Die Farbe des Lebens
Die Schamanin von Bad Dürrenberg ist durch reiche Grabbeigaben sehr bekannt. Bereits 1934 wurde sie bei Kanalarbeiten gefunden und - weil damals alles sehr schnell gehen musste - wurde auch vieles übersehen.
Das Skelett wurde erst als männlich eingestuft, etwa 10 cm grösser wie sie wirklich war und die Skelettknochen des Kindes, welches auch bei ihr im Grab lagen, wurden gar nicht berücksichtigt.
Diesem Skelett wurde auch der sogenannte Ariernachweis angedichtet, die Nationalsozialisten verdrehten alles so, dass es in ihre Vorstellungen passte und Niemand war da, der sich bei dem Gerippe mit ernsthaften Forschungen beschäftigte. Das Felsenbein als härtester Knochen im Skelett hätte auch damals schon viele Fehler deutlich gemacht. Zu DDR-Zeiten wurden dem Skelett der rechte Oberschenkelknochen, das rechte Schienbein und ein Oberarmknochen entnommen und nach Berlin geschickt, damit man Zeitalter und einiges mehr untersuchen kann. Leider sind diese Knochen auf Dauer bis heute verschwunden. Was kam damals heraus? Eigentlich nichts weltbewegendes. Und heute hat man diese fehlenden Knochen durch eine 3-D-Druckerei wieder hergestellt, damit die Heldin der Ausstellung vollständig ist. Die vielen Grabbeigaben wie Tierzähne, von Rothirschen, Wildschweinen, Sprungbein eines Bibers und Schulterblatt eines Igels – auch ein kleiner anderer Knochen eines Kranichs in welchem noch kleinere Dinge wohl aufbewahrt wurden - in dem Grab wurde auch eine geschliffenes steinernes Beil gefunden. Doch woher kam es?
Aus welchem Begriff kam das Wort Schamane/Schamanin) Wiki sagt:
Werden Objekte der Natur – Tiere (bisweilen auch ganze Tiergruppen), Pflanzen, Quellen, Felsen, Berge uvm. – als beseelt betrachtet, so spricht man im ethnoreligiösen Fachjargon von animistischen Auffassungen. In vielen Kulturen werden solche „inneren Wesen“ der Menschenseele gleichgesetzt, während die äußere Erscheinung nicht mehr ist als das real Wahrgenommene. In Reinform sind solche Ideen vor allem bei Jäger-Sammler-Kulturen verbreitet.
Und genau in diese Zeit ca 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung wurde diese Zeit durch die Bauern/Landwirtschaft bzw. Sesshaftigkeit abgelöst.
Bei einer Nachgrabung wurden noch viele Teile gefunden, die 1934 einfach in der Erde blieben. Und jetzt hatte man die Zeit und die Möglichkeiten alles genauer zu untersuchen ob es sich wirklich um eine Schamanin handelt oder nicht. Alles wurde aufs gründlichste untersucht und die dazugehörigen Experten gaben ihre Meinungen und Denkansätze ab. Die oberen Schneidezähne der Frau z.B. waren bis auf die Pulpa mit Löchern versehen – es müssen unendliche Schmerzen gewesen sein. Der Zahnexperte meinte, dass dies wohl in ihrer Kindheit passiert war und dass man damit einigermassen gut leben kann, wenn man diese Löcher peinlich sauber hält, damit sich keine wiederholten Entzündungen bilden können. Auch Zahnstein wurde keiner gefunden, aus dem man viel hätte herauslesen können und es dürfte für die Archäologen und ihren Helfern in der Zukunft schrecklich sein denn unsere Zahnbürsten sind für sie „Teufelsdinge“ die nichts hinterlassen.
Der Fundort als salzreiche gesunde Gegend auch heute noch beliebt, war damals bereits bekannt. Man wusste das Salzlösungen viele Dinge heilen konnten. Rote Farbe die überall gefunden wurde, besonders bei den Grabbeigaben, dem Grab – da stand diese Farbe für das Verzieren, Leben.
Rot schien einen besonderen Reiz auszuüben. Sie kam fast überall aus roter Erde – Rötel, roter Bolus, Rotocker oder eisenoxidhaltigem Gestein. Hier konnte die rote Farbe durch pulverisieren gewonnen werden. Der rote Farbgeber ist jeweils das enthaltene Mineral Hämatit. Es ist seit der Altsteinzeit bekannt und fand bereits bei Bestattungen von Neandertalern Verwendung. Mit der roten Farbe konnten Wände und Körper bemalt Haare gefärbt und Grabgruben ausgestreut werden. In einem der Grabbeigaben – Schildkrötenpanzerstücken – hafteten Reste von reinem Hämatit. Ein beigegebenes Rötelstück zeigte deutliche Reibespuren.
