Scheisse schwimmt immer oben.....

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Scheisse schwimmt immer oben.....

Beitrag von Johanna »

.....nach Perlen muss man tauchen…...

Sonntag, verregnet – trotzdem hatten wir uns etwas vorgenommen. Im Volkshochschulenheft des Schwalm-Eder-Kreises war ein interessanter Vortrag über ein Strohhaus angekündigt mit anschliessender Besichtigung. Allerdings war die Zeit ziemlich spät – von 17 bis 20 Uhr – also würde es ein ziemlich langer Tag werden. Die Fahrt nach Bad Zwesten ungefähr 1,5 bis 2 Stunden – zurück ebenso.
Wir suchten uns in Borken eine Sehenswürdigkeit heraus, die wir interessant fanden und fuhren vormittag los. In Borken das Hessiche Bergbaumuseum – ausgezeichnet mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen wollten wir uns ansehen. Jacken, Regenschirm, festes Schuhwerk, wir hatten an alles gedacht.
Es wurde versprochen, dass die Museumslandschaft Einblicke in die Gewinnung des Rohstoffes Braunkohle gewährt. Ausserdem werden Fragen aufgeworfen wie die Bergbaufolgelandschaft nach Nutzung später aussieht. Im Internet versuchte ich uns anzumelden. Fehlanzeige: Nur ab 15 Personen wäre eine Anmeldung möglich. Wir sind aber nur zwei Personen, woher sollen wir 13 Geister nehmen? Trotzdem wir wollen es wagen. Nach Ankunft die erste Enttäuschung – Museum? Ein Raum der bereits der Öffentlichkeit zugänglich war, im Vorraum Schaukästen mit Artikeln, die auch im Shop angeboten werden. Rechter Hand der Eingang zu einem Restaurant – Klasse, es ist Mittagszeit, jetzt ein Imbiss wäre nicht zu verachten. Wir fragen nach einem Platz für zwei Personen und bekommen ziemlich barsch die Gegenfrage: Gehören Sie zu einer Gruppe? Natürlich nicht – wir sind eine Gruppe mit 2 Personen. Dann wäre das nicht möglich! Haben Sie sich angemeldet? Nein haben wir nicht, weil das nicht geht – wir wären ja keine 15 Personen. Ziemlich abweisend: Also, Nein das geht gar nicht, nicht angemeldet – die Essen wäre abgezählt – da gäbe es kein Essen mehr. Sehr unfreundlich, nicht sehr Kunden-orientiert und von Service wollen wir gar nicht reden! Für uns ein Grund dass wir uns umgehend auf dem Absatz umdrehten und diesen ungastlichen Ort verliessen.
Wir fuhren nach Borken suchten uns eine Gaststätte und fanden einen Griechen. Eine excellente Speisekarte, sehr moderate Preise und als ich die bestellten Teller auf uns zukommen sah, wurde mir Angst und bange. Wer sollte solche Mengen verputzen? Tsatziki, Gyros, Salat – genannt Bauernteller mit vielen Pommes. Uwe hatte auch Gyros mit Tzatziki und Salat – wieso das eine Bauernteller hiess, das andere nicht erschloss sich mir nicht, auch die Menge an Fritten war gleich. Uwe musste sich opfern, ich schaffte nicht einmal die Hälfte, obwohl ich nur Fleisch mit Tzatziki und Salat ass und alles andere obendrein unbeachtet liess. Auch Salat, ein Stück Käse, Fleisch war für Uwe übrig, so dass auch er an seine Grenzen kam.
Beim Bezahlen fragten wir den Wirt nach einem Bergbaumuseum und er wies uns den Weg zu einem Untertagebau für Braunkohle. Es war nicht weit, trotzdem fuhr Uwe mit dem Auto bis vor den Eingang.
Dies war ein nach gebautes Bergwerk für Braunkohle und zum 30. Jahrestag des Grubenunglücks Stolzenbach wird hier der Männer gedacht, die damals ihr Leben liessen.
