war schon immer da.
Aber sie wahrzunehmen, einzuteilen und zu zählen – das ist ein Werk des Menschen.
Alles beginnt mit dem Blick zum Himmel.
Als einer der ersten schreibt der griechische Astronom Hipparchos vor über 2000 Jahren die Sterne auf Karten nieder und vermisst den Himmel mit einer für seine Zeit atemberaubenden Genauigkeit. Damit legt er die Grundlage für die Zeitmessung, wie wir sie heute kennen.
Da wir bei unserem letzten Besuch wirklich nicht alles aus Zeitmangel anschauen konnten, habe ich mein mir gegebenes Versprechen wahr gemacht. Wir fuhren noch einmal nach Dresden und nach Glashütte um versäumtes nach zu holen.
Im Eingangsbereich stand die Kunstuhr von Hermann Goertz und dieses Mal sah ich genauer hin.
Hermann Goertz wurde 1862 in Westpreussen geboren und wanderte mit der Familie 1871 ins russische Zarenreich aus. Dort erlernte er den Beruf des Stellmachers und Zimmermanns. Später erlernt er in Berdjansk im Geschäft seines Schwiegervaters den Beruf des Uhrmachers. Er bleibt 16 Jahre in dieser Stadt und hier beginnt er auch den Bau seiner astronomischen Uhr.
Um 1900 ist Goertz in seinem Beruf sehr erfolgreich , Familienvater, in Sprachen gut geschult und weit gereist. Er übernimmt in Charkow ein Uhrengeschäft 1918 wird ihm durch die russische Revolution alles weg genommen, er schlägt sich nach Kiew durch, von seiner Familie ist nichts weiter bekannt.
Von seinen Besitztümern kann er einen Brillanten retten den er in Kiew annähernd zum wahren Wert verkauft. Das Geld tauscht er in Reichsmark und später in Golddollar um.Damit reist er nach Deutschland.
Ausserdem kann Goertz das über die Jahre vervollkommnete Werk mit den klassischen Uhrzeitfunktionen und dem ewigen Kalender retten und nimmt diese Teile auf seiner Flucht mit sich, als er die Heimat verlässt.
Er kommt nach Glashütte besucht dort die Schule. Mit 56 Jahren ist Goertz der älteste Schüler den die Lehranstalt jemals hatte.
Nach Verlassen der Schule arbeitet er ab 1922 in der „Glashütter Schreibmaschine“, anschliessend in der Pendeluhrenabteilung. Er baut Präzisionspendeluhren die selbst in einer Woche nur um Zehntelsekunden differieren.
In Glashütte entwickelt Goertz die komplizierte Mechanik für die astronomischen Anzeigen seiner „Kunstuhr“ Hier entsteht auch die endgültige Fassung des imposanten Ziffernblattes. Hier lässt Goertz in der Kunsttischlerei das Gehäuse nach eigenen Entwürfen fertigen.
Goertz baut weiter an seinem Lebenswerk – in 3 Städten und zwei Ländern – bis er nach 33 Jahren Bauzeit seine aussergewöhnliche astronomische Uhr vollendet hat. Er bleibt weiterhin in Glashütte, erleidet einen Schlaganfall und stirbt 1944 in einem Pflegeheim in Aue.
Bei dieser Uhr sind mehrere Anzeigen, Wochentag, Monat, Jahr, Mondaufgang und Untergang, Sonnenaufgang und Untergang, Stunde, Minute und Sekunde ablesbar.
In einer Anzeige wird der Wochentag angegeben und der kleine Zeiger zeigt an wie viele Tage seit dem letzten Aufziehen des Schlagwerks vergangen sind – der Antrieb erfolgt durch ein 20 Kilo schweres Gewicht. Die Gangdauer beträgt 32 Tage.
Im nächsten Zeitkreis zeigt der grosse Zeiger den Tag des jeweiligen Monats an auf dem gleichen Zifferblatt ist eine weitere Teilung angebracht, die 4 mal die Ziffer 1 bis 4 zeigt. Mit Hilfe des silbernen Zeigers kann abgelesen werden wie viele Jahre seit dem letzten Schaltjahr vergangen sind.
Am nächsten „Zeitkreis“ ist vom grösseren Zeiger der Monat ablesbar. Die unterschiedlichen Monatslängen 28,29,30 oder 31 Tage werden von der Uhr selbständig geschaltet. Der kleinere Zeiger gibt an wie viele Tage seit dem letzten Aufziehen des Gehwerks vergangen sind, Der Antrieb erfolgt durch ein 12 Kilo schweres Gewicht. Die Gangdauer beträgt ebenfalls 32 Tage.
Das als Kreisring gestaltete Hauptzifferblatt trägt die Stunden- und Minuten-teilung. Die Stunden 1 bis 12 sind als römische und die Stunden 13 bis 24 als arabische Zahlen dargestellt. Das Ablesen der Minuten geschieht vom grösseren Zeiger.
Sekunden und Äquation
am langen schmalen zeiger werden die Sekunden abgelesen. Der kürzere Zeiger gibt die Äquation bzw. Zeitgleichung für Glashütte an. Die Zeitgleichung ist der Zeitunterschied zwischen der nittleren und der wahren Sonnenzeit (von einer Sonnenuhr angezeigte Zeit).
Die Anzeige der Mondphase wurde ursprünglich nur mit einer Scheibe gestaltet. Hermann Goertz favorisiert schon kurz nach der Fertigstellung der Uhr eine Darstellung mittels einer Kugel, die er leider nicht mehr verwirklichen kann. Bei der Generalüberholung der Uhr im Jahr 1956 wird die Scheibe durch eine rotierende Kugel ersetzt.
Die Sonne bewegt sich auf ihrem Zeiger in 24 Stunden einmal über das Ziffernblatt in mittlerer Sonnenzeit. Die zwei breiten Zeiger geben den jeweiligen Zeitpunkt des Sonnenauf- und -untergangs für Glashütte in mittlerer Ortszeit an. Damit ist es möglich die Länge des hellen aktuellen Tages oberhalb der beiden Zeiger zu ermitteln.
Die blaue Sternenhimmelscheibe läuft in Sternzeit. Im oberen ovalen Ausschnitt wird der aktuelle Sternenhimmel über Glashütte gezeigt. Der Zeiger mit dem Sonnensymbol steht über dem aktuellen Tierkreiszeichen und der Jahreszeit. Er bewegt sich in Sonnenzeit. Der silberne Zeiger gibt die Sternzeit an und dreht sich entgegen dem Uhrzeigersinn.
Der grosse Zeiger mit dem Mondsymbol zeigt den Mondlauf an. Der mittlere Zeitpunkt des Mondaufgangs kann aus dem angezeigten Wert und dem aktuellen Stand der Sonne berechnet werden. Das am kleinen Zeiger ablesbare Mondalter, welches durch die unterschiedlichen Lichtgestalten des Mondes sichtbar wird, zeigt die Zeit in Tagen, die seit dem letzten Neumond (nicht sichtbarer Mond) vergangen ist. Der Abstand zwischen zwei Neu- oder Vollmonden beträgt 29.53 Tage.
Wir trafen einen Vater, der mit seinen 2 Söhnen aus Göttingen angereist war um dieses Uhrenmuseum zu besuchen. Er hatte selbst eine sehr alte Uhr von seinem Vater in jungen Jahren geschenkt bekommen und die Begeisterung die dieser Mann für alte Uhren hatte merkte man ihm und seinen Söhnen auch an. Die Uhren welche den höchsten Wiederverkaufswert hatten waren allerdings Rolex und nicht die Glashütter.
die Zeit
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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