Verkehrsmuseum Teil 1

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Verkehrsmuseum Teil 1

Beitrag von Johanna »

Aller Anfang ist schwer

Auf dem Weg zum nächsten Museum kamen wir an einem Diener in der Kleidung der Zeit vorbei,als August der Starke „das Sagen“ hatte.
Dieser Diener stand vor einem Gebäude und hielt ein Schild in den Händen. Er hielt es so weit auseinander dass er beide Arme ausbreitete und leicht vornüber gebeugt fast einen Diener machte. Die graue Lockenperücke sass ordentlich auf seinem Kopf, er lächelte, obwohl der Wind kalt bis eisig war. Über einem Hemd mit Chemisette Dekor trug er eine dunkle Schärpe sowie eine rote, reich verzierte Weste. Die weissen Kniestrümpfe steckten in braunen Halbschuhen mit einer goldverzierten Schliesse. Auf diesem Schild stand:

Eure Majestät August der Starke heißt Sie herzlich Willkommen
im Gewölberestaurant „Pulverturm an der Frauenkirche“.

Doch wir wollen lieber das Verkehrsmuseum besuchen und uns dort die ausgestellten Objekte ansehen.
Gleich nach dem Betreten des Museums erblickten wir hoch oben eine Art königlicher Sänfte. Doch da ich hier keinen Aufzug fand der mich dort hinauf bringen konnte schauten wir uns erst im Erdgeschoss an, was hier zusammen getragen wurde.

Kutschen , dazu die passenden Kleidungsstücke der jeweiligen Zeit. Hochräder sowie das Patent für ein Automobil.
„Aller Anfang ist schwer“ das gilt auch für den vermeintlich unproblematischen Siegeszugs des Automobils. Nach der Erfindung des Dampfwagens dauerte es noch ca 100 Jahre bis alltagstaugliche, motorgetriebene Fahrzeuge die Strassen bevölkerten.
1881 fuhr das erste Elektromobil. Dampfwagen waren zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches. Daimler und Maybach entwickelten einen kleinen leichten Verbrennungsmotor, den sie 1884 in ein Zweirad einbauten.
Benz meldete 2 Jahre später ein Patent für seinen Motorwagen an.

1887 machte Daimler mit seiner benzinbetriebenen Motorkutsche die erste Ausfahrt. Um ca 1900
war noch gar nicht abzusehen, welches Fahrzeug das Rennen machen würde: Dampfwagen, Elektromobile oder Automobile mit Verbrennungsmotor.
Ausgestellt ist ein hölzernes benzinbetriebenes Rad, mit einem kleinen Stützrad an der Seite, unter dem Sitz ein kleiner Tank. Zum Aufsteigen befindet sich ein kleines Brett vor dem Stützrad .
Eine grössere „Familienkutsche“ mit hölzernem breiten Boden sowie einem gepolsterten Sitz für zwei Personen schliesst sich an. Der Lenker ist nur eine Stange die durch eine Vorrichtung mit dem Vorderrad verbunden ist, so kann man dieses Gefährt lenken.

Der Kaufmann Stukenbrok eröffnete 1890 in Einbeck eine Fahrradhandlung . Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem kleinen Ladengeschäft ein weltweit agierendes Unternehmen. Er entwickelte als einer der ersten in Deutschland die Idee des Versandhandels – er handelte mit Fahrrädern und Einzelteilen von verschiedenen Herstellern. Er verschickte Kataloge und erweiterte sehr schnell sein Sortiment.

Ab 1928 wurde das Motorrad mit Seitenwagen beliebt. Ausgestellt ist hier eine BMW R62 mit Seitenwagen, der Eigentümer unternahm mit seiner 3-köpfigen Familie u.a. Urlaubsfahrten nach Hamburg, oder Österreich. Ein IFA-F 8 Automobil Modell einer sächsischen Firma Gläser Karosserie Dresden wird von 1949 bis 1955 als Kabrio, Limousine oder Kombi nahezu unverändert geblieben serienmässig produziert.Der ausgestellte Wagen wurde erst 1970 stillgelegt, weil sich der Besitzer zum damaligen Zeitpunkt einen Dacia 1300 kaufte.