Dieses Bergwerk ist in zwei Kellern nach gebaut worden, denn Stolzenbach wird als Gedenkstätte nicht mehr betreten. Die verheerende Kohlenstaubexplosion forderte 51 Todesopfer, acht Personen wurden schwer verletzt. Nur sechs Bergleute überlebten diese Kathastrophe und konnten gerettet werden. Beim Eintritt in das Gebäude sah man eine Figur der heiligen Barbara – der Schutzpatronin der Bergleute. Nach der Einführung in die Geschichte des Braunkohlebergbaus konnte man die verschiedenen Geleuchte (Lampen) oder die Gezähe des Bergmanns sehen. Jeder Bergmann hatte sein eigenes Gezäh (Werkzeug), welches nach Abschluß der Arbeit mit einer Vorrichtung zusammengehalten und verschlossen wurde. Die meisten Werkzeuge waren mit einer Nummer versehen, so dass man jedem einzelnen das Werkzeug auch zuordnen konnte. Ebenso hatte jeder Bergmann auch eine Lebensrettungskapsel bei sich, Sauerstoff der u.U. dringend benötigt wurde. Die Erste-Hilfe-Rucksäcke waren verschieden groß – auch unterschiedliche Helme waren ausgestellt. Der Ort an welchem die Steiger und auch die Hauer sitzen konnten, war eng – klein. Die „Sirene“ mit den unterschiedlichen Signalen wurde vorgeführt. Demonstriert wurde auch der Lärmpegel einzelner Maschinen – Bohrer, Abraumräder. Gezeigt wurden dann grosse Maschinen, die später eingesetzt wurden um die Braunkohle abzubauen. Förderbänder, auf denen die Männer nach Abschluss ihrer Schicht bis zum Ende fahren konnten. Jeder Mann hatte eine bestimmte Anzahl von Loren zu befüllen – Es gab eine „Herzschaufel“, die so genannt wurde, weil man mit dieser die Kohle so über die Schulter in die Lore beförderte, dass sie über die linke Seite – die Herzseite – geworfen wurde. Zuerst wurden die Loren geschoben oder auch von kleinen Grubenpferden gezogen, später kamen dann Schienen, auf welchen diese Loren etwas leichter zu bewegen waren. Dass es auch Katzen unter Tage gab, war mir neu. Die Stützen waren nicht nur aus Holzbalken, sondern auch aus Eisen. Aus Holz nur dort wo man den Stollen schnell wieder rückbauen konnte.
Die Grube Stolzenbach ist heute ein Denkmal – sie wurde nach dem Unglück nicht mehr reaktiviert.
Nach dem Besuch dieses Nachbaus – Museums – machten wir uns auf um den eigentlichen Grund unserer Fahrt anzupeilen.
Wir tranken erst in einer Wirtschaft einen Kaffee, dann schauten wir uns eine „Kunstausstellung“ an, klein und nicht besonders originell. Wir sahen, dass ausser uns noch ein Zimmermann, ein jüngeres Paar sowie ein älteres Paar vor der angekündigten Adresse standen. Auch Besucher, die sich den Vortrag anhören und anschließend das Strohhaus besichtigen wollten. Einer der Herren läutete…..die Tür wurde geöffnet und fragende Augen schauten uns an. Wir fragten nach dem Vortrag, der ja hier stattfinden sollte und erhielten die Auskunft, dass dieser Vortrag angeblich abgesagt wurde. Im Internet war auf der Seite der VHS Schwalm-Eder-Kreis davon aber nichts zu lesen. Enttäuschung machte sich breit und ich war wütend!
Uwe meinte nur: „Scheisse schwimmt eben immer oben! Nach Perlen muss man tauchen“ - aber ich merkte deutlich, dass er sich auch sehr geärgert hat. Da bringt eine VHS ein Heft mit ganz tollen Programmen heraus und das erste an welchem man teilnehmen will fällt aus – ohne irgendeine Information.
Nun machen konnten wir nichts, also löste sich alles auf und jeder trat die Heimfahrt an. Doch als ich zu Hause ankam habe ich meinem Ärger mit einer Mail an die VHS Luft gemacht – sonst wäre ich geplatzt!
…...Sie haben in Ihrem VHS Heft weitere interessante Angebote, die sich wohltuend von anderen VHS-Angeboten abheben. Aber wir werden uns trotzdem sehr genau überlegen müssen, ob wir den Zusagen für weitere Kurse und Vorträge in Ihrem Heft Glauben schenken können, wenn Sie bei einem einzigen Vortrag keine Information wegen Ausfall veröffentlichen, so gut Ihr Angebot auch sein mag.

Ob ich allerdings eine Antwort bekomme – das bezweifle ich, denn wer nicht einmal eine Information weitergeben kann, der wird sich mit Beschwerden kaum abgeben – so meine Einschätzung
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