Eislawinen Unglück

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Eislawinen Unglück

Beitrag von Johanna »

Eislawinen Unglück

Gestern Abend waren wir ganz spontan zu einem Vortrag mit obigem Titel.
Walter Laserer – ein Bergsteiger im Format eines Reinhold Messner - durfte als erster Österreicher auf allen Seven Summits stehen, davon 3x am Mt. Everest. Als erster Bergführer der Welt durfte er dies auch mit Gästen erreichen. Ein besonderes Privileg!
Diese Seven Summits sind die höchsten Gipfel auf sämtlichen Erdteilen.

Die Höchsten Gipfel der Erdteile
dazu gehört allerdings auch der Mt. Vinson, als höchstem Berg der Antarktis. Der Mount Vinson ist wohl der logistisch am schwierigsten zu erreichende Seven Summit Gipfel der Erde. Rund 1.000 km nördlich des Südpols gelegen wurde er erst 1966 zum ersten Mal bestiegen.

Der Mount Everest ist ein Berg im Himalaya und mit einer Höhe von über 8848 m der höchste Berg der Erde. Er gehört zu den 14 achttausendern. Der Mount Everest ist international seit 1856 nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt.

Der Aconcagua liegt in Argentinien und ist der höchste Berg Südamerikas und der zweithöchste der Seven Summits

Der Kibo ist der höchste Berg Afrikas – er ist unter dem Begriff Kilimanscharomassiv allgemein bekannt.

Der Elbrus ist ein ruhender Vulkan in Russland im westlichen Kaukasus Gebirge, in der Nähe der Grenze zu Georgien. Der Elbrus-Gipfel ist der höchste in den Bergen des Kaukasus und in Europa und gehört zu einem der „Seven Summits“.

Es besteht ein Streitfrage darüber, ob der Puncak Jaya als Vertreter Australiens und Ozeaniens zu den Seven Summits, den höchsten Bergen der sieben Kontinente, gehört oder nicht. Politisch gesehen gehört der Berg zu Indonesien und damit zu Asien. Andererseits liegt die Carstensz-Pyramide auf der australischen Platte und gehört damit geologisch nicht zu Eurasien. Auch Indonesien versteht sich als ein Land, das auf beiden Kontinenten Asien und Ozeanien liegt.

Angefangen hat Walter Laserer mit dem normalen Skifahren was ihm aber als Kind keine Begeisterung entlockte. Herr Laserer erzählte wie er anfing das Skifahren zu lieben als er steile Berghänge hinunterfahren konnte. Er studierte erst Forstwirtschaft, anschliessend Geodäsie. Die Geodäsie ist nach der Definition von F. Robert Helmert die „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche“.

Später machte er eine Ausbildung als Bergführer. Und diese Ausbildung setzt voraus, dass man es schafft Vertrauen bei den Gästen zu schaffen, denn diese würden ja ihr Leben in die Hände des Bergführers legen.

Herr Laserer erzählte viel über die höchsten Gipfel die er bezwungen hatte bevor er nach einer Pause auf das eigentliche Thema des Abends kam.
Hier sprach er ganz besonders das Leben der Sherpas in Nepal an – diese Sherpas sind eine nepalesische Volksgruppe, die für ihre reiche Kultur, ihre hervorragenden Kletterfähigkeiten und ihre extreme Ausdauer in großen Höhen bekannt ist. Sherpa bedeutet „Menschen aus dem Osten“, was auf ihre Ursprünge in Khams, Osttibet, hinweist. Obwohl sie ursprünglich Nomaden waren, begannen Sherpas im 15. Jahrhundert nach Nepal auszuwandern und verdienten dort jahrhundertelang ihren Lebensunterhalt als Händler, Hirten und Bauern.
Er zeigte Bilder von Sherpas die grosse Mengen von Material zu den Lagern tragen. Basislager, 1. Lager, 2. Lager usw.
Einem Sherpa hatte Herr Laserer einmal einen Gefallen getan, was sich für ihn letztendlich als lebensrettend zeigte, denn wie er später meinte, man trifft sich immer zweimal im Leben.