Die Eisenbahn nimmt Fahrt auf.


Wir sahen auch hölzerne Fahrzeuge u.a. die Saxonia, eine hölzerne Lokomotive. Riesige Räder mit roten Speichen, hölzerne Wagen und ich fragte mich warum das Wasser in dem grossen Dampfkessel der Lok nicht das Holz zerstörte wenn der Kessel aufgeheizt wurde.

Daneben stand die Bahnhofsglocke des Bayrischen Bahnhofs in Leipzig. Diese reich verzierte Glocke wurde zur Erinnerung an die Eröffnung der Strecke Leipzig – Altenburg am 19. September 1842 von einer Leipziger Firma gegossen. Sie diente dazu die Abfahrten und Ankünfte der Züge im bayrischen Bahnhof anzukündigen. Nach 1892 verkündete sie in der Bahnwerkstatt den Beginn und das Ende der Arbeitszeit.

Alles was früher zu einem Bahnhof gehörte konnte man sehen: Gepäckwagen mit Holzaufbauten , die noch von Hand gezogen wurden.
Ausgestellt war eine Hochzeits-Terrine aus dem Jahr 1859, Diese Hochzeitsterrine erhielt der Betriebs-direktor, Erbauer der Sächsischen Semmeringbahn als Hochzeitsgeschenk 1859. Die Semmeringsbahn – heute Windbergbahn gilt als älteste deutsche Gebirgsbahn und technisches Denkmal.
Eine Reisetasche mit Utensilien wie Brillen, Literatur und Reisebecher für Verpflegung.

Fasziniert haben mich Lokmodelle, die von Karl Achenbach aus Streichhölzern gebaut wurden. Dieser Modellbauer kam seiner Leidenschaft auch im Privatleben nach. Der Sockel wurde aus abgebrannten, die Modelle selbst aus ungebrauchten Streichhölzern gefertigt. Die Zündköpfe wurden natürlich abgeknüpft, Die Bauzeit wird hier mit ca 6 Monaten angegeben und es wurden für diese Modelle ca 10.000 Streichhölzer verbraucht. 14 Modelle wurden dem Verkehrsmuseum geschenkt.

Ein Stockwerk höher gab es eine grosse Modelleisenbahn. Es waren ca 100 Gebäude nach Vorbildern entstanden. Dieter Jannasch aus Dresden begann mit dem Aufbau im Alter von 16 Jahren und fertigte etwa 250 Strassenbahnmodelle an. Neben Dresdner Fahrzeugen gibt es solche aus Leipzig, Görlitz oder auch Gotha. Die Wagen aus stillgelegten Strassenbahnen wurden nachgebaut.

Zum Schluss besuchten wir auch die Abteilung der Schiffe.
Man sah nicht nur alte Segler, Wikingerschiffe sondern auch Luftkissenboote, eine ostafrikanische Dhau aus 1790, eine schwere Fregatte „Wappen aus Hamburg“ von 1669, eine Dschunke aus dem 16. Jahrhundert.
Zusätzlich waren zu den Schiffen auch die Geschichten bzw. die Erklärungen auf Tafeln gegeben.

Beim Passagierdampfer „Augusta Victoria“ von 1888 wurde auch der erbitterte Konkurrenzdampf der Reedereien um zahlungskräftige Kunden beschrieben. Geschwindigkeit, Grösse, Komfort wurde zu den gefragten Kriterien. Der Luxusdampfer Augusta Victoria benötigte aufgrund seiner Doppelschrauben nur noch 7 Tage für die Überfahrt von Southampton nach New York.

Die moderne Kreuzfahrt wurde durch HAPAG-Direktor Albert Ballin initiiert, da das stürmische Wetter auf dem Nordatlantik die Zahl der Reisenden stark dezimierte. Um die Kapazität dieser Schiffe aber trotzdem in der winterlichen „saure-Gurken-Zeit“ auszulasten wurden Kreuzfahrten die der Erholung, Bildung und dem Vergnügen dienten, angeboten. 1891 startete die Augusta Victoria mit 241 Passagieren zur ersten Kreuzfahrt ins Mittelmeer.
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