Lüneburg

 

Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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Johanna
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Registriert: Mittwoch 14. Januar 2004, 15:04
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Lüneburg

Beitrag von Johanna »

10.09.
Lüneburg, die alte Salz- und Hansestadt war unser Ziel. Salz, ein Stoff der viele Einwohner dieser Handelsstadt zu Millionären machte.
Allerdings waren dies von damals 110 Einwohnern insgesamt „nur“ ca. 33, die durch die harte Arbeit der ärmsten der Armen diesen Profit eingestrichen haben. Wer 4 Salzpfannen besass, der konnte sich mit Fug und Recht zu den Wohlhabenden zählen.

Das Salzmuseum war in dem ehemaligen Herstellungsgebäude eingerichtet, in dem einst die Arbeiter das weisse Gold förderten.

Der erste Blick fiel auf einen Güterwaggon mit der Aufschrift „Salzmuseum“ wenn man in die Strasse einbog. Die Kasse war mit 3 jungen Damen besetzt, die sehr kundenfreundlich alle Fragen beantworteten. Eine etwas ältere, sehr elegante Dame sprach uns nach dem Ticketkauf an und empfahl uns vor der Führung noch die Besichtigung einer Ausstellung in einem Nebengebäude. Diese Ausstellung hätte das Thema: Wohneinrichtung der 50-er Jahre. Da dieses Nebengebäude schnell zu erreichen war, nahmen wir den Vorschlag gerne an.
Vieles kannte ich aus meiner Kinder und Jugendzeit. Manches hatte ich auch noch als junge Frau in Gebrauch. Das Küchenbuffet, mit Schubladen, Glastüren im Oberschrank, damals der letzte Schrei oder die kleinen Sessel passend zu einem leichten dreieckigen Tisch.
Das Kinderzimmer mit den Regalen, einfach – braunes Holz und das Schlafzimmer , welches auch ausser Nachtschränkchen noch eine Spiegelkommode aufwies. Vom dreiteiligen Spiegel liessen sich die Seiten so umklappen, dass man sich auch von der Seite betrachten konnte.

Alte Illustrierte, Radios der damaligen Zeit und auch die ersten Fernseher die man sich nur leisten konnte, wenn man sehr gut verdiente. Wir kürzten den Besuch ab, denn wir wollten auf keinen Fall die Führung im Salzmuseum verpassen. Kündeten aber unseren zweiten Besuch nach der Führung im Salzmuseum an

Sofort als wir den Vorraum – Kassenbereich – wieder betraten, kam die nette ältere Dame auf uns zu und bot uns an, den Rucksack welchen wir dabei hatten, hinter der Kasse zu deponieren. Sehr aufmerksam von ihr. Dann stellte sie sich mit Namen vor. Frau Peterson, nicht gebürtig aus Lüneburg, aber schon viele Jahrzehnte die sie in dieser Stadt lebt.
Sie forderte die Damen und Herren auf sich mit den zur Verfügung stehenden leichten Hocken zu bewaffnen, weil manche der Besucher sonst während der Führung evtl. Probleme durch langes Stehen und langsames Gehen haben könnten.

Dann begann die Führung – zuerst mit der Geschichte der Stadt. Die Besonderheit der Salzstock, den Lüneburg aufwies. Und einer dieser grossen Salzbrocken war gleich im Eingangsbereich ausgestellt. Dazu die Informationen wieviel Salzgehalt jeweils ein Liter Wasser hat aus der Ostsee, dem Toten Meer usw.
Kinder fingen mit der Arbeit bereits mit 7 Jahren an. Wer 25 oder 30 Jahre wurde, war bereits als alt zu bezeichnen.
Die Arbeit wurde sehr drastisch beschrieben, oftmals war es Arbeit in Dunkelheit. Die Arbeiter klemmten sich dann einen Kienspan zwischen die Zähne, damit sie wenigstens etwas Licht hatten. Barfuß bei der Arbeit war die Normalität und am Ende des 12-Stunden-Tages war die Kontrolle, ob man nicht doch etwas Salz gestohlen hatte. War dies der Fall und man wurde erwischt, wurde die Hand abgehackt und der Armstumpf in flüssigen Teer getaucht. Niemand wehrte sich dagegen – alle nahmen es hin.

Die Menschen waren klein, dem zu Folge auch die Zugänge zu den Salzpfannen. Aus einem Brunnen wurde das Solewasser per Hand mit einem grossen Eimer nach oben befördert. Der Eimer fasste fast 150Liter und im Laufe eines Tages mussten die Männer 20 dieser vollen Eimer nach oben ziehen. Dieses solehaltige Wasser wurde dann in den Bleipfannen weiter erhitzt bzw. gekocht bis das Wasser verdampft war und nur noch das Salz übrig blieb. Auch das Befeuern dieser Salzpfannen war reglementiert und das Verdampfen der Flüssigkeit hatte innerhalb einer bestimmten zeit zu erfolgen. Dafür waren Frauen ud teilweise auch Kinder eingesetzt. Aus diesem Grund wurden in der Gegend um Lüneburg herum die Wälder abgeholzt.
Der Salzstock der Lüneburg reich machte, wurde bis in die neuzeit abgebaut. Erst als für die Befeuerung und den Betrieb der Saline die Kosten zu hoch im Gegensatz zum Ertrag wurden, stellte man die Salzförderung ein.
Nach Beendigung der Führung gingen wir noch einmal zu der Sonderausstellung im Nebengebäude und anschliessend machten wir uns auf den Weg in die Altstadt.
Das Auto parkten wir auf einem Platz in der Nähe des Wasserturms. Und von diesem Parkplatzschild mit dem Namen macht ich ein Foto – man lernt schliesslich….

Die Altstadt hat zahlreiche wunderschöne Backsteinhäuser, die auch schon äußerlich vom Reichtum der Altvorderen zeugten. Die Giebelformen sehr unterschiedlich, schmale hohe Fenster, gemauerte Backsteinfassaden. Manche gemauerten Verzierungen mit Backsteinen sehen aus wie geflochten. Erker an den Häusern sind wunderschön mit den schlanken hohen weissen Fenstern.
Ein buntes, mit viel Malerei verziertes Tor zu einer Apotheke – das Rathaus mit dem Glockenturm. Die 41 Glocken aus Meißner Porzellan wurden zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt 1956 von den Bürgern gestiftet. Alle Melodien die hier gespielt werden, stammen von dem 1747 in Lüneburg geborenen Komponisten J.A.Peter Schulz. Das Glockenspiel ertönt in der frostfreien Jahreszeit um 08.00 Uhr, 12:00 Uhr und 18:00 Uhr.
In Nischen über den Grundpfeilern des Rathauses Figuren, darüber ein Balkon und als Abschluss eine grosse Uhr darüber mit zwei Löwen, zwischen denen eine Krone ist.
Vor der Touristinformation eine Miniaturansicht der Stadt aus Metall.

Da ich wieder Schwierigkeiten mit dem Laufen hatte baten wir einen Taxifahrer uns zu unserem Parkplatz zu fahren. Und wenn er vorher noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns machen würde, wären wir auch nicht böse.

So wurden wir durch die Altstadt kutschiert und bekamen noch eine interessante Privatführung mit sehr vielen Informationen über diese Stadt.
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