Übung macht den Meister
Rembrandt Hermannszoon van Rijn wurde 1606 in Leiden geboren, er war das 8. von 9 Kindern und erhielt hier seinen ersten Malunterricht. 1624 war er für 6 Monate in Amsterdam in der Werkstatt von Lastmann Hier begann auch seine Freundschaft zu Jan Lievens – Rembrandt nutzte Holztafeln, Lievens malte teilweise bereits auf Leinwand. 1632 zog Lievens nach England.
Es waren Werke/Tronies von beiden Künstlern ausgestellt Tronies: ein niederländischer Begriff für Kopf.
Ein Tronie ist eine Figurenstudie oder auch Chartakterstudie bei der es – anders als bei einem Porträt – nicht darum ging eine reale Person abzubilden. Tonies dienten dazu die eigene Kunstfertigkeit unter Beweis zu stellen und sie waren eine gute Möglichkeit mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, Lichtverhätnissen oder besonderen Gesichtsmerkmalen zu experimentieren.
Wie bei kaum einem anderen Künstler ziehen sich Selbstbildnisse wie ein roter Faden durch Rembrandts Werk. Allein im Medium der Malerei sind bis heute etwa 40 solcher Selbstbildnisse bekannt. Im Bereich der Graphik kommt noch einmal etwa die selb Anzahl hinzu.
In Historiengemälden werden Erzählungen aus Bibel, Mythologie und Geschichte lebendig. Rembrandt beherrschte dieses Genre meisterhaft. Exotische, kostbare Kostüme, luxuriöse Juwelen, ausdrucksstarke Szenen und bewegte Kompositionen lassen historische Vergangenheit lebendig werden.
Innerhalb von Rembrandts Leben und Werk ist das Jahr 1632 ein besonderes. Er siedelte endgültig von Leiden nach Amsterdam über. In der Werkstatt von Hendrick Uylenburgh übernimmt er zahlreiche Aufträge und etabliert sich innerhalb sehr kurzer Zeit als der angesagte Maler der Stadt. Er schafft so viele Gemälde wie in kaum einem anderen Jahr, Porträts, oder das Gemälde die Anatomie des Dr. Tulp zählen zu den bekanntesten. Hat er bis jetzt seine Bilder mit RHL (Rembrandt Hermannszoon Leiden) signiert so zeichnet er seine Bilder ab 1632 nur noch mit seinem Vornamen „Rembrandt“, Damit ist die „Marke Rembrandt“ geschaffen.
Er malt Minerva, eine Junge Frau, gekleidet in einen prächtigen Mantel, sie sitzt an einem Schreibtisch, hinter ihr hängen an der Wand ein Säbel ein goldener Helm und ein Schild mit dem Schlangenhaupt der Medusa. So ist sie als Minerva, die Göttin des Krieges und der Weisheit und Beschützerin der Künste zu erkennen.
Das alte Testament berichtet von Saul dem ersten König von Israel, der von Schwermut geplagt wird. David soll ihn durch Harfenspiel aufmuntern, doch ein böser Gottesgeist überkommt Saul und er schleudert einen Speer auf David ohne ihn zu treffen. Das Bild zeigt den Augenblick unmittelbar vor Sauls Gewaltausbruch.
Im Gegensatz zu den Porträts ist die Art des Bildes welches ab jetzt Tronie genannt wird wesentlich freier. Das Porträt zeigt würdevoll und ernste Gesichter. Die Tronies dagegen sind freier, hier geht es um den Gesichtsausdruck und Rembrandt verstand es meisterhaft diese Freiheit zu nutzen. Die Tronie des Greises mit der goldenen Kette zeigt sehr eindrucksvoll wie der Künstler die Farben dick stehen lässt, sie förmlich überstreicht - im Nahen sieht es aus wie Berg und Tal.
Es gab eine Platte bei der man diese Farb“berge“ mit den Händen ertasten durfte. Auch einzelne Haare wurden eingeritzt, in einem offiziellen Porträt dagegen wäre das nicht möglich gewesen. Gerade deswegen dienten die Tronies als Vorlage für Historienbilder.
Im Verlauf des 17. Jahrhunderts erlebte Amsterdam einen ungeahnten Aufschwung seiner Wirtschaft. Der weltweite Sklavenhandel brachte Amsterdam als wichtigste Hafenstadt zu enormen Reichtum. Aus diesem Grund zogen viele Künstler in die Stadt weil dies zu einer enormen Nachfrage prestigeträchtiger Porträts führte.
Gezeigt wurden Porträts und auch Bilder bei denen erstmals zwei Personen zusammen abgebildet waren. Ein Kassler Gemälde wurde 1999/2000 wieder auf das ursprüngliche Maß gebracht indem die zuvor um die Keilrahmenkante geknickte Leinwand wieder zurückgeknickt wurde. Dabei wurde auch die originale altholländische Fadenaufspannung wieder hergestellt,. In dem Atelierbild von Pieter Codde kann man sehen wie eine solche Aufspannung bereits während des Malens benutzt wird.
Durch die Porträtmalerei hatte sich Rembrandt 1631 eine stolze Summe von 1000 Gulden als Darlehen in die Werkstatt des Hendrick Uylenburgh eingekauft. Dieser verfügte über die besten Beziehungen und so konnte er viele Porträtaufträge an Land ziehen. Rembrandts Bildnisse zeichneten sich durch eine Lebendigkeit aus, die rasch grosse Nachfrage produzierte.
1634 heiratete er die Nichte Uylenburghs und im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Sankt Lukas Malergilde in Amsterdam und konnte nun auch in seiner eigenen Werkstatt Lehrlinge ausbilden.
An der Wand waren Kisten aufgebaut die mit Gemälden, Bildern, Tronies dekoriert waren. Ausserdem sah man auf einer „Strassenkarte“ auch die Stellen an denen Rembrandt tätig war.
