Messiwirtschaft oder Sammelwut? 09.09.
Iserhatsche – das müsst Ihr unbedingt sehen wurde uns von verschiedenen Seiten gesagt. Also machten wir uns auf den Weg. Draussen im Nirgendwo sollte es sein, aber GoogleMaps zeigt ja nicht nur Strassen, Wege und Flüsse, sondern auch Gebäude und die unmöglichsten Ziele an.
Auf einem Flyer wurde das Heidekastell als Neuschwanstein des Nordens angepriesen (In meinen Augen die Überheblichkeit des Jahrhunderts).
Wir kamen an und sahen im Garteneingangsbereich viele hundert Hufeisen, die zu einem grossen Turm zusammengebaut waren. Hier drehte auf einem Absatz eine elektrische Eisenbahn ihre Runden.
Auch der kleine Zaun, der rings um diese Rabatte gebaut war, bestand aus Hufeisen, genauso wie eine große Eule und andere Dinge. Keine Frage eine diffizile Arbeit alles zusammen zu schweissen und man muss erst einmal die Idee für so eine Hufeisenverwendung haben…
Nach dem Bezahlen des Eintritts bekam man ein Bändchen welches man tragen sollte, denn ohne Führung keine Besichtigung. Nachdem sich eine kleine Gruppe zusammen gefunden hatte, stellte sich die junge Dame vor, die uns durch die Räumlichkeiten führen sollte.
Zuerst betraten wir das Haus und erfuhren, dass der Besitzer mit seiner Frau dieses 30-Zimmer-Haus bewohnt, wovon wir nur 6 Räume sehen durften.
Führung? Eilig durchschleusen sagt es bedeutend treffender ….die junge Frau erklärte zwar einiges, sprach aber sehr schnell und leise. Leider lief dabei auch Musik, sodaß man wirklich nicht viel verstehen konnte – zusätzlich schaltete sie dann noch ein Band ein, auf dem der Besitzer selbst den Raum erklärte – die einzelnen Stücke besonders hervorhob, die er nach Vorbildern bzw. die er nach seinen Vorstellungen anfertigen liess. Hier wurden auch alle seine Tätigkeiten die er für die Kunst und den Aufbau aufwendete immer wieder huldvoll erwähnt. Unter anderem wurde auch sehr betont, dass er dieses Haus Herrn Reemtsma abgeschwatzt hatte. Leider sprach er meistens so schnell, dass man das wenigste verstand. Es wurde immer wieder auf Kleinigkeiten hingewiesen. “Betrachten Sie bitte die Heizkörperverkleidungen und die Türgriffe“ usw. usw. In sämtlichen Räumen wies er immer wieder darauf hin, was er als Nachbildung bauen liess oder auf seine Pläne hin angefertigt wurde. Ebenso erfuhren wir, dass er öffentliche Gebäude in Berlin und Brandenburg fast umsonst bzw. nur für einen ganz geringen „Betrag“ renoviert hat und mit einem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. In einem der zugänglichen Zimemr stand ein Sitzsarg, ein anderes Zimmer war ein sogenanntes Spiegelzimmer, welches sich aber in keiner Weise mit dem versailler Spiegelsaal vergleichen liess. Das angebliche Wohnzimmer war überladen mit gedweihen die die Wände schmückten. Stühle und Tisch waren bestimmt alt, aber wertvoll? Ein Speisezimmer konnte man nur durch eine Tür begutachten. Der grosse Tisch war eine Sonderanfertigung für die Familie – die Mitte des länglichen Tisches war erhöht für Schüsseln und Platten – das Geschirr und Tafelsilber war edel. Die beiden lebensgroßen Figuren in Barockkleidung vervollständigten das Bild. Im letzten Raum war der Fußboden mit einem Teppichmuster bemalt. In dieses Holz wurden 6000 verschieden grosse Bohrungen für die einzelnen Münzen gemacht. Jede Münze, die es zu DM-Zeiten gab konnte man hier anschauen. Dagegen nahm sich der „kleine Teppich“ mit den Bohrungen für die Euromünzen armselig aus.
Wir betraten das Aussengelände. Hier war bei den angelegten Beeten ein metallbaum ausgestellt, an welchem viele verschiedene Glocken hingen.Ein Stück, welches auch mir gefiel. Und imemr wieder der hinweis, dass ja auch alles buchbar wäre, aber gar nicht so teuer wie man vermuten könnte oder wie es den Anschein hat. Von einer Aussichtsplattform aus konnte man das Gelände fotografieren. Es wurde genau beschrieben, wie diese Aussichtsplattform, das Geländer usw. hergestellt wurde. Kaninchendraht geformt, mit Bauschaum ausgefüllt und vergipst, dann weiss gestrichen.
Dann standen wir vor dem Berg der Sammelleidenschaften. Ein „Vulkan“ spie kurz Feuer auf Knopfdruck, eine Totenfratze aus Gips, bei der das wasser herunterplätscherte. Der Eingang zu diesem berg führte zunächst in einen Partykeller. Dunkel – Kerzenschein, Hexen die von der Decke in rauhen Mengen hingen und die auf lautes Händeklatschen blinkten. Und immer wieder ein besprochenes Band – die Erklärungen der jungen Dame und Musik. Nach diesem Schauspiel (man kann diesen Partykeller auch buchen) kamen wir in einen runden Saal. Dieser Saal wird als Trau- oder Hochzeitszimmer genutzt. An der Decke in einem Aussenkreis die 12 Tierkreiszeichen, in einem Innenkreis 8 Zacken. Sie sollen die sieben Weltwunder darstellen – der achte Abschnitt ist dazu ausersehen, dieses unmögliche Sammelsurium von allen möglichen Dingen als achtes Weltwunder zu preisen. Diesem Trauzimmer schliesst sich dann ein langer Saal für Hochzeitsgäste an.
Die weiteren Räume dieser Burg sind überfüllt mit vollen Bierflaschen, Streichholzschachteln, Bierdeckeln die noch ungeordnet auf einem Haufen lagen. Kronkorken aus denen man ein Panzerhemd für einen Krieger zusammengebastelt hatte. Spielfiguren wir Frösche, Playmobilfiguren, die kleinen Figürchen der ü-Eier, Tassen, jede Menge Kannen für Kaffee oder Tee – Gläser, lange Tabakspfeifen oder auch Büstenhalter die von der Decke hängen. In einem Schrank Dildos und ähnliches Sexspielzeug. Von einer Decke hingen Rohrreiniger herab. Gummipropfen die durch pressen Unterdruck erzeugen, sodass der verstopfte Abfluss wieder frei wird. Zierkerzen, Kapselheber, eine Eulensammlung. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Eine Schaufensterpuppe war über und über mit Sprüchen beschrieben.
„Auch das Denken schadet bisweilen der Gesundheit“ oder „Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen“ oder „das denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart“. In einer grossen Schachtel lagen billige leere Feuerzeuge aus Plastik – ein Mitarbeiter kam mit einer grossen Plastiktasche und meinte dazu, es wären lauter kleine Schnapsflaschen, die man irgendwo einsortieren müsste. Es gab noch wesentlich mehr und verschiedene Artikel – aber bei der Menge ist selbst mein Gedächtnis überfordert.
Wenn man alles ungeordnet und durcheinander findet, dann sagt man, hier lebt ein Messi – hier soll es dann ein achtes Weltwunder werden? Arme Menschheit!!
Iserhatsche
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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