Tobiashammer

 

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Johanna
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Tobiashammer

Beitrag von Johanna »

„Beziehungen und Hämmer ist das halbe Leben“

Auf unserem weiteren Weg nach Zella-Mehlis bog Uwe bei einem Hinweisschild „Tobiashammer“ bei Ohrdruf ab und folgte dem Weg bis zu einer Pferdekoppel und einem Parkplatz. Dahinter war eine Anschlagstafel, daneben ein Gartentürchen welches offen stand.
Unter dem Namen Tobiashammer konnte ich mir gar nichts vorstellen.

Der Eingang zu dem Museum lag versteckt in einem kleinen Park. Wir hörten beim Eintreten, dass gleich eine Führung losgehen würde und das lassen wir uns nie entgehen.

Tobiashammer – der Name geht auf den ersten Besitzer Tobias Albrecht zurück, der hier ca 1482 die erste Hammerschmiede baute. Sie wurde durch Wasserkraft angetrieben und man kann heute auch noch bei den Führungen die funktionierenden Wasserräder bei der Arbeit sehen. Produziert wurden Sensen, Lanzen, Schwerter – später kamen dann auch Kessel dazu.
Zur Demonstration konnten wir ein 20 kg schweres Materialstück heben, aus welchem später durch die Arbeit der Hammer ein Kessel ausgetrieben wurde.

Zur Demonstration wurde einer der Hammer in Betrieb genommen – der Krach: ohrenbetäubend wenn ca 400 kg auf ein Metallstück niedersauste. In der ersten Scheune wurden uns die Kessel gezeigt, die Arbeitsweise erklärt und vor allem die vielen Arbeitsgänge in der Verarbeitung aufgezählt wie zerhacken der Platten zu Schroten, Schroten erwärmen und zu Ronden schmieden. Diese Ronden abbreiten und mittels Holzaschenbrei einäschern. Später musste die Schale dann immer wieder erwärmt werden. Bei der Verarbeitung in der Kupferschmiede kam dann u.a. auch noch hinzu: Bord ansetzen, Drahtring einlegen, Gelenk ausstellen, Kesselrohling auf Maß einziehen usw. Bis zum blankbeizen des Kessels. Wenn man sich so einen Kessel ansieht vermutet man nicht diese harte, schwere und viele Arbeit.

In einer anderen Scheune stand eine der grössten Dampfmaschinen Europas, die ebenfalls kurzzeitig in Betrieb genommen wurde. Sie wiegt 305 Tonnen und hat eine Leistung von 12.000 PS.
Uns wurde erklärt, dass die Dampfmaschine aus einer ehemaligen Hütte stammt – die Dampfmaschine wurde erst angeliefert und dann wurde später darum herum die Scheune gebaut.
Die Maschine hat eine Länge von 16,2 m, eine Breite von 6,5 Metern und die Höhe beläuft sich auf 5,2 Meter – ein Riesending!

An der Wand Bilder die den Aufbau zeigen und auch detaillierte Beschreibungen liefern. Ein Auszug aus dem Familienbuch des Pioniers der Maxhütte Unterwellenborn – Ferdinand Chelius komplettiert das Ganze.

Im Park sind die geschmiedeten Skulpturen aufgestellt, die hier durch namhafte Künstler einmal im Jahr während eines Schmiede-Symposiums hergestellt werden. Zuerst im kleinen Maßstab, dann im grossen.
So ein Kunstwerk könnte ich mir in einem Vorgarten vorstellen – die Sonnenuhr z.B. oder das Siegertreppchen, ein Skorpion oder ein stilisierter Springbrunnen. Ein Künstler erklärte uns in einem Film seine Gedanken die er sich über sein Stück machte – es waren eigentlich nur umgekehrte Fragezeichen mit einem langen „Hals“, die an einer Leiste aufgereiht waren. Man konnte sie immer wieder in andere Richtungen drehen und sollten die Lebenswege und Entscheidungen der Menschen darstellen. Denn man selbst steht ja immer wieder vor Veränderungen und hat die Wahl.


In einer der Hallen sind Hammer an der Wand aufgereiht mit Sprüchen, die zum Schmunzeln anregen: „Ein fröhlicher Hammer ist niemals ein Jammer“ oder „alte Hämmer und junge Weiber sind die besten Zeitvertreiber“ oder „sobald ein Mädel hämmern kann, denkt sie nur an einen Mann“ und das beste daran: „Hämmern alleine macht noch keine schlanken Beine“…,
Alle möglichen Sorten/Arten von Hammer hängen hier vom Nasenhammer über den Schlosserhammer, Dengelhammer, Schlägel oder Vorschlaghammer. Die Liste kann man beliebig fortsetzen.

Schilder mit Bekanntem über die Besitzverhältnisse runden das Bild ab.
Am Schluss der Führung wurde jedem Besucher ein Streichholzheftchen mit dem Aufdruck Tobiashammer Ohrdruf in die Hand gedrückt.
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