Das Porträt (Tonie) des Greises mit der Kette, dieses wunderschöne alte runzlige Gesicht war ebenso aufgebaut wie das Porträt eines Ratsherren, der eine Feder anspitzt.
Diese Tätigkeit zeigte dass der abgebildete Herr entweder reich oder ein Gelehrter war, denn nur die gut ausgebildeten Menschen konnten zu dieser Zeit lesen und schreiben und sich eine Feder als Schreibgerät leisten. Das Zuspitzen der Feder ist eine in der damaligen zeitgenössischen Kunst gängige Allegorie für die Tugend des praktischen Fleisses bei Künstlern und Gelehrten. Eine Tugend die in den protestantischen Niederlanden des 17. Jahrhunderts grosses Ansehen genoss. Das Federschneiden kann auch auf das damals gängige lateinische Sprichwort (nil penna sed usus – nicht die Feder, sondern ihr Gebrauch) anspielen. Alle Werkzeuge oder Talente sind wertlos, wenn das Können nicht geübt und praktisch angewendet wird. Wie unser Sprichwort schon sagt: Übung macht den Meister.
1632 lief es besonders gut in Amsterdam für Rembrandt. Es entstanden 32 Gemälde, im Jahr davor waren es 13 – im Jahr danach 20. Rembrandt war also enorm produktiv. Hinzu kommen noch Graphiken und eine der grössten Radierungen Rembrands: die Auferweckung des Lazarus.
An einer Wand war ein grosses Gemälde angebracht und dazu waren Gläser mit verschiedenem Inhalt auf Kästen angebracht. Aus diesen Kästen ragte nach unten ein kleiner Ball heraus und es war die Aufforderung an die Besucher aus diesem Ball die Luft herauszudrücken um den Geruch der Gläserinhalte zu erschnuppern. Überschrieben war das Ganze mit: Der Duft der Malerei. Wie hat ein Atelier früher gerochen?An dieser Station konnte man die verschiedenen Materialien riechen und die Welt der Malerei entdecken. In einem Glas war Leinöl, in einem anderen Bienenwachs, insgesamt gab es 4 Gläser.
Auf einem Tisch waren Stifte und Blätter ausgelegt und es gab Vorlagen nach denen man zeichnen konnte.
Ein Gemälde entstand im 17. Jahrhundert nicht auf einmal sondern in mehreren Schichten. Zunächst wird die Holztafel vorbereitet, grundiert und mit einer meist ocker – bis brauntonigen Untermalung versehen. Darauf entwickelt der Maler zunächst Formen sowie Licht und Schatten. Zum Schluss setzen feine Details im Gesicht die entscheidenden Akzente.
Rembrand lässt Farbe ganz bewusst stehen. In dicken Schichten formt sie Licht wie eine Landschaft aus kleinen Hügeln. Die Farbe wird aufgebaut, gedrückt und gezogen, Pinselspuren bleiben sichtbar uind spürbar – wie eine malerische Handschrift. Die Oberfläche ist nicht glatt sondern körperhaft. So entsteht Präsenz- das Bild rückt näher und wirkt lebendig.
Übung macht den Meister
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
Antworten
1 Beitrag
• Seite 1 von 1
Gehe zu
- Allgemeines
- ↳ News
- ↳ technische Hilfe
- ↳ Neu hier?
- ↳ Unser schwarzes Brett
- ↳ Testforum
- Kaffeeklatsch
- ↳ K(l)eine Alltäglichkeiten
- ↳ KummerKasten
- ↳ Das bisschen Haushalt
- ↳ LeseEcke
- ↳ BuchEmpfehlungen
- ↳ ReiseBerichte
- ↳ Johanna's Caravan Tour
- ↳ ReiseBerichte (intern)
- ↳ AdventsKalender
- ↳ Adventskalender '14
- ↳ Adventskalender '13
- ↳ Adventskalender '12
- ↳ Adventskalender '11
- ↳ Adventskalender '10
- ↳ Adventskalender '09
- ↳ Adventskalender '08
- ↳ Lustiges
- ↳ Harmonie mit dem Mond
- ↳ Mondtipps für Haushalt und Gesundheit
- ↳ Archiv Mondtipps für Haushalt und Gesundheit
- ↳ Mondtipps für Garten und Landwirtschaft
- ↳ Archiv Mondtipps für Garten und Landwirtschaft
- ↳ Mondstübchen zum Plaudern
- ↳ Dankeschön an Johanna Paungger - Poppe & Thomas Poppe
- ↳ Links
- Unsere Haustiere
- ↳ Allgemeines
- ↳ Tierschutz
- ↳ Hunde
- ↳ Katzen
- ↳ Vögel
- ↳ Nagetiere
- ↳ andere Tiere
- Kochen + Backen
- ↳ Gewußt wie!
- ↳ Die Vorspeise
- ↳ Die Hauptspeise
- ↳ Der krönende Abschluss
- ↳ ...und was gibt's zu Trinken?
- ↳ Plätzchen
- ↳ Torten + Kleingebäck
- ↳ BrotZeit
- Garten
- ↳ GartenAllgemein
- ↳ BlumenGarten
- ↳ GemüseGarten
- ↳ GartenBewohner
- ↳ ZimmerGarten
- Basteln + Handarbeiten
- ↳ Handarbeiten
- ↳ Basteln
- ↳ Kinderparty
- Gesund und schön
- ↳ Gesundheit
- ↳ Make-up und Co
- ↳ Großmutter's Hausmittel
- ↳ FrauenSachen
- ↳ ErnährungAllgemein
- Sonstiges
- ↳ Nur für Mitglieder
- ↳ Gesund sein
- ↳ Geburtstagsliste