Die Hautfarbe, Augenfarbe wurde zu DDR Zeiten nicht bestimmt- heute weiss man dass diese Frau dunkelhäutiger war, dass sie schwarze Haare hatte und helle Augen. Ob blau oder ins grünliche spielend ist nicht ganz gewiss, aber die DNA gibt schon vieles her.
Die Hautfarbe wurde bei ihrem Fund als weiss vorausgesetzt – doch heute weiss man dass sie dunkelhäutig war, wie sehr kann man allerdings nicht genau sagen. Der Mensch stammt vom Affen (Schimpansen) ab durch die Evolution hat er sein Fell verloren, das die Sonneneinstrahlung auf die Haut mildert, also hat der Schimpanse unter dem Fell weisse Haut. Doch durch Sonneneinstrahlung verändert sich auch die Haut die Pigmentierung nimmt zu, die Haut wird dunkler, so auch bei dieser aussergewöhnlichen Frau. Es ist kein Merkmal der Intelligenz oder des Fortschritts – die Haut ist einfach nur der Spiegel der Sonneneinstrahlung – viel Sonne – dunkle Haut, wenig Sonne helle Haut. Die Eskimos brauchen z.B. kaum diesen Schutz durch die Pigmente – der Afrikaner dagegen schon.
Die Schamanengewänder glichen sich auf allen Kontinenten. Diese Tracht, Kostüme Uniform oder Rüstung war Tierhaut die zur zweiten Haut wird. Eine Hülle die übergeworfen wurde um die Kräfte eines anderen Körpers in einer anderen Welt zu nutzen. Sie ist keine Maskierung hinter der man sich verstecken kann sondern eher wie ein Raumanzug zu sehen, der das Reisen in einem anderen Medium erlaubt. An dem Gewand ist keine Ansammlung beliebiger Symbole sondern eine gezielte Anordnung von Macht. Auf diesem Rüstzeug für die andere Welt sind wie auf einem Schlachtfeld die verschiedenen Hilfsgeister der Schamanen in Form von Applikationen oder anderen Hilfsmitteln aufgereiht um den Status und die Macht des Trägers zu repräsentieren.
Federkronen waren bei den turkstämmigen Völkern des Altai-Gebirges verbreitet. Hier gilt der Adler oder der Schwan als Hilfsgeist des Schamanen.
Die Reisen in die „Anderswelt“ der Vergangenheit waren nie einfach – die Pfade im Reich der Toten sind immer verschlungen. Jeder Schamane hat seinen Hilfsgeist meist in Form eines Tieres. Die Trommel war das Hauptmedium. Sie ist das Gefährt mit dessen Hilfe die Schamanen in die Ober- oder Unterwelt auf- und absteigen können. Trommel und Schlägel bilden ein Paar, sie sind Reittier und Peitsche, Boot und Paddel zugleich. – im ursprünglichen Sinn heisst saman Jemand der weiss.
In Russland wurden die Schamanen von Katharina der Grossen verfolgt – hart bestraft. Katharina wollte das Land zum westlichen hin orientieren – so verschwanden mit der Zeit alle Schamanen – oder sie hielten sich im Untergrund auf und gaben sich nicht zu erkennen.
Der sibirische Schamanismus der historisch von vielen Ethnien ausgeübt wurde verschwand.
Schamanen sind Reisende zwischen den Welten. Die animistischen Spezialisten dienten ihrer Gemeinschaft in vielfältiger Weise von Heilung von Krankheiten bis hin zur Hilfe bei alltäglichen Fragen – dem Aufspüren von Jagdbeute. Die Welt der Schamanen wurde unterteilt in Oberwelt – alles was fliegt, was über der Erde ist, und die Unterwelt, alles was sich unter der Erde bewegt und unter Wasser ist, und dann die Ebene der Erde, die normale existierende Welt.
Mich faszinierte diese Ausstellung deshalb kaufte ich mir im Museumsshop das Buch von Harald Meller und Kai Michel „Das Rätsel der Schamanin“. Es ist eine archäologische Reise zu unseren Anfängen und mit seinen über 340 Seiten und den nachfolgenden Quellennachweisen nicht leicht zu lesen. Aber eins kann ich bestätigen: es ist ein hoch spannendes Buch – sehr informativ! Viele Dinge konnte ich mit anderen Büchern und Beschreibungen vergleichen und ich würde gerne jederzeit noch einmal in diese Sonderausstellung fahren, wenn es nicht so weit wäre.
Im Internet findet man weitere Quellen und kann sich da auch einiges ansehen, denn ich finde Menschheitsgeschichte wird hier sehr interessant dargestellt, besonders wie in diesem Fall dieser geheimnisumwitterten aussergewöhnlichen Frau.
Die Schamanin von Bad Dürrenberg
Ob Urlaub oder Tagesausflug, wenn einer eine Reise tut, darf er uns davon erzählen
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