Früchteteppich 2026

 

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Johanna
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Früchteteppich 2026

Beitrag von Johanna »

Samen und Körner

Das Motiv des diesjährigen Früchteteppichs greift eines der bekanntesten Werke auf und ist vielen von uns bekannt. Leonardo da Vinci malte und vollendete es 1498 mit 46 Jahren.
Im Zentrum steht die Figur die ankündigt dass sie von einem der ihren verraten wird. Die Reaktionen der Beteiligten sind vielfältig: Erstaunen, Empörung, Zweifel und dies in einem Früchteteppich nachzubilden ist wirklich eine Herausforderung.

Der Sargenzeller Früchteteppich ist ein vergängliches Kunstwerk an welchem ca. 10 Personen sowie die Malerin freiwillig und ohne Bezahlung arbeiten. Es ist eine gemeinsame Dimension der Entstehung und das Ergebnis kollektiver Arbeit. Das Bild welches die Künstlerin anfertigte ist die Kopie des letzten Abendmahls von da Vinci aber anders als das jahrhundertalte Original ist es wirklich nur für eine kurze begrenzte Zeit sichtbar. Die 130 verschiedenen Samenkörner welche in Gläsern trocken aufbewahrt werden, werden jedes Jahr nach Bedarf eingesetzt und teilweise auch ersetzt. Nach jeder Ausstellung werden die mühsam aufgebrachten Samenkörner gereinigt und getrennt gesammelt. Die Wahl des Materials ist auch symbolisch aufgeladen – Früchte und Samen stehen für Leben, Wachstum und Ernte – Brot und Wein welche im Abendmahl eine zentrale Rolle spielen kann man gedanklich auch mit den verwendeten Naturmaterialien verbinden.

Das Bild wird immer von der Mitte aus bearbeitet, auf dem Untergrund kann man stehen, knien oder liegen – viele Arbeiten werden mit Pinzetten ausgeführt. Die Samenkörner sind sehr klein und fein und können nur so aufgetragen werden. (Niesen und Husten sind nicht gern gesehen oder erwünscht!) Arbeitszeit ist von Anfang Juni bis Anfang September, bis der Teppich fertig gestellt ist.

Die Samenkörner sind vielleicht nicht allen bekannt, auch ich musste mir einige erst ergoogeln, da ich sie noch nie gehört oder gelesen hatte.
Annattosaat – als Zwischenfrucht – sind rötliche Samen des Orleanstrauches der in den Tropen Südamerikas und der Karibik beheimatet ist.
Nigersaat ist der Öl- und eiweissreiche Samen des Ramtillakrauts und dient vor allen Dingen als hochwertiges Vogelfutter. Die Blüte ist gelb und die Samen werden von Finken und kleineren Körnerfressern wie Stieglitz, Zeisig oder Grünling geliebt. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Ostafrika und wird bis 180 cm hoch.
Inkarnatklee ist einjährig wird teilweise als Zwischenfrucht genutzt und ist mit roten Blüten schön anzusehen, ursprünglich stammt diese Pflanze aus dem westlichen Mittelmeerraum.
Auch Serradella oder Klitoria waren für mich unbekannte Pflanzen. Clitoria ist eine Gattung von tropischen und subtropischen insektenbestäubten Blütenerbsenreben.
Der Schmetterlingsflieder zu dem die Klitoria auch gehört, liefert reichlich Nektar und hat eine lange Blütezeit.
Zu der Samensammlung gehören auch solche die z.B. nur aus den Ursprungsländern bezogen werden können. Sri Lanka trägt hier einen Blumensamen von knalligem rot bei.

Einheimische Körner und Samen sind u.a. geschälte und ungeschälte Sonnenblumenkerne, Sago, Wasserreis, Chiasamen, Raps, Buchweizen oder auch Mungobohnen, Milchreis, Rittersporn, Polenta, rote Beete, Geranie oder Rosen. Hibiskus Lindenmblätter, Bockshornklee oder Kornblumen. Tellerlinsen, Blutpflaume, Reis, Curry, Karotte um nur einige zu nennen.

Wenn man nach Sargenzell fährt um sich den Früchteteppich anzusehen kann man mit Glück auch einem Vortrag lauschen, den engagierte Mitglieder dieser Gruppe über das Bild und die Entstehung halten. Man bekommt eine Bildinformation über das Bild mit sämtlichen Informationen der Samen und Körner, über den Maler und die Künstlerin.
Man kann Lose kaufen um an einer Tombola teilzunehmen, bei welcher das Bild der Künstlerin verlost wird, ausserdem dient das eingenommene Geld auch zum Erhalt der kleinen Kirche. Dies war ja auch der ursprüngliche Sinn und Zweck, denn nur durch das Engagement der Dorfgemeinschaft und das Erarbeiten eines jährlichen Früchteteppichs konnte dieser Bau erhalten werden. Der Förderverein Alte Kirche wurde 1989 gegründet.

Mittlerweile ist die Ausstellung des Früchteteppichs Deutschlandweit bekannt und auch Busfahrten aus weiter entfernt liegenden Regionen werden nach Sargenzell angeboten.

Leider vermissen wir seit Jahren in diesem Dorf ein Kaffee oder ein Restaurant in welchem man nach der Besichtigung gemütlich sitzen und sich über die Eindrücke des jährlich wechselnden Bildes austauschen kann.
In meinem Bericht 26qm Körner und Samen habe ich bereits einmal ein Bild des Früchteteppichs beschrieben: „Daniel in der Löwengrube“ oder auch der Bericht: „Der Sturm auf dem See“

Für mich ist es jedes Jahr wieder sehr lohnend den Weg auf mich zu nehmen um einen weiteren Früchteteppich ansehen zu können, auch wenn bei den heutigen Benzinpreisen diese Unternehmung ziemlich teuer wird.
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