So wurden wir bei der Einfahrt vom Kontrolleur gefragt, als wir in das Firmengelände am Karrieretag einfahren wollten. Meine Antwort war:“Ja“
Der Mann schaute etwas konsterniert – meine weissen Haare, mein Alter und dann Karriere in dieser Firma? Und Uwe ist ja auch nicht gerade im Alter von Auszubildenden.
Aber wir wollten uns die ebenfalls angekündigte Firmenbesichtigung auf keinen Fall entgehen lassen.
Pollmeier ist eine sehr grosse Firma. Die Zentrale, das Furnierschichtholzwerk und das Stammwerk der Pollmeier Sägewerke liegen vor den Toren der mittelalterlichen Stadt Creuzburg in Thüringen auf einem 45 ha großen Firmengelände. Ein grosser Park dieser Firma ist auch der Öffentlichkeit zugänglich. Von der Strasse aus kann man die immensen Ausmaße der Firma nicht einsehen.
Wir stellten das Auto ab und liefen an einer sehr langen Halle entlang bis zum Eingang der Verwaltung. Hier wurden wir sofort von der Personalleitung begrüsst. Ein Informationstag für zukünftige Auszubildende, Arbeitnehmer die in diese Firma wechseln wollen – sei es in der kaufmännischen Variante oder aber im Werk. Alle möglichen Arbeitsstellen wurden detailliert beschrieben und angeboten. Die Firma will wachsen und sucht u.a. weitere Mitarbeiter.
Zuerst schauten wir uns bei den Produkten um, bei den innovativen Ideen, was man mit Baubuche alles herstellen kann. Ein Parkhaus in Miniaturausgabe und die Fotos von dem realen Gebäude. Ein Tisch, Bank, Hocker aus dem gefertigten Material. Ein ganz besonderer Werkstoff der hier aus Holz gefertigt wird – geschält, verleimt, für hohe Stabilität. Einige Muster die Dicke und Grösse zeigten.
An einer Wand ein Regal mit Mustern, was man in Baumstämmen „gefunden“ hat. Hier ist besonders die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter gefragt, denn wenn z.B. ein metallener Gegenstand wie Hufeisen oder Bombensplitterreste im Baum enthalten sind, kann man dies nicht nur durch äusseres betrachten sehen. Und jeder Fremdkörper würde die Qualität zunichte machen.
Besonders die Südländer würden auf die kleinsten Einschlüsse bzw. Fehler achten, nicht nur deswegen ist absolut genaues Arbeiten sehr wichtig.
In einer Ecke der Eingangshalle war ein Tisch für das Kinderschminken aufgebaut. Im Hintergrund war die Kantinentheke zu sehen, Tische und Stühle waren aufgebaut, sowie weitere Informationstafeln.
Jede halbe Stunde wurde eine Führung durch eine der riesigen Fertigungshallen durchgeführt und wir schlossen uns einer Gruppe an. Der Leiter dieser Gruppe war Werkstattleiter, hatte einen ziemlich schnellen Gang und wenn alle beisammen waren erläuterte er die einzelnen Arbeitsschritte, das Volumen der zu verarbeitenden Baumstämme – die Herkunft sowie weitere Einzelheiten. Buchenholz ist in Mitteleuropa gut verfügbar und besitzt eine höhere Tragfähigkeit als Nadelholz. Allerdings werden jetzt schon Tests mit Fichtenholz gestartet – ebenso sind Versuche im Gang, ob man nicht mit einem Bruchteil der Kochzeit für Holzstämme auskommen kann ohne Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen. Leider sprach der Werkstattleiter sehr leise, man musste schon sehr genau zuhören, möglichst dicht neben ihm stehen.
So erfuhren wir, dass die Holzstämme erst 80 Stunden gekocht werden müssen, bevor man sie weiter verarbeiten kann – ein sehr grosser Energieaufwand, dann werden die Holzstämme geschält. Die Kerntemperatur der Stämme muss auch später bei der weiteren Verarbeitung immer wieder kontrolliert werden, denn auch beim späteren Verleimen der einzelnen dünnen Holzplatten die abgeschält werden ist eine Temperatur von 110° erforderlich. Bei der Trocknung der dünnen Holzplatten verbleibt zum Schluss nur ein letzter Feuchtigkeitsrest von 3%.
Neben dem Sägewerk mit einer Einschnittkapazität von 325.000 Festmeter pro Jahr und dem Furnierschichtholzwerk gibt es ein Nasslager, welches 900 m lang und 100 m breit ist. Es bietet Platz für 160.000 Festmeter Buche.
Von dem Material Buchenholz wird alles verarbeitet – auch grössere Stammabschnitte – diese werden für Holzkohle genutzt – Holzspäne und mittelgrobe Stücke werden ebenfalls einer sinnvollen Verwendung zugeführt.
BauBuche ist ein Furnierschichtholz aus regionalem Buchenholz, das in einem hochtechnologisierten Verfahren hergestellt wird. Dabei werden 3 mm starke Schälfurniere faserparallel bzw. kreuzweise verklebt und zu Trägern, Platten, Paneel und Fußboden weiterverarbeitet. Die maximalen Masse die hergestellt und vertrieben werden sind Pakete von 18 m Länge und 3 m Höhe. Jede Platte wird später am Ende der Fertigung einzeln verpackt.
Dank der außergewöhnlich hohen Festigkeit und Steifigkeit ermöglicht BauBuche wesentlich schlankere Bauteile als Nadelholzwerkstoffe.
Wir gingen Treppauf und treppab und bei jeder grossen Maschine wurde der weitere Arbeitsschritt erklärt.
Die Kontrolle der einzelnen Stämme, das Bestimmen auf welches Band sie vom Kran gelegt werden wird von einem Mitarbeiter durch 5 Monitore überwacht – dieser Arbeitsplatz ist mit so viel Technik ausgestattet, dass man sich in die Kommandeutskapsel vom Raumschiff Enterprise versetzt fühlt.
Alle Hallen die wir durchliefen waren pieksauber – nichts lag herum, keine Holzspäne, kein Werkzeug. Es gab Räume für Arbeitskleidung, Werkzeug welches auch in Schränken untergebracht war – alles war bis ins Kleinste geordnet. Und wir erfuhren zum Schluss bei einem persönlichen Gespräch mit dem Werkstattleiter, dass dieser Zustand die Normalität ist und nicht extra für diesen Tag alles gesäubert wurde.
In Creuzburg sind ca 430 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma ist sehr sozial und bietet den Mitarbeitern so einiges wie z.B. täglich frisches Obst und Gemüse, aktive Gesundheitsvorsorge durch Förderung einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder auch Beteiligung an Kinderbetreuungskosten.
Zum Schluss noch einige Daten:
1988 wird die Pollmeier Leimholz AG gegründet und 1996 das Sägewerk in Creuzburg gestartet.
Wir hörten dass damals ein Startkapital von 65 Millionen erforderlich war.
Bereits 2001 wird das Vertriebsnetz in China, Polen und USA erweitert.
2007 wird in Aschaffenburg ein Pollmeier Sägewerk gegründet und dadurch wird die Firma zu einem der grössten Laubholzsägewerke weltweit.
Soso, Sie wollen also Karriere bei Pollmeier machen?
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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