Wenn Du nicht gut lernst….
Wirst Du später unter einer Brücke liegen. Wir fuhren am Freitag gegen Mittag in Richtung Ungarn los. Bad Hersfeld, dann A 7 – während einer kurzen Rast auf einem Parkplatz verspeisten wir die mitgenommenen Brote, schälten die hart gekochten Eier und Uwe brachte den Schutt zu einem grossen Müllcontainer, der auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Parkplatzes stand.
Genau davor war ein kleines Auto abgestellt, die Beifahrerin sah aus wie ein kleines, schmächtiges Mädchen. Bei näherem Hinsehen bemerkte man aber dass sie kein Mädchen sondern eine ältere Dame im Rentenalter war. Sie dehnte und streckte sich während sie den Fahrer beobachtete, der aus dem Auto ausstieg und ein paar Schritte bis zum abgrenzenden Zaun ging. Er stakste mit steifen Knochen die paar Meter um sich zu erleichtern.
Uwe ging zu dem aufgestellten Müllcontainer und sah, wie dieser ältere Mann plötzlich ohne Vorankündigung zusammen sackte, hinfiel und liegen blieb. Ich sah vom Auto aus, wie er die Beine versuchte hoch zu heben aber diese kraftlos wieder auf den Boden sanken. Uwe sah wie der Mann hinfiel, eilte zu ihm hin und bot seine Hilfe an. Es stellte sich dann heraus, dass dieser ältere Fahrer ohne Uwes Hilfe nicht mehr richtig stehen konnte. Deswegen umklammerte Uwe den Fahrer von hinten hob ihn hoch und stellte ihn auf die Füsse, hielt ihn fest, damit er stehen konnte. Die ältere Frau stand dabei, hatte keinen Führerschein und beide lehnten jede Hilfe ab. Nicht einmal eine Flasche Wasser wollten sie annehmen, vielleicht aus Angst etwas bezahlen zu müssen. Uwe bot dem Mann an, er könne sich in unserem Wohnwagen hinlegen und etwas ausruhen, aber trotz seiner Unsicherheit und dem anschliessenden torkeln, seines nicht vollständigen Bewusstseins wollten diese älteren Leute keine Hilfe annehmen oder anfordern. Sie nahmen die Wasserflasche erst an, als man ihnen sagte dass das nichts kostet. Unverantwortlich das Verhalten des Fahrers und seiner Frau, nicht nur ihm selbst gegenüber sondern auch gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern, denn sie wollten unbedingt weiter fahren um zur Tochter zu gelangen. Die Frau behauptete, dass alles gut sei und der Arzt hätte zu Hause nichts bei ihrem Mann gefunden. Es wäre also alles in bester Ordnung.
Uwe meinte später zu mir dass dieses Zusammenbrechen, das anschliessende torkeln und nicht vollständige Bewusstsein eine Art von Epilepsie sein könnte, denn so etwas hatte er in Bethel während seines Aufenthalts in der dortigen Reha-Klinik auch gesehen und erlebt. Also ein epileptischer Anfall und das während einer längeren Fahrt! Man muss sich nicht ausmalen wenn das wirklich während einer Fahrt auf der Autobahn passiert.
Wären wir nur über Eisenach, die A4 und Suhl gefahren. Durch unsere Wahl verloren wir durch einen Stau noch weitere 2,5 Stunden. Ein Auto war ausgebrannt, musste gelöscht und anschliessend abstransportiert werden. Das Ganze passierte auf einer einspurigen Strecke - also einer Baustelle – und wir wegen Wohnwagengespann mittendrin zwischen den Lastkraftwagen. Das ausgebrannte Auto konnten wir im Vorbeifahren noch betrachten. Trotz allem kamen wir an diesem Tag noch bis Sinzing – kurz vor Regensburg.
Uwe fand dort einen Stellplatz, ruhig (so dachten wir) im Schatten eines kleinen Wäldchens. Nach einer Seite waren wir durch die Bäume geschützt, die andere Seite war offenes weites Feld. Vor uns war ein Platz der mit Baucontainern so zugestellt war, dass man sich ganz gut „verstecken“ konnte.
Die Bäume spendeten Schatten, doch ruhig in der Nacht war etwas anderes. Wir standen nämlich direkt unter einer hohen grossen viaduktähnlichen Autobahnbrücke die das weite Tal überspannte.
Wir hatten in der Schule doch gut gelernt, trotzdem kampierten wir da. Denn den Spruch bekam nicht nur Uwe als Kind zu hören:“lerne gut, sonst ...usw….siehe oben.
In der Nacht hörte man das rütteln und brummen wenn schwere LKW, Autos schnell über die Brücke fuhren. Ich selbst hörte nichts, dank meiner Schwerhörigkeit, die ich tagsüber mit Hörhilfen überdecke. Nur Uwe, der jeden Mäusepiep hört fand nur wenige Stunden wirklich Schlaf.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter , im nächsten Ort wollten wir einkaufen. Eine Bäckerei hatte bereits um 07.00 Uhr geöffnet, zwei SB-Läden waren auch vorhanden - alles gut, so dachten wir.
Wir tranken Kaffe bzw. heisse Schokolade, assen jeweils ein leckeres Schokocroissant und warteten darauf, dass Edeka und Norma gegen 08.00 Uhr die Pforten öffnet. Doch nichts passierte. Wir fragten eine Frau die ebenfalls in der Bäckerei etwas einkaufen wollte und sie erklärte uns, dass in Bayern doch Feiertag wäre. Feiertag? Welcher? Sie klärte uns auf: Maria Himmelfahrt.
Nun gut, wir konnten deshalb sicher sein, dass aus diesem Grund nicht so viel auf den Strassen los ist und starteten in Richtung Regensburg.
Fanden dort im Gewerbegebiet bei Opti einen grossen, guten Platz um den Wohnwagen abzustellen und machten uns im Auto weiter auf den Weg in die Innenstadt. In der Altstadt direkt an der Donau fanden wir nach längerer Suche einen Stellplatz für das Auto. Uwe holte den Rollstuhl heraus und wir machten uns auf den Weg. Der Dom war unser Ziel und Uwe fand sehr schnell die Rampe für Rollstühle um direkt in den Kirchenbau zu gelangen.
Viele hohe, schlanke Fenster mit bunten dunklen Fensterbildern in der Art der Tiffanibilder die jeweils aus Bibelscenen bestanden, verbreiteten ein dunkles, trübes Licht im Innern. Kerzen und Beleuchtung verströmten eine ruhige Stimmung. Nachdem wir auch 4 Kerzen im Andenken an unsere verstorbenen Lieben angezündet hatten, kamen wir gerade zu einer Rundfahrt durch Regensburg zurecht. Diese wurde von einem kleinen Stadtbähnchen durchgeführt.
Mit uns stieg eine Gruppe Touristen aus Thüringen ein. Leider konnten diese Leute während der Durchsagen und Ausführungen die man über Lautsprecher während der Fahrt hörte, ihren Mund nicht halten, so konnte ich nur die Hälfte von allen Erklärungen, Jahresangaben usw. verstehen.
Diese Touristen meinten sicher späöter wenn sie wieder zu Hause waren, wir waren in Regensburg! Aber geschichtlich blieben sie – sagen wir mal vorsichtig – unbedarft!
Nach dem Halt am Ausgangspunkt besuchten Uwe und ich das nahegelegene Museum, zahlten den Eintritt und hatten gleich wieder das Glück eine persönliche Führung zu erhalten-. Wir waren nämlich wieder mal – wie so oft – die einzigen Besucher, die eine vom Museum angebotene Führung gebucht hatten.
Die Dame war gebürtige Regensburgerin, ihr Sohn hatte die gleiche Leidenschaft für die römische Geschichte in Regensburg geerbt und sie erklärte uns, dass er die Kleidung eines römischen Legionärs sowie auch die Ausrüstung im Original trägt. Die Art der gebundenen Sandalen, das Gewicht der Nahrung, die schweren Mühlsteine sowie die Menge des benötigten Wassers zu tragen sind enorm. Man macht sich darüber kaum Gedanken was ein Legionär zur damaligen Zeit alles schleppen musste. Die Waffen die hergestellt wurden – allein das Eisen für eine einzige Waffe, erforderten jede Menge Material. Die frühere Eisenherstellung hatten wir bereits im Landesmuseum für Urgeschichte in Halle gesehen.
Die Geschichte der römischen Zeit in Regensburg wurde von ihr so lebhaft dargestellt, dass man denken konnte die Dame hätte diese Zeit wirklich selbst erlebt, was durch die Fertigkeiten und Tätigkeit ihres erwachsenen Sohnes bestimmt verstärkt wurde.
Die bei Ausgrabungen gefundenen Stücke und Fragmente wurden besprochen. Warum hatten die Amphoren die spitz zulaufenden Enden – diese Form und die Griffe – die Arten des Totenkults usw.
Die Zeit der Führung war viel zu schnell vorbei, denn auch wir konnten bedingt durch unsere häufigen Museumsbesuche einiges zur Diskussion beitragen.
Der Kopf aus altem Brot im Sepukralmuseum aus Kassel z.B. oder der Weinanbau im Osten und im Westen von Regensburg usw.
Zum Schluss sahen wir die Münzsammlung die in keinem Museum fehlen darf!
Regensburg
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
Antworten
1 Beitrag
• Seite 1 von 1
Gehe zu
- Allgemeines
- ↳ News
- ↳ technische Hilfe
- ↳ Neu hier?
- ↳ Unser schwarzes Brett
- ↳ Testforum
- Kaffeeklatsch
- ↳ K(l)eine Alltäglichkeiten
- ↳ KummerKasten
- ↳ Das bisschen Haushalt
- ↳ LeseEcke
- ↳ BuchEmpfehlungen
- ↳ ReiseBerichte
- ↳ Johanna's Caravan Tour
- ↳ ReiseBerichte (intern)
- ↳ AdventsKalender
- ↳ Adventskalender '14
- ↳ Adventskalender '13
- ↳ Adventskalender '12
- ↳ Adventskalender '11
- ↳ Adventskalender '10
- ↳ Adventskalender '09
- ↳ Adventskalender '08
- ↳ Lustiges
- ↳ Harmonie mit dem Mond
- ↳ Mondtipps für Haushalt und Gesundheit
- ↳ Archiv Mondtipps für Haushalt und Gesundheit
- ↳ Mondtipps für Garten und Landwirtschaft
- ↳ Archiv Mondtipps für Garten und Landwirtschaft
- ↳ Mondstübchen zum Plaudern
- ↳ Dankeschön an Johanna Paungger - Poppe & Thomas Poppe
- ↳ Links
- Unsere Haustiere
- ↳ Allgemeines
- ↳ Tierschutz
- ↳ Hunde
- ↳ Katzen
- ↳ Vögel
- ↳ Nagetiere
- ↳ andere Tiere
- Kochen + Backen
- ↳ Gewußt wie!
- ↳ Die Vorspeise
- ↳ Die Hauptspeise
- ↳ Der krönende Abschluss
- ↳ ...und was gibt's zu Trinken?
- ↳ Plätzchen
- ↳ Torten + Kleingebäck
- ↳ BrotZeit
- Garten
- ↳ GartenAllgemein
- ↳ BlumenGarten
- ↳ GemüseGarten
- ↳ GartenBewohner
- ↳ ZimmerGarten
- Basteln + Handarbeiten
- ↳ Handarbeiten
- ↳ Basteln
- ↳ Kinderparty
- Gesund und schön
- ↳ Gesundheit
- ↳ Make-up und Co
- ↳ Großmutter's Hausmittel
- ↳ FrauenSachen
- ↳ ErnährungAllgemein
- Sonstiges
- ↳ Nur für Mitglieder
- ↳ Gesund sein
- ↳ Geburtstagsliste