Doch zuerst einiges über Temperaturen und Unterbringungsmöglichkeiten auf seinen mit Gästen geführte Expeditionen. In Alaska (Denali früher Mount Mc Kinley) z. B waren es Temperaturunterschiede die man verkraften musste von insgesamt ca 70 Grad. -57 Grad auf dem Berg – aber dafür 25 bis 30 Grad im Sommer im Tal. Die niedrigste Temperatur die dort jemals gemessen wurde lagen bei -73 Grad.
Auf dem Mount Everest können die Temperaturen auf -60 Grad fallen. Im Winter und Frühling herrschen Winde aus westlichen Richtungen vor. Die feuchtigkeitsbeladene Luft kondensiert zu einer weißen, nach Osten zeigenden Wolke. Plötzlich einsetzende Temperaturstürze, Stürme und Schneefälle von bis zu drei Meter pro Tag sind nicht außergewöhnlich. Zumeist gibt es in der jeweiligen Saison nur wenige Tage mit stabilem Wetter – die sogenannten „Fenstertage“ –, an denen eine Besteigung am ehesten möglich ist. Hier erklärte er dass es kurz hintereinander zwei Möglichkeiten gibt den Berg zu besteigen und er gerne mit seinen Gästen erst bei der zweiten Möglichkeit die Chance ergreift. Seiner Meinung nach war dies sicherer. Es wäre schliesslich nicht leicht Menschen zu finden die 1. Lange Urlaub vom Job machen können und 2. ca 50.000,-- Euro für die Kosten einer Mount Everest Tour aufbringen können. Sicherheit stehe bei allem für ihn an oberster Stelle. Und vor allem gute Vorbereitung.
Dazu gehörte unter anderem eine Fahrt von Österreich nach Zermatt – mit anschliessendem Ersteigen des Matterhorns nach Ankunft in Zermatt - ohne Pause.

Wir sahen die Aufnahme einer sehr grossen Schneelawine - der Schneestaub kam geradewegs auf die Kamera zu und als Herr Laserer dann beschrieb wie sie einen Abbruch einer Eislawine überstanden haben konnte man sich das nur sehr schwer vorstellen. Er machte es auf der Bühne vor, wie man in die Hocke ging, ganz nah an den Eisfelsen gepresst. Trotzdem wurde er von einem Eisbrocken erwischt und fiel kopfüber nach hinten in eine Eisspalte. Kopfüber – Füsse nach oben, fest geklemmt in einer Eisspalte und mit der Zeit fing das Eis an ringsherum aufgrund seiner Körperwärme zu schmelzen. Nur der Wille am Leben zu bleiben und der Gedanke und die Hoffnung aus dieser mißlichen Situation irgendwie herauszukommen hielt ihn bei seinem Optimismus und am Leben fest. Dies waren auch seine Erinnerungen an Aussprüche seines Vaters und Gefühle die ihn aufrecht hielten. Dabei war der Gedanke an seine Tochter ebenfalls eine starke Motivation am Leben zu bleiben – allerdings konnte er sich trotz aller Bemühungen nicht selbst aus dieser „kopfüber hängenden Lage“ befreien. Er meinte, Jede/r den er kannte der sich jammernd und pessimistisch in so einer Lage befindet und aufgibt, der kann das niemals lebend überstehen. Das hätte ihn seine Erfahrung gelehrt.

Der Sherpa dem er vor längerer Zeit einmal geholfen hatte, war auch auf dem Weg und fand ihn, rettete ihn. Wir sahen das Foto seines zerschundenen Gesichts nach der Rettung. Man trifft sich eben immer zweimal im Leben meinte Herr Laserer.

Die Zelte die bei den diversen Lagern aufgebaut wurden hatte er beschrieben. Bei jedem Basislager gehört ein Erste Hilfe Zelt dazu – man hat zwei Küchenzelte in denen zweierlei Mahlzeiten gekocht werden. Eins ist für die Verpflegung der Gäste und das zweite Küchenzelt ist für die Verpflegung der Sherpas. In der dünnen Luft in der Höhe muss man sich selbst zwingen etwas zu essen und vor allen Dingen auch zu trinken, da man dort ganz selten Hunger- und Durst-gefühle hat. Aus diesem Grund muss man auch nicht normal auf die Toilette gehen.
Zum Schluss kam die Frage auf, wie man mit den Sherpas kommunizieren kann. Antwort: Englisch. Die Sherpas sprechen alle PidginEnglisch. eine reduzierte Sprachform, die verschiedensprachigen Personen als Verkehrssprache zur Verständigung dient.
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