Teil 2 fränkisches Freilandmuseum

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
Antworten
Benutzeravatar
Johanna
Beiträge: 4470
Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
Wohnort: Nordhessen

Teil 2 fränkisches Freilandmuseum

Beitrag von Johanna »

Teil 2 des fränkischen Freilandmuseums.

In einem Museumsähnlichen Bau waren u.a. Werkzeuge der Eisenzeit ausgestellt.
Der Holzbau der frühen Eisenzeit beruhte noch auf den Traditionen der vorhergehenden vier Jahrtausende, später kamen völlig neue Werkzeuge in Gebrauch wie Bohrer und Säge.

Eingeführt wurden diese Geräte durch Kontakte zum Mittelmeerraum und vor allem durch die Römer in den Jahrhunderten vor Christi Geburt.
Ausgestellte Werkzeuge waren Löffelbohrer und ein Beil.

Das erste goldene Zeitalter begann mit der Gewinnung neuer Rohstoffe wie etwa Kupfer, Zinn und Salz. Dies vermehrte die technischen Kenntnisse und den Reichtum, welches zu einer starken gesellschaftlichen Gliederung führte.

Um 2200 v. Chr waren in Mitteleuropa manche jungsteinzeitlichen Bevölkerungsgruppen bereits lange mit der Kupfermetallurgie vertraut. Schmuckstücke, Waffen, Werkzeuge wurden anfangs aus Kupfer, später aus Bronze gefertigt.

Auch die Geisteswelt dieser Zeit spiegelte sich in der Art und Weise wie man die Toten beisetzte.
Zu Beginn noch in einfachen Erdgräbern, später unter Grabhügeln und schliesslich wurden sie verbrannt. Schmuckstücke bronzene wie goldene wurden in grossem Umfang vergraben, versenkt oder versteckt.

Die Befestigungsanlage auf dem Bullenheimer Berg gehört zu den Zeugenbergen des Steigerwaldes. Eine genaue Beschreibung wurde auf Tafeln den Besuchern nahe gebracht.
Die Werkzeuge die in der Jungsteinzeit gebräuchlich waren sah man hinter Glas, z.B. einen Knochenbeitel für Feinarbeiten. Hier war ein spitzer Knochen an einem gröberen Knochen (z.B. Oberarm) mit einer festen „Kordel“ befestigt, ein Dechsel sah ähnlich aus wie eine heutige Axt und ein Miniaturdechsel erinnerte ebenfalls an ein spitzes Hau und Hackgerät – der Breitkeil war ein Stein in welchem durch ein Loch ein langer, dicker Ast geschoben wurde. Und der Hausbau war nicht nur beschrieben sondern auch ein Dach und eine Wand aufgebaut.

Anfangs wurden die Langhäuser mit massiven Holzpfosten und ausgefachten Wänden errichtet. Ab dem 4. Jahrtausend waren die Häuser dann wesentlich kleiner.
Aus Seen und Feuchtgebieten des Alpenvorlandes stammen gut erhaltene jungneolithische Gebäudereste des 4. Jahrtausends v. Chr mit fundamentierten Hauptfeuerstellen. Die Flechtwerkwände waren mit Lehm beworfen und konnten auch bemalt sein. Aus dem bayerischen Endneolithikum haben sich nur wenige Häuser in Resten erhalten.

Es wurde auf Plakaten eine Forscherreise in ein mittelalterliches Bauernhaus gezeigt. Für Kinder war diese „Reise“ aufgebaut mit Beispielen aus der Tierwelt. Ausserdem wurden alte Rezepte veröffentlicht und die Gefässe der Vorratshaltung aus dieser Zeit gezeigt.

Dinkel leicht geschrotet sowie Gewürze wie Anis, Brotgewürz, Kümmel, etwas Salz 1 Liter Milch und ½ Liter Wasser wurden aufgelistet, und die Fertigung beschrieben: Milch und Wasser zum kochen bringen, Dinkel Salz Brotgewürz dazu gegeben, 20 Minuten kochen lassen und stehen lassen. Nach dem abkühlen wird Mehl und Griess dazu gegeben, ein dünner Fladen geformt und diese dünnen Fladen werden dann auf heissen Steinen (unter denen ein Feuer brennt) ausgebacken. Nach einigen Minuten wird der Fladen gewendet.

Ebenfalls wurden Beleuchtungsmittel gezeigt und für Kinder leicht erklärt – der Docht als Qualitätsmerkmal für Kerzen, Tierfett und Pflanzenöl gehörten zu den ältesten Beleuchtungsmitteln der Menschen. Bereits in der Steinzeit war dem Menschen die Brennbarkeit von Fett bewusst und wurde auch gezielt eingesetzt. Der Kienspan wurde angesprochen, genauso wie Bienenwachs, Talg und Stearin.
In einer nächsten Abteilung kam dann die neuere Beleuchtung – am Anfang war das Feuer! Es wurde Feuerstein und Zunder erklärt – die Zündhölzer – Schwefelhölzer erleichterten das Feuermachen deutlich. Allerdings verbreiteten sich diese aber wohl erst im 18. Jahrhundert flächendeckend, obwohl Schwefelhölzer bereits in der Antike bekannt waren.

Die Gasbeleuchtung und die Herstellung aus Steinkohle wurde beschrieben bis zum Blitz in der Glaskugel. Mit der Bogenlampe kam die erste elektrische Lampe auf den Markt. Und später kamen Fäden unter Strom: die Glühlampe.

Ab den 1880ern leisteten sich Theater und gehobene Hotels bereits das repräsentative Glühlicht. Berlin war Vorreiter in Deutschland bei der Elektrifizierung. Allerdings ging das dort auch sehr langsam voran und 1920 war bei weitem noch nicht jeder Haushalt angeschlossen.

Interessant fand ich die Darstellung von Dr. Arons Quecksilber-Dampflampe. Die allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin brachte hier ein Datenblatt für eine frühe Quecksilberdampflampe von 1907 heraus.

Gasentladungslampen zählen auch zu den elektrischen Lampen. In einer Glasröhre befindet sich ein Gas- oder Metalldampfgemisch, An den beiden Enden der Röhre sind Elektroden angebracht. Setzt man diese unter Strom bringt der Strom das Gemisch in der Röhre zum Leuchten. Jedes Glas erzeugt ein bestimmtes Lichtspektrum, daher leuchten die Lampen in unterschiedlichen Farben.

Zum Schluss wurde die LED vorgestellt: leuchtende Kristalle.

Ein interessanter Gang durch die Geschichte der Beleuchtung – angefangen vom Feuer bis zur Leuchtdiode. Diese winzigen Elektrochips aus Halbleiterkristallen , die durch Strom zum Leuchten gebracht werden.

Diese Zeitreise von Dorf zu Dorf kann man nicht innerhalb von einigen Stunden machen, wir hatten allerdings nicht so viel Zeit. Einen kurzen Nieselregen liessen wir gut geschützt in einem Gasthaus bei fränkischem Braten mit Klössen und Kraut vorübergehen.

Auch den Kurpark von Bad Windsheim das Kongreßzentrum besuchten wir nicht – meine Erinnerungen an die Schulwege, den alten Bahnhof an dem mich meine Oma fast jeden Tag als Fahrschülerin „besuchte“ möchte ich ohne die Neuerungen behalten.
Denn als ich das letzte Mal mit meinem zweiten Mann vor ca. 45 Jahren kurz durch diesen Ort fuhr war ich vom Anblick der Fussgängerbrücke über den Bahnhof doch etwas schockiert. Bonbonrosa war diese alte Holz-/Eisenbrücke damals gestrichen.

Für mich war diese Fahrt eine Erinnerungsreise an meine abwechslungsreiche und umzugsreiche Kindheit. Auch wenn ich nicht alle Wege gehen/fahren konnte gab es mir doch einen teilweisen Einblick in die Veränderungen der wir alle unterworfen sind.
Antworten

Zurück zu „ReiseBerichte